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Die RAF in Frankfurt und Rhein-Main : Brandstiftung, Attentate, Morde

  • -Aktualisiert am

Terror-Paar: Andreas Baader und Gudrun Ensslin während des Kaufhausbrandstifter-Prozesses Bild: AP

Ein Film führt zurück in die Zeit des Terrors. „Der Baader Meinhof Komplex“ nach dem gleichnamigen Buch von Stefan Aust zeigt detailgetreu die kaltblütige Brutalität der RAF-Anschläge. Das Bomben und Morden hat gerade Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet getroffen.

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          Ein Film führt zurück in die Zeit des Terrors. „Der Baader Meinhof Komplex“ nach dem gleichnamigen Buch von Stefan Aust zeigt detailgetreu die kaltblütige Brutalität der RAF-Anschläge. Das Bomben und Morden hat gerade Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet getroffen.

          1968: Kaufhaus-Brandstiftung
          Das Vorspiel zu Mord und Bombenterror

          Der erste Brand ist am 2. April 1968 kurz vor Mitternacht im Kaufhaus M. Schneider an der Ecke Zeil/Stiftstraße ausgebrochen. Wenige Minuten später wurde im Kaufhof an der Hauptwache Feueralarm gegeben. Die beiden Brandanschläge einer Gruppe von Linksaktivisten um Andreas Baader und Gudrun Ensslin waren das Vorspiel für die Attentate und Morde der zwei Jahre später gegründeten Roten Armee Fraktion (RAF). Noch fehlte den Anschlägen die Perfektion späterer Attentate, noch wurden nicht gezielt Menschen attackiert. Die Brandstiftungen in den beiden Frankfurter Kaufhäusern, ausgegeben als Protest gegen den „Völkermord in Vietnam“, wurden mit primitiven Brandsätzen verübt: eine brennbare Flüssigkeit in einer Plastikflasche und ein Wecker als Zünduhr für eine Batterie.

          Die Schauspieler Moritz Bleibtreu als Andreas Baader und Johanna Wokalek als Gudrun Ensslin

          Im Kaufhaus Schneider, das es heute nicht mehr gibt, hatten Baader und seine Kumpanen die Brandsätze am Abend vor Geschäftsschluss im dritten Stock in der Möbelabteilung und im ersten Stock in der Abteilung Damenoberbekleidung deponiert. Im Kaufhof hatten sie einen Brandsatz unter einem Stapel Tischdecken, einen anderen in der Spielwarenabteilung unter einer Theke versteckt. Der Schaden blieb verhältnismäßig gering. Durch Hinweise kam die Polizei schnell auf die Spur der Brandstifter: Schon einen Tag später nahm sie Baader, Ensslin, Thorwald Proll und Horst Söhnlein in einer Frankfurter Wohnung fest. Im Prozess vor der Großen Strafkammer verhöhnten die Angeklagten Richter und Staatsanwalt. Staatsanwalt Walter Griebel wollte die Einordnung der Tat durch die Verteidigung als „politisches Happening“ nicht akzeptieren und verwies auf die Nachtwächter in den Kaufhäusern, deren Leben gefährdet gewesen sei. Das Urteil lautete für alle vier Angeklagten auf drei Jahre Zuchthaus. Ulrike Meinhof schrieb in der linken Zeitschrift „Konkret“ zu der Brandstiftung, eine Nachahmung könne nicht empfohlen werden. Es stimme aber auch der Satz Fritz Teufels: „Es ist immer noch besser, ein Warenhaus anzuzünden, als ein Warenhaus zu betreiben.“

          1972: Baader-Festnahme
          Die Verhaftung des Chefs war nicht das Ende der RAF

          Da liegt er nun, von Polizisten überwältigt. Andreas Baader, der Kopf und Mitgründer der RAF, wird am 1. Juni 1972 nach einer Schießerei vor einer Garage eines Wohnhauses am Hofeckweg nahe dem Frankfurter Hauptfriedhof festgenommen. In seinem Gesäß steckte eine Kugel. Die Garage, umfunktioniert zur Bombenwerkstatt, war für ihn und die Terroristen Holger Meins und Jan-Carl Raspe zur Mausefalle geworden. Die Verhaftung des Trios war der entscheidende Schlag gegen die Gründergeneration der RAF.

          Den Tipp hatte die Polizei von einem Nachbarn bekommen, der sich darüber gewundert hatte, dass sich immer wieder junge Leute lange in der Garage aufgehalten hatten. In aller Herrgottsfrühe waren an jenem 1. Juni die drei Terroristen mit einem Porsche vorgefahren und in die Garage gegangen. Dass sie von einer Sonderkommission der Polizei beobachtet wurden, ahnten sie nicht. Als ein Polizist über Megafon sie aufforderte: „Werfen Sie die Waffen weg und kommen Sie heraus!“, war das Haus schon von 200 Polizisten umzingelt. Baader, Meins und Raspe antworteten mit Schüssen. Selbst Rauchbomben und Tränengaspatronen konnten die Terroristen nicht zur Aufgabe veranlassen. Sie warfen die Bomben und Patronen zurück. Einem gepanzerten Wagen, der danach vorfuhr, zerschoss Baader den rechten Vorderreifen.

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