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Der Wandertipp : Die Wacht am Main

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Bastionär: Seit Freilegung von wucherndem Rankenwerk ist der Blick von der Kollenburg auch wieder ins Maintal möglich. Bild: Thomas Klein

Vom Wuchs befreit, die Mauern befestigt, präsentiert sich die Kollenburg eindrucksvoller denn je vor dem Hintergrund endloser Spessartwälder. Zu entdecken ist der Sitz eines Regionalgeschlechts mit Behauptungswillen.

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          Dass im Herzland des Spessarts, dem endlosen Forst zwischen den Armen des Mainvierecks, kaum Burgen bestehen, kann nicht überraschen, blickt man auf seinen Eigner, das Mainzer Erzbistum. Jahrhundertelang leisteten sich die mächtigen Kirchenfürsten den Luxus eines Jagdbannwaldes, den sie erfolgreich aus Territorialhändeln heraushielten. Anders an der Peripherie. Ob die Würzburger Fürstbischöfe, der Deutsche Orden, die Grafen von Wertheim, Rieneck oder Erbach, jeder, der einen Landzipfel erhaschen konnte, materialisierte seinen Anspruch.

          Massiert sind die Festungen am südlichen Mainviereck anzutreffen, und doch steht die imponierende Größe der Anlagen von Wertheim, Freudenberg, Stadtprozelten oder Collenberg in auffallendem Gegensatz zu ihrem vergleichsweise geringen Bekanntheitsgrad – vielleicht weil dort fernab der Hauptverkehrsströme nie große Geschichte gemacht wurde. Dank umfangreicher Restaurierungs- und Freilegungsarbeiten in den letzten Jahren könnte sich dies jetzt ändern. Seitdem an den Mauern des Burgenquartetts der Bewuchs fiel, ist ihr einladendes Sandsteinrot weitaus besser vom Maintal erkennbar.

          Gras im Inneren

          Namentlich für die Kollenburg nahe Collenberg fand sich ein auch Ritterromantiker befriedigender Kompromiss zwischen dem vertrauten Bild wuchernden Rankenwerks und denkmalpflegerischen Erfordernissen. Unter Federführung der Bayerischen Staatsforsten wurde das Substanzgefährdende herausgenommen, ohne das Gras im Inneren und die Vegetation ringsum zu entfernen.

          Zu entdecken ist der Sitz eines Regionalgeschlechts, das mit Geschick und Behauptungswillen gegen seine übermächtigen Nachbarn rund vier Jahrhunderte die Wacht am Main hielt. Mitte des 13. Jahrhunderts hatten die von Rüdt die respektheischend auf einem Felssporn sitzende Burg erworben und parallel zu ihrem Aufstieg zur Reichsunmittelbarkeit 1541 über drei Etappen den Zeit- und Repräsentationsbedürfnissen angepasst. So finden sich Elemente der Renaissance wie das reich verzierte Portal neben romanischem Palas und bastionären Bauten.

          Nach dem Aussterben der Collenberger Linie der Rüdt 1635 vergab das Erzstift Mainz als Lehnsherr die Burg an seinen Kanzler Georg Freiherr von Reigersberg. Dessen Nachfahren erschien das baufällige Gemäuer freilich wenig standesgemäß und ließen durch den Würzburger Hofbaumeister Johann Michael Fischer im nahen (Collenberg-)Fechenbach 1754 ein Barockschloss errichten, das wiederum 1842 die Frankfurter Bankiersfamilie von Bethmann erwarb. Später unterschiedlich genutzt, wurde es 2006 generalsaniert, harrt aber bis heute einer dauerhaften Verwendung.

          Wegbeschreibung

          Vom Bahnhaltepunkt Collenberg hält man sich mit der Markierung rotes Kreuz über die Parkstreifen rechts; weitere Stellflächen am Main oder dem Friedhof. Dieser empfiehlt sich bei einem verkürzten Auftakt. Dann steigt man mit C1 (schwarz) im Linksbogen um das Gräberfeld bergan, fortgesetzt über den Streuobsthang und schließlich in Wald zum Richtungspfosten Waisenhausstein zum Anschluss an die Hauptroute. Die findet mit dem roten Kreuz durch Hauptstraße, Streckerring, Gartenstraße und nochmals Streckerring hinaus und in das Fechenbachtal hinein. Auch wenn zuletzt reichlich Bäume und Sträucher fielen, bewahrt es den Charakter eines weitgehend natürlichen Gewässers, teilweise wegen seiner hohen Buchen und Erlen geschützt.

          Etwas ansteigend ist der anmutige Talgrund bis zur Schutzhütte Brückenbrunnen gut einsehbar. Erst dort, mit dem scharfen Rechtsschwenk zum nun gültigen C 1 gen Waisenhausstein, ändert sich das Bild. Lange umfängt uns fortan Wald, jetzt zur Vegetationsphase ein stimmungsvolles Erlebnis, wenn eine fast meditative Stimmung über den jungen Trieben der Buchen und Eichen liegt.

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