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Carsten Knop

Der Staat in der Corona-Krise : Eingriffe haben einen Preis

  • -Aktualisiert am

Auch der Reiseverkehr wird eingeschränkt: Infotafel am Grenzübergang zu den Niederlanden Bild: dpa

In der Corona-Krise zeigt sich, dass es manchmal wirklich den Staat braucht, um sich vor einer Gefahr zu schützen. Aber jede Einmischung in das private Leben hat ihre Konsequenzen.

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          Soll man es Hoffnung nennen? In Hessen können die Schüler von Abschlussklassen davon ausgehen, dass vom 27. April an wieder etwas Normalität in ihr Leben zurückkehrt. Auch kleinere Händler müssen das Geschäft nicht mehr Online-Versendern überlassen und dürfen von Montag an wieder in ihren Geschäften verkaufen. Dort, wo sich die Türen öffnen, weht die frische Luft der Freiheit: Zur Schule gehen, Handel treiben, ein selbstbestimmteres Leben führen – das ist nur dort möglich, wo die härtesten Beschränkungen aufgehoben werden.

          Wo aber die Türen weiterhin verschlossen bleiben, sammeln sich im Geiste diejenigen, die in der regulierten Gesellschaft noch nicht „dran“ sind. Eltern von Kindergartenkindern zum Beispiel, Kulturschaffende, die Mitarbeiter der zumeist wirtschaftlich angeschlagenen Kaufhausketten und anderer großflächiger Betriebe, nicht zu vergessen die Trainer und Athleten in den Sportvereinen. Und damit ist in diesem Fall einmal nicht die Fußballabteilung von Eintracht Frankfurt gemeint, sondern zum Beispiel Vereine wie die SG Nied und der ESSC Bad Soden. In den hessischen Familien dürfte das Fragewort „Warum“ daher auf der Liste der meistgenutzten Wörter oben stehen: Warum darf man in Nordrhein-Westfalen noch Eis aus einer Eisdiele kaufen, in Hessen aber nicht? Und warum ist das auch hier wohl bald doch wieder erlaubt?

          Unterricht in Sachen Freiheit

          Man kann viel lernen in diesen Tagen – über den Föderalismus, über Entscheidungsprozesse in der Politik. Besonders eindrucksvoll fällt der Unterricht in Sachen Freiheit aus. Denn alle Beispiele aus dem täglichen Leben zeigen, was staatliche Eingriffe, die viele Deutsche nicht nur in Corona-Zeiten zunehmend befürworten, in ihrer Konsequenz bedeuten: Sie sind unfair. Sie nehmen der Wirtschaft und den Menschen die Luft zum Atmen. Sie werfen uns zurück. Natürlich sind die allermeisten Einschränkungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie derzeit sinnvoll. Den Politikern, gerade auch in Hessen, nimmt man ab, dass sie sachlich-nüchtern um die richtigen Entscheidungen bemüht sind. Doch darum soll es hier nicht gehen.

          Es geht um die langfristige Lektion. Ja, manchmal braucht man den Staat wirklich, um sich vor einer Gefahr zu schützen. Aber jede Einmischung in das private Leben hat ihren Preis. Gerade bekommt das Land dafür eine große Rechnung präsentiert. Aber auch im vermeintlich normalen Alltag darf man nie unterschätzen, was es bedeutet, wenn Dinge verboten werden. Ein regulierender Eingriff kann sinnvoll sein, doch zu häufig werden die unfairen Risiken und Nebenwirkungen unterschätzt. Auf der Suche nach dem Guten im Schlechten wäre es in der Nach-Corona-Zeit schön, wenn diese Einsicht bei den Menschen danach wieder weiter verbreitet wäre, als es unmittelbar davor im Land der Fall war.

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