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Deutscher Wetterdienst : Mit riesiger Antenne Regen und Hagel auf der Spur

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Für gutes Wetter: Das neue Wetterradar-Gerät bei Dreieich-Offenthal. Bild: Rainer Wohlfahrt

Der Deutsche Wetterdienst schafft den modernsten Wetterradar-Verbund Europas. Teil davon ist ein neues Radarsystem auf einem 45 Meter hohen Turm im Wald zwischen Offenthal und Langen.

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          Präzise Informationen zum Wetter in einem Umkreis von 150 Kilometern liefert das neue Wetterradarsystem, das der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Mittwoch auf einem 45 Meter hohen Turm im Wald zwischen Dreieich-Offenthal und Langen installiert hat. Ein 40-Tonnen-Autokran eines Frankfurter Unternehmens beförderte die Einzelteile am Nachmittag in die Höhe; auf der oberen Plattform nahmen Fachleute den Unterbau mit der Radartechnik und die kreisrunde gewölbte Antenne in Empfang, um sie zu befestigen. Der Spiegel bringt es auf einen Durchmesser von 4,20 Meter und sieht aus wie eine vergrößerte Satellitenschüssel, wie man sie von Dächern und Balkons kennt. Eine sechs mal fünf Meter große Verkleidung, Radom genannt, schützt das System vor Witterungseinflüssen.

          Rund 800.000 Euro ließ sich der DWD das neue Wetterradarsystem kosten, das Teil eines größeren Ganzen ist und zu noch genaueren Wettervorhersagen und Unwetterwarnungen beitragen soll. Bislang verfügt der DWD an 16 Standorten über ein Netz von Wetterradarsystemen, die zum Teil mehr als 20 Jahre alt sind. Die Anlagen werden derzeit grundlegend erneuert. Künftig wird das Wetter an 17 Standorten bundesweit erfasst. Die Wetterradarsysteme, die von der amerikanischen Firma Enterprise Electronics Corporation hergestellt werden, haben jeweils eine Reichweite von 150 Kilometern. Bis Ende 2012 soll das Projekt abgeschlossen sein. Insgesamt investiert der Deutsche Wetterdienst rund 27 Millionen Euro. Er schafft damit den modernsten Wetterradarverbund Europas. Nach Angaben von Projektleiterin Sybille Schumann sind die neuen Geräte mit Doppler-Dual-Polarisation ausgestattet. Die sich drehende Antenne auf dem Turm zwischen Offenthal und Langen liefert eine Vielzahl von Daten: Beim Volumen-Scan wird die Atmosphäre bis in eine Höhe von zwölf Kilometern vertikal erfasst. Der Präzipitations-Scan ermöglicht exakte Angaben zum Niederschlag und zur Richtung der Niederschlagsgebiete. Auch die Windgeschwindigkeit wird ausgerechnet. Mit den neuen Geräten lassen sich die Niederschlagsteilchen – etwa Hagel – erkennen. Die Angaben sind von Bedeutung für Katastrophen- und Hochwasserschutz, aber auch für die Vorhersage des Flugwetters.

          Wetterradargerät am Frankfurter Flughafen soll abgeschaltet werden

          Für die Modernisierung des Wetterradarnetzes – laut Schumann das größte Projekt des DWD zur Zeit – sind acht Türme neu zu bauen; an den anderen Standorten werden die vorhandenen Türme angepasst. Das Bauwerk neben dem Waldparkplatz an der Bundesstraße 486 zwischen Langen und Offenthal liegt in einem Flora-Fauna-Habitat. Farbgebung und Struktur der Außenwände wurden daher dem Aussehen von Baumrinde angepasst. Im März vergangenen Jahres hatte der Bau begonnen. Im Betriebsraum in luftiger Höhe laufen die Daten in einem Rechner zusammen. Von dort werden sie mittels Datenleitung zum DWD nach Offenbach geleitet. Sowohl Betriebsraum als auch Radom sind klimatisiert, was Geräteausfälle durch Überhitzung vermeiden soll.

          Schumann hob hervor, am Standort Offenthal werde das erste neue System auf Dauer in Betrieb gehen. Der Zeitplan sieht dafür Mitte Oktober vor. Wenn alles reibungslos funktioniert, will der DWD das bisher genutzte Wetterradargerät am Frankfurter Flughafen abschalten.

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