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Nach Mainfähre-Havarie : Für den neuen Fährbetreiber ist schon Schluss

  • -Aktualisiert am

Erst im Juli hatte die Fähre nach zweijähriger Pause wieder den Betrieb aufgenommen. Bild: Michael Kretzer

Eine schier unendliche Geschichte: Nach der Havarie der Mainfähre von Mühlheim nach Maintal-Dörnigheim hat sich herausgestellt, dass ein unqualifizierter Schiffsführer gefahren ist. Nun ruht der Betrieb in Mühlheim wieder.

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          Die Mainfähre von Mühlheim nach Maintal-Dörnigheim wird nicht so schnell wieder in Betrieb gehen. Am Montag beschloss der Kreisausschuss, den Vertrag mit dem Betreiber Mahir Kolbüken außerordentlich und mit sofortiger Wirkung zu kündigen. Der Fährbetrieb soll neu ausgeschrieben werden.

          Die Fähre hatte am Morgen des 8. Juli nach zweijähriger Pause den Betrieb wiederaufgenommen. Nur wenige Stunden später war sie havariert. Eines der beiden Enden des Gierseils, an dem die Wagenseilfähre hängt, geriet in den Propeller und wurde durchtrennt. Die MS Dörnigheim trieb anschließend manövrierunfähig auf dem Main. Die Feuerwehr sicherte sie; mit Hilfe eines Schiffs des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Aschaffenburg wurde sie ans Dörnigheimer Ufer gebracht. Dort liegt die Fähre seither.

          „Untragbare Vertragsverstöße“

          Der Kreis ist Inhaber des Fährrechts; ihm gehört auch die Fähre. Im Oktober 2017 hatte er dem früheren Betreiber wegen Verstößen gegen Sicherheitsvorschriften fristlos gekündigt. Anschließend wurde der Fährbetrieb ausgeschrieben; das Verfahren zog sich hin. Am Ende erhielt Kolbüken, der einziger Bewerber war, den Zuschlag.

          Zu der Entscheidung, sich wieder von ihm zu trennen, führten Ermittlungen des Kreises. Sie hätten ergeben, dass es zu „untragbaren Vertragsverstößen“ durch den Betreiber gekommen sei. Aufgrund dieser Vorkommnisse „ist das Vertrauen in eine weitere zuverlässige Zusammenarbeit . . . nicht mehr gegeben“, heißt es vom Kreis. Die fristlose Kündigung sei Kolbüken am Montag zugestellt worden.

          Unqualifiziertes Personal hat das Schiff geführt

          Der offizielle Abschlussbericht der Wasserschutzpolizei zur Havarie liegt nach Angaben des Kreises bisher nicht vor. Der Verdacht habe sich aber bestätigt, dass der Betreiber das Schiff von einem Mitarbeiter ohne die gesetzlich vorgeschriebene Qualifikation habe führen lassen. Dabei habe der Betreiber offensichtlich eine „ganz erhebliche Gefährdung des Schiffsverkehrs sowie seiner Mitarbeiter und Passagiere in Kauf“ genommen. Nach der Havarie habe der Kreis Kolbüken dreimal aufgefordert, darzulegen, mit welchem qualifizierten Personal er den Fährbetrieb sicherstellen wolle. Einen entsprechenden Nachweis habe der Betreiber bislang nicht erbringen können. Daher müsse man annehmen, dass der Betreiber nicht in der Lage sei, „seinen vertraglichen Verpflichtungen in vollem Umfang nachzukommen“. Der Vertrag sehe vor, dass die Fähre montags bis sonntags von 6 bis 21 Uhr nur von qualifiziertem Personal gesteuert werden dürfe.

          Bis zur Havarie habe es keinen Anlass gegeben, an der Richtigkeit von Kolbükens Angaben zu zweifeln, teilt der Kreis mit. Schon vor Aufnahme des Fährbetriebs seien auf Vermittlung des Kreises Kontakte zu den notwendigen Fachleuten und Ämtern aufgenommen worden. Dazu gehörten das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Aschaffenburg, der Fährverband und benachbarte Fährbetriebe. Zu keiner Zeit habe der Betreiber dem Kreis gegenüber erkennen lassen, dass er nicht über das notwendige Personal verfüge.

          Zweite deutschlandweite Ausschreibung soll folgen

          Der Kreis sei „weder Überwachungs- noch Zulassungsbehörde des Fährbetriebs“. Daher sei es ihm auch nicht möglich gewesen, die Fahrerlaubnisse der Beschäftigten vor Wiederaufnahme des Fährbetriebs selbst zu überprüfen. Der Kreis führt das Beispiel einer Stadt an, die ihre Busverbindungen ausschreibt. In diesem Fall werde ein Vertrag mit einem Busunternehmen geschlossen, das sich verpflichte, nur qualifiziertes Personal einzusetzen. Die Stadt lasse sich aber nicht von jedem beim Vertragspartner beschäftigten Fahrer den Führerschein und die Beförderungserlaubnis zeigen.

          Der Kreis will nun einen zweiten Versuch unternehmen, einen neuen Betreiber zu finden: Der Fährbetrieb wird noch einmal deutschlandweit ausgeschrieben. Dabei sollen im Wesentlichen die gleichen Vorgaben wie beim ersten Mal gelten. Bei den Vorbereitungen will sich der Kreis jedoch von Experten über die aktuelle Marktlage beraten lassen und, falls erforderlich, die Bedingungen „optimieren“.

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