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Weniger Straftaten : Der sicherste Landkreis in Hessen

Schön sicher: der Rheingau - hier im Blick mit Weinbergen über Assmannshausen Bild: Volker Mehnert

Die Heimat des Rieslings hat es geschafft: Sie ist jetzt vor dem Odenwald der sicherste Landkreis in Hessen. Allerdings gibt es auch eine schlechte Nachricht.

          Jörg Diedler steht erst seit kurzem und „kommissarisch“ an der Spitze der Polizeidirektion Rheingau-Taunus, aber ihm war es vorbehalten zu verkünden, was seine Vorgänger jedes Jahr aufs Neue vergeblich angestrebt hatten: Der Rheingau-Taunus ist aktuell der sicherste Landkreis in Hessen.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Entscheidend für eine solche Bewertung ist die sogenannte Häufigkeitszahl. Sie benennt die Zahl der Straftaten je 100.000 Einwohner, und sie ermöglicht den direkten Vergleich der Sicherheitslage in Kreisen und Kommunen. Dieser Wert fiel im Rheingau-Taunus von 3179 auf 2767 (siehe Grafik). Zum Vergleich: Im Odenwald sind es 2800, im benachbarten Main-Taunus-Kreis 4415 und in der Landeshauptstadt 7308 Delikte.

          In absoluten Zahlen ging die Zahl der registrierten Straftaten um 12,5 Prozent von 5903 auf 5163 zurück. Gleichzeitig kletterte die Aufklärungsquote von 61 auf 64,5 Prozent. Das ist der höchste Wert seit Einführung der computergestützten Kriminalstatistik. In Lorch lag die Aufklärungsquote sogar bei fast 85 Prozent. „Wir sind auf dem richtigen Weg, aber wir wollen noch besser werden“, sagte Diedler bei der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik im Bad Schwalbacher Kreishaus mit einem sichtlich zufriedenen Landrat Frank Kilian (parteilos).

          Rückgang der Wohnungseinbrüche

          Ein Drittel aller Straftaten im Kreis sind einfache und schwere Diebstähle. Der Rückgang der Wohnungseinbrüche von 298 auf 251 im vergangenen Jahr ist für Polizei und Bürger besonders erfreulich, weil dieses Delikt das subjektive Sicherheitsgefühl besonders negativ beeinflusst. Allerdings sank die Aufklärungsquote auf niedrige elf Prozent. Sie ist allerdings starken Schwankungen unterworfen, weil Einbrüche häufig Serienstraftaten sind – wird ein Mehrfachtäter erwischt, treibt das die Aufklärungsquote in die Höhe. 2017 war das der Fall, als ein Mann gefasst wurde, der für mehrere Dutzend Wohnungseinbrüche im Untertaunus verantwortlich war. Die Aufklärungsquote schnellte nach seiner Festnahme auf knapp 35 Prozent hoch.

          Die Zahl der Vergehen von Zuwanderern, die nach 2015 ins Land kamen, stieg von 272 auf 303 – das sind 5,4 Prozent aller Straftaten ohne Berücksichtigung der ausländerrechtlichen Verstöße. Ein Drittel aller Delikte, vor allem Diebstähle und Körperverletzungen, wurde allerdings in und unmittelbar um die Flüchtlingsunterkünfte des Kreises registriert. Unter den 143 Opfern war laut der Statistik nur ein Drittel deutscher Staatsbürgerschaft.

          Zu den besonders bemerkenswerten Ermittlungsverfahren des vergangenen Jahres gehören die Aufklärung einer vorgetäuschten Entführung in Taunusstein, ein Raubüberfall auf den Küster in der Kiedricher Pfarrkirche St. Valentin, ein versuchter Mord in Oestrich-Winkel und die Entdeckung einer professionell angelegten Marihuana-Plantage in einer Hohensteiner Lagerhalle. Raubüberfälle auf Geschäfte oder Tankstellen verzeichnete die Polizei im vergangenen Jahr nicht. Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung stagnierten auf niedrigem Niveau. Von 72 Fällen wurden 68 aufgeklärt, was belegt, dass kaum ein Täter ungestraft davonkommt.

          Polizeiarbeit „regionalspezifisch“ ausrichten

          Polizeichef Diedler führt die gute Bilanz auch darauf zurück, dass viele der polizeibekannten Mehrfach- und Intensivtäter derzeit hinter Schloss und Riegel säßen. Dennoch will Diedler die Arbeit der Polizei im Landkreis noch stärker bündeln und „regionalspezifisch“ ausrichten, damit die Zahlen noch besser werden und der Odenwaldkreis auch 2019 mit dem zweiten Platz vorliebnehmen muss. Aber auch der Polizeichef weiß: Es sei eine Sache, die Nummer eins zu werden, aber noch eine ganz andere, die Nummer eins zu bleiben.

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