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Grube Messel : Ein Gebäude, strukturiert wie Ölschiefer

  • -Aktualisiert am

Simulation des neuen Besucher- und Informationszentrums Bild: dpa

Das Unesco-Weltnaturerbe Grube Messel bekommt ein neues Besucher- und Informationszentrum. Raum für Raum soll das Zentrum die Besucher in die Zeit vor 47 Millionen Jahren führen.

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          Von 2009 an soll an der Grube Messel ein Besucher- und Informationszentrum Wissen über die Funde in dem Weltnaturerbe und über seine Geschichte vermitteln und auch die Attraktion der Fossilienfundstätte touristisch vermarkten helfen. Am Freitag wurde im Messeler Rathaus der endgültige Entwurf für den Neubau vorgestellt. Vor eineinhalb Jahren hatte ein Architektenwettbewerb stattgefunden. Die Entscheidung fiel allerdings nicht für den damaligen ersten Preis, sondern nach einer Überarbeitungsphase für den zweiten.

          Der siegreiche Entwurf nimmt architektonisch das Thema Ölschiefer auf und gibt die Struktur des Gesteins in einem schichtartigen Aufbau wider. Das außen wie innen ungewöhnliche Gebäude soll eine Nutzfläche von 870 Quadratmetern haben und fünf Millionen Euro kosten. Baubeginn wird im Frühjahr sein. Diese Daten nannten der Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Ralph Alexander Lorz, Messels Bürgermeister Udo Henke (beide CDU) und Landrat Alfred Jakoubek (SPD). Sie stellten Entwurf und Planungen für die Außengestaltung und zur Einrichtung der Präsentationsräume vor.

          Grube Messel soll „Treffpunkt der Region“ werden

          Nach dem Entwurf des Münchner Architekturbüros Landau + Kindelbacher durchwandert der Besucher die horizontal angeordneten Schichten und bewegt sich auch innerhalb des Hauses in einem Raumgefüge, das nur wenig Ähnlichkeit mit herkömmlichen Gebäuden hat. Eine Aussichtsplattform zur Grube hin bietet einen Blick über die Fossilienfundstätte. Beim Rundgang bewegen sich die Besucher durch Räume, die Themen wie Evolution, Vulkanismus, Geschichte der Grube, Regenwald, Industriegeschichte oder Fossilienfunde präsentieren. Die Ausstellungsmacher vom Büro Holzer-Kobler in Zürich wollen dabei Informationen unterhaltsam vermitteln, atmosphärisch erlebbar machen, aber nicht auf Fakten und Hintergründe verzichten. Ihr Ausstellungskonzept fügt sich in die räumliche Struktur ein.

          Das Münchner Büro Keller Landschaftsarchitekten gestaltet auch die Außenanlagen, wo in Themengärten die unterschiedlichen Schwerpuntke der Innenräume wieder auftreten. Darüber hinaus sollen am Weg zur Aussichtsplattform Pflanzen gezeigt werden, die sich aufgrund der besonderen Lage in und an der Grube inzwischen dort angesiedelt haben.

          Lorz zufolge ist der Entwurf „der Präsentation von Deutschlands einzigem Weltnaturerbe angemessen“. Das Besucher- und Informationszentrum werde die „Faszination Messel“ vermitteln. Die Fossilien erzählten „ihre eigene Geschichte“, und den Besuchern werde deutlich, dass Forschen und Bewahren nicht nur wichtig, sondern auch spannend und aufregend seien. Denn noch sei die Grube nicht richtig erschlossen. Jakoubek nimmt an, dass das neue Zentrum den Erwartungen der Besucher gerecht werde. Überdies mache das gastronomische Angebot die Grube Messel zu einem „Treffpunkt der Region“; Jakoubek meinte sogar, dass dadurch Gäste aus aller Welt nach Messel gelockt würden. Es sei aber auch überfällig, dass etwas geschehe: Die bisherigen Anlagen seien einfach zu dürftig.

          Gut erhaltene Skelette aus dem Eozän

          Südhessen werde zum Vorreiter des deutschland- und europaweiten Geo-Tourismus, verspricht sich die Geschäftsführerin der gemeinnützigen Gesellschaft, die das Besucherzentrum betreiben wird, Marie-Luise Frey. An der Gesellschaft sind das Land (65 Prozent), das Naturmuseum Senckenberg in Frankfurt (25) und die Gemeinde Messel (zehn Prozent) beteiligt.

          Der europaweit ausgeschriebene Wettbewerb für das Besucherzentrum, das die derzeitigen Container ablösen wird, hatte vier Sieger aus 173 Bewerbungen ergeben. Zwar fiel die Entscheidung der Jury unter Leitung des Darmstädter Architekturprofessors Werner Durth einstimmig zugunsten eines Wiesbadener Büros, doch wurden die vier ersten Entwürfe zur Überarbeitung hinsichtlich Nutzung, Funktion und Kosten zurückgegeben. Nun habe sich – vor allem aus wirtschafltichen Gründen – ein Wechsel in der Reihenfolge ergeben, erläuerte Lorz.

          1995 nahm die Unesco die Fossilienfundstätte, die als Mülldeponie vorgesehen war, in die Liste des Welterbes der Menschheit auf. Keine andere Fundstätte hat eine derart vielfältige und gut erhaltene Fauna preisgegeben. Die Skelette aus dem Eozän, der Zeit vor rund 45 Millionen Jahren, sind häufig so gut bewahrt, dass sich oftmals noch Haut und Haare erkennen lassen, in manchen Fällen auch der Inhalt von Magen und Verdauungstrakt. Die Tiere waren in den Maarsee gefallen und danach von Ölschieferschichten überlagert worden. Messel-Fossilien sind im Heimatmuseum der Kommune, im Hessischen Landesmuseum in Darmstadt und im Naturmuseum Senckenberg in Frankfurt ausgestellt.

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