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Windräder in Hessen : Im Schatten der Energiewende

Langsamer Fortschritt: Die Energiewende in Hessen schreitet nur schleppend voran. Bild: dpa

Hessen setzt auf einen gewaltigen Umbau der Stromerzeugung. Dazu wurden 17 Windräder seit Anfang des Jahres gebaut. Diese sind aber so gut wie nichts, wenn die Neuausrichtung der Energiepolitik wirklich gelingen soll.

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          Im Nachhinein ist kaum noch vorstellbar, welche Leidenschaften in Hessen einmal die Energiepolitik ausgelöst hat. Die Grünen und alle anderen Ökobewegten arbeiteten sich am Kernkraftwerk Biblis ab, das Kohlekraftwerk Staudinger in Großkrotzenburg war höchst umstritten, und die Energiewende bewegte unablässig den Landtag.

          Nichts davon ist geblieben. Als am Freitag gemeldet wurde, dass in Hessen im ersten Halbjahr zumindest 17 Windräder aufgestellt wurden, kamen keinerlei Reaktionen mehr dazu aus der Landeshauptstadt, nicht einmal eine triumphierende Meldung aus dem Wirtschaftsministerium, das früher noch jede Statistik dieser Art bejubelte. Die großen Konflikte sind Geschichte. An der neuesten Schlacht, der um das Ende der Kohleverstromung, hatte Hessen schon keinen Anteil mehr. Wie auch, die bedeutenden Anlagen stehen anderswo.

          Nur noch schleppend

          Dabei ist die Bilanz alles andere als erfreulich. Hessen ist schlichtweg auf Dauer zum Importland für Strom geworden. Angesichts der Proteste, auf die Pläne für neue Windräder vielerorts stoßen, ist es freilich auch für Anhänger der Energiewende opportun, nicht bis zum Äußersten für solche Anlagen zu kämpfen. Das gilt zumal für die Grünen, die sich Protestierern gegenüber sehen, die mit Argumenten aus dem Reservoir des Landschafts- und Tierschutzes kämpfen, die sonst die Politiker dieser Partei selbst gern verwenden, wenn es etwa gegen neue Straßen geht.

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          Im Ergebnis sind vielleicht sogar stillschweigend alle zufrieden, wenn der Ausbau der Windenergie in Hessen nur noch schleppend vorangeht. Denn auch 17 Windräder binnen sechs Monaten sind so gut wie nichts, wenn die Neuausrichtung der Energiepolitik wirklich gelingen soll.

          Man könnte auch sagen, dass die Hessen die Mühen, die der gewaltige Umbau der Stromerzeugung mit sich bringt, einfach anderen überlassen und auch nicht so genau fragen, auf welche Weise der Strom anderswo produziert wird. Aber das ist natürlich nicht sehr freundlich formuliert.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

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