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Videoüberwachung in Hanau : Die Innenstadt fest im Blick

Aufzeichnung: Rund um die Uhr wacht das technische Auge Bild: Rainer Wohlfahrt

Auf den Marktplatz und den Freiheitsplatz sind mittlerweile 28 Kameras gerichtet. Damit setzt die Stadt Hanau auf Abschreckung – dabei ist auch viel von „subjektiver Sicherheit“ die Rede.

          Die Videoüberwachung in der Hanauer Innenstadt hat sich bewährt – zumindest aus der Sicht von Behörden und Geschäftsleuten. Vertreter von Stadt und Polizei haben bei einer Podiumsdiskussion von „guten Erfahrungen“ mit den vor rund einem halben Jahr installierten Kameras auf Marktplatz und Freiheitsplatz gesprochen. Die Bilder ermöglichten es, Straftaten aufzuklären. Außerdem schreckten die Kameras vor Verstößen ab, zum Beispiel führen nun fast keine Hochzeitskonvois mehr über den Marktplatz.

          Jan Schiefenhövel

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Im Frühjahr wurden 28 Kameras auf jenen beiden Plätzen der Innenstadt angebracht, die viele Passanten anziehen. Ausgewählt wurden sehr leistungsfähige Geräte der neuesten Generation. Die Videokameras geben einen Überblick, es lassen sich aber auch Ausschnitte vergrößern, so dass einzelne Personen überall auf den beiden Plätzen erkennbar sind.

          Die Bilder werden aufgenommen. Tagsüber und am frühen Abend werden sie in die Stadtwache, die Anlaufstelle der kommunalen Ordnungskräfte am Marktplatz, übertragen. In der Nacht laufen die Bilder in der Polizeiwache am Freiheitsplatz ein. In beiden Dienststellen ist zwar stets ein Mitarbeiter in der Nähe der Bildschirme, das heißt aber nicht, dass das Geschehen auf den Plätzen ununterbrochen beobachtet wird. Nach zehn Tagen werden die Aufzeichnungen gelöscht und können danach nicht mehr wiederhergestellt werden. Das schreibt das Land Hessen vor, um dem Datenschutz gerecht zu werden.

          Polizei sieht ein „Erfolgsmodell“

          Der Leiter der Polizeidirektion Main-Kinzig, Jürgen Fehler, nannte die Hanauer Videoüberwachung ein „Erfolgsmodell“. Zum Beispiel sei mit ihrer Hilfe ein Raubüberfall auf einen Taxifahrer aufgeklärt worden, sagte der Polizist bei der Diskussion im Kulturforum, zu der der Verein Hanau Marketing eingeladen hatte. Auch sonst seien die Ergebnisse durchweg positiv. Die meiste Zeit über werden nach Fehlers Worten die Bilder nicht im Moment der Aufnahme kontrolliert. Werde eine Straftat angezeigt, sichteten die Beamten im Nachhinein die zur Tatzeit aufgezeichneten Szenen und verwendeten die Bilder bei der Aufklärung.

          Die Kameras hätten zum Beispiel Mitglieder der NPD erfasst, die im Stil einer Bürgerwehr als „Schutzstreifen“ mit Warnwesten aufmarschiert seien. Gegen diese Personen seien Strafverfahren eingeleitet worden. Die Videoüberwachung erfasse nur die beiden Plätze, und Kriminalität werde an andere Orte „verdrängt“, sagte Fehler. Das bedeute, Straftaten wie Drogenhandel würden dann anderswo begangen. Eine Verdrängung sei dennoch erwünscht, weil manche Verstöße anderswo nicht begangen würden. Die Kameras trügen darüber hinaus dazu bei, dass viele Bürger sich beim Gang durch die Innenstadt wohler und sicherer fühlten.

          Positive Reaktionen der Bürger

          Auch der Ordnungsdezernent Thomas Morlock (FDP) zeigte sich zufrieden mit den ersten Erfahrungen. Die Aufzeichnungen gäben ein gutes Bild des Geschehens auf den beiden Plätzen und bewiesen auch, dass Straftaten dort „kein Massenphänomen“ seien. Manche Bürger fühlten sich in der Dunkelheit auf den Plätzen unsicher, obwohl das tatsächliche Risiko, Opfer einer Straftat zu werden, gering sei. Dieses Empfinden der Passanten, von Fachleuten als „subjektive Sicherheit“ bezeichnet, müsse respektiert werden, denn davon hingen Lebensgefühl und Aufenthaltsqualität in Hanau ab.

          Der Wirt Stefan Gebauer, der zwei Cafés auf dem Marktplatz führt, sagte, er selbst habe sich sehr über die Videokameras gefreut und auch bei seinen Gästen kämen diese gut an. Der Leiter des Ordnungsamts, Thorsten Wünschmann, berichtete ebenfalls von positiven Reaktionen der Bürger.

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