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Deutscher Wetterdienst : Neubau für 72 Millionen Euro in Offenbach

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Nach mehr als zehn Jahren Planung will der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach für 72 Millionen Euro eine neue Zentrale errichten. Das alte, seit 1957 genutzte Gebäude soll dafür abgerissen werden.

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          Nach mehr als zehn Jahren Planung will der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach für 72 Millionen Euro eine neue Zentrale errichten. Das alte, seit 1957 genutzte Gebäude soll dafür abgerissen werden. Mit den Bauarbeiten kann nach Angaben von DWD-Präsident Udo Gärtner Ende nächsten Jahres begonnen werden. Der für 912 Mitarbeiter ausgelegte Neubau mit einer Nutzfläche von 22000 Quadratmetern solle spätestens im Frühjahr 2008 bezogen werden, sagte Gärtner bei der Vorstellung des von dem Friedberger Architekturbüro Bremmer, Lorenz und Frielinghaus entworfenen Gebäudekomplexes an der Frankfurter Straße. In dem Neubau könnten die gegenwärtig an vier Orten in Offenbach tätigen 875 festangestellten Mitarbeiter des Wetterdienstes zusammengeführt werden. Es sei das Ziel, die Verwaltung mit dem Rechenzentrum, der Zentralen Vorhersage, der Luftfahrtberatung und der nationalen Spezialbibliothek in einem modernen, funktionalen und wirtschaftlich zu führenden Neubau zusammenzubringen.

          Gärtner machte deutlich, daß sich die Bundesbehörde für einen Neubau am bisherigen Sitz vor allem aus Gründen der Wirtschaftlichkeit entschieden habe, da das Grundstück dem Bund gehöre. Hinzu komme, daß viele Mitarbeiter in der Region wohnten. Geprüft worden seien Alternativen in Dietzenbach und innerhalb Offenbachs. Der DWD-Präsident kündigte an, daß zirka 350 Mitarbeiter während der Bauzeit in ein anderes Offenbacher Bürohaus umziehen müssen.

          Ralf Nagel (SPD), Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, sagte bei der Präsentation, der Neubau sei ein Signal, daß der Deutsche Wetterdienst in Offenbach bleibe. Der Neubau werde dem DWD helfen, seine europäische Spitzenstellung zu festigen. Auch könnten im neuen Gebäude internationale Tagungen veranstaltet werden. Nach Angaben des Staatssekretärs hat Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) die Finanzierung für das Projekt schon genehmigt. Allerdings werden die Architekten das Bauvorhaben zunächst umplanen müssen, weil wegen der Haushaltslage des Bundes die Baukosten um 3,3 Millionen Euro verringert werden sollen. Weitere zwei Millionen Euro sollen als Reserve zurückbehalten werden.

          Nagel begründete den Abriß der vom früheren Offenbacher Architekten und Leiter des Staatsbauamtes, Paulfriedrich Posenenske, entworfenen Wetterdienstzentrale damit, daß ein Neubau wirtschaftlicher sei. Die Auflagen des Brandschutzes und die Anforderungen eines sparsamen Energieverbrauchs ließen sich in dem Gebäude nicht erfüllen. Nach eingehender Prüfung sei das Ministerium zu dem Ergebnis gekommen, daß bei der ursprünglich geplanten Erweiterung das bestehende Gebäude nicht mehr wiederzuerkennen gewesen wäre. Das spreche aber nicht gegen seine Qualität, sagte Nagel.

          Der Staatssekretär war sich mit Oberbürgermeister Gerhard Grandke (SPD) einig, daß der DWD als Markenzeichen zur "Wetterstadt Offenbach" gehöre. Grandke zeigte sich erleichtert, daß nun die "Achterbahnfahrt" für den DWD und die Stadt beendet sei. Wetterdienst und Kommune seien erfolgreiche Partner, ein halbes Jahrhundert nach Ansiedlung der Behörde stelle der Neubau einen Meilenstein in der Entwicklung dar. Es habe sich erwiesen, daß auch nach Erweiterung des Wetterdienstes im Kaiserlei-Gebiet der Platz nicht ausreiche. Grandke hob hervor, daß die Stadt für den DWD "alles möglich gemacht" und in kurzer Zeit den Bebauungsplan erstellt habe. Die Baugenehmigung könne in weniger als drei Monaten erfolgen. Grandke und Gärtner dankten den Bundestagsabgeordneten Uta Zapf (SPD) und Klaus Lippold (CDU) für ihr Engagement, den Wetterdienst in Offenbach zu erhalten.

          Wie der Architekt Gerhard Bremmer erläuterte, sieht der Entwurf des Architekturbüros vor, auf dem 21200 Quadratmeter großen Grundstück etwas mehr als ein Viertel der Fläche zu bebauen. Vier unterschiedlich hohe Gebäudeteile würden den Baukomplex gliedern und ihm Spannung verleihen. Die beiden quer zur Frankfurter Straße stehenden fünf und sieben Stockwerke zählenden, verglasten Gebäuderiegel würden durch einen weiteren Riegel, der sozusagen schwebe, miteinander verbunden. In den Querriegeln wolle man Foyer, Vortragssaal, Bibliothek und die Verwaltung unterbringen. Im rückwärtigen Teil schließe sich an der Löwenstraße ein kammartig gegliederter Gebäudeteil mit drei Stockwerken an. Dort habe das Rechenzentrum Platz. Außerdem würden in einer Tiefgarage 216 Stellplätze geschaffen. Zu den Vorzügen des Entwurfs zählt Bremmer die behutsame Plazierung der Gebäude in dem alten Park und die Schaffung eines begrünten Innenhofs, der von außen einsehbar sein werde. Gärtner hob zudem die ökologische Gestaltung des Neubaus hervor. So würden die Flachdächer begrünt und der Wärmebedarf der Gebäude etwa zur Hälfte aus der Abwärme des Rechenzentrums gedeckt. Auch werde auf eine Klimaanlage verzichtet.

          Gegen den Abriß der bestehenden Wetterdienstzentrale hat sich unterdessen der Offenbacher Architekt Fritz Novotny ausgesprochen, der mit Posenenske zeitweilig zusammenarbeitete. Dieser Zeitung sagte Novotny, das Gebäude sei einer der wenigen bedeutenden Bauten aus den fünfziger Jahren in Offenbach. Posenenske habe nach 1945 als erster ein Gebäude vollkommen in Beton errichtet und diese Betonskulptur mit einer Fassade verbunden, die aus versetzten Fenstern bestehe. Novotny schlug vor, das Gebäude zu sanieren und mit dem Neubau zu verbinden. Christoph Mohr, beim Wiesbadener Landesamt für Denkmalpflege zuständig für Offenbach, sagte auf Anfrage, es handele sich bei der Wetterdienstzentrale zwar um einen "sehr ausdrucksstarken Bau", doch habe man "die ästhetischen Qualitäten des Gebäudes gegenüber den praktischen Erwägungen" für nicht so gewichtig gehalten. Daher stehe das Gebäude nicht unter Denkmalschutz und könne der "Abrißbirne überantwortet werden". (ajw)

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