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Deutsche Post : Post schafft neue Kleinstfilialen in Geschäften

Derzeit in Dortmund und Bonn getestet, bald auch in Hessen, aber ohne Postbank-Service: „Postpoints” Bild: Deutsche Post AG

Die Deutsche Post will ihr Filialnetz durch 600 „Postpoints“ erweitern - 42 davon sollen in Hessen entstehen. Diese kleinen Poststellen sollen in Einzelhandelsgeschäften untergebracht werden. Zwei Pilotversuche laufen laut Post erfolgreich.

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          Die Deutsche Post will ihr Filialnetz durch 600 sogenannte Postpoints erweitern, von denen 42 in Hessen entstehen sollen. Dabei soll es sich um kleine Poststellen handeln, die in bereits vorhandenen Einzelhandelsgeschäften untergebracht werden. Anders als die meisten Postagenturen - die nächstgrößere Variante der Postniederlassung - werden die Postpoints keine Postbank-Dienstleistungen anbieten, wie ein Sprecher auf Anfrage sagte. Außerdem ist es bei den Postagenturen in der Regel offenbar so, dass sie anstelle von eigenbetriebenen Postfilialen eingerichtet werden, die dafür aufgegeben werden. Das soll bei den Postpoints nicht so sein, wie der Sprecher versicherte: „Wir eröffnen diese rein zusätzlich, nicht anstelle von Filialen.“

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In zwei Pilotstädten, Dortmund und Bonn, gibt es schon seit einiger Zeit solche Kleinstfilialen. Die Zahl der Anlaufstellen für Postkunden soll sich in den beiden Städten durch den Modellversuch mit einem Schlag verdoppelt haben. Jetzt soll das Projekt auf ganz Deutschland ausgeweitet werden. Die Postpoints sollen den alltäglichen Bedarf abdecken: Man kann dort Briefe und Pakete abgeben, Briefmarken kaufen, aber auch beispielsweise Packsets erwerben. Außerdem ist es dort möglich, Einschreiben aufzugeben sowie Nachsendungen zu veranlassen oder den Lagerservice zu beauftragen.

          Reaktion auf anstehende Liberalisierung

          Kritik gab es für das Konzept vom Deutschen Verband für Post, Informationstechnologie und Telekommunikation in Offenbach, der die Interessen der Postkunden vertritt. Vorstand Elmar Müller sagte dieser Zeitung, aus Sicht der Postkunden seien die Postpoints mit Vorsicht zu genießen: „Da gibt es doch nur ein sehr ausgedünntes Produktangebot.“ Die Beratung sei oft nicht optimal, weil das Personal nicht ausreichend geschult sei. In vielen Fällen sei die Öffnungszeit der Postpoints auch nicht identisch mit der der Geschäfte, in denen sie untergebracht seien. Alle Dinge, die versichert werden müssten, wie Wertbriefe, könne man dort in der Regel nicht aufgeben. „Aber das wird wohl vielfach die Zukunft sein“, meinte Müller.

          Die Post reagiert damit offenbar auch auf die bevorstehende Liberalisierung des Briefmarktes. Zum Jahresende soll das Briefmonopol in Deutschland fallen. Private Postanbieter haben schon angekündigt, ihre Netze ausweiten zu wollen. Der private Paketdienstleister Hermes beispielsweise kommt jetzt schon auf mehr als 13.000 Annahmestellen, die Pin Group plant angeblich, im nächsten Jahr an 11.000 Standorten Sendungen anzunehmen. Postchef Klaus Zumwinkel reagierte vor einiger Zeit mit der Ankündigung: „Wo die Wettbewerber sind, da werden wir auch sein.“

          Kunden sollen nicht verprellt werden

          Das Unternehmen versucht einen schwierigen Spagat. Auf der einen Seite will die Post die Kosten niedrig halten, um gut für den Wettbewerb gerüstet zu sein. Auf der anderen Seite gilt es, die Kunden nicht unnötig durch den Rückzug aus der Fläche zu verprellen. Deshalb versucht das Unternehmen, günstige Formen des Vertriebs zu finden. Das Gegenstück zu den Postpoints sind Verkaufsstellen für Briefmarken und Paketmarken in Supermärkten. In der Regel werden sie ergänzt durch einen Briefkasten und gegebenenfalls durch eine Paketbox. Hier befindet sich die Post nach Unternehmensangaben in Gesprächen mit mehreren Ketten.

          Außerdem ist die Zahl der Packstationen ausgeweitet worden - Automaten, an denen man Pakete und Päckchen abgeben kann. Bis Ende des Jahres will die Post bundesweit auf 1000 kommen. In Frankfurt ist die Zahl bereits im vorigen Jahr von 48 auf 51 aufgestockt worden, in Darmstadt auf zehn, in Wiesbaden auf acht, in Offenbach auf sechs; in Mainz, einer der Pilotstädte, soll es mittlerweile sogar 35 der Anlagen geben.

          Teilweise werden Leistungen eingeschränkt

          Durch solche Schritte soll das Post-Netz offenbar zu günstigen Konditionen erweitert werden. Insgesamt ist die Entwicklung in Hessen allerdings nach wie vor noch geprägt davon, dass traditionelle Postfilialen in sogenannte Partneragenturen in Einzelhandelsgeschäften umgewandelt werden. Dafür hat die Post nach eigenen Angaben in Hessen mehr Bewerber als potentielle Standorte. Im Bundesland betreibt das Unternehmen derzeit noch rund 900 Filialen, von denen weniger als die Hälfte mit eigenem Personal der Post ausgestattet sind. Gerade steht die Umwandlung einer Filiale in eine Agentur im südhessischen Seeheim an, in Frankfurt am Haus Dornbusch ist dasselbe im März passiert, in Sachsenhausen an der Mörfelder Landstraße Anfang des Jahres.

          Für die Postkunden bedeutet das zumindest in einem Teil der Fälle auch Einschränkungen der Leistungen. Diese Umwandlungen sind deshalb häufig mit erheblichem Protest von Anwohnern und Lokalpolitikern verbunden. Gesetzlich ist der Post zurzeit noch vorgeschrieben, dass sie bundesweit mindestens 12.000 Filialen betreiben muss, davon mindestens 5000 mit eigenem Personal. Wie sich die gesetzlichen Auflagen für das Netz mit der Öffnung des Briefmarktes weiterentwickeln werden, ist noch in der politischen Diskussion. Mit den Postpoints wird das Unternehmen nach eigenen Angaben auf mehr als 13.000 Standorte kommen, davon rund 7000 als Partnerbetriebe, außerdem verfügt es noch über etwa 108.000 Briefkästen. Deren Netz soll nach einer erheblichen Reduzierung um gut 30.000 vor vier Jahren derzeit nicht angetastet werden.

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