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„Der Name der Rose“ : Eine Pappsäule als Erbstück von Sean Connery

  • -Aktualisiert am

Imposante Kulisse: Auch Hollywood-Stars waren in der Basilika von Kloster Eberbach schon zu Gast. Bild: dpa

Im Oktober vor 25 Jahren hatte der zum Teil in Eberbach gedrehte Klosterkrimi „Der Name der Rose“ Premiere. Zum Jubiläum gibt es Sonderführungen und Filmaufführungen am Originaldrehort.

          Gästeführer, die eine Besuchergruppe durch die imposante Basilika von Kloster Eberbach führen, erlauben sich gerne einen kleinen Scherz und lassen einen Gast an eine vermeintlich steinerne Säule klopfen. Diese entpuppt sich sofort als Fälschung aus Pappmaché – darauf stolz ist man im Kloster Eberbach dennoch. Denn die Säule gehört neben einem Pult, einem Kerzenleuchter und einigen wenigen anderen Gegenständen zu jener Filmkulisse, die im Herbst 1985 für einige Wochen die mittelalterliche Anlage in einen Filmset verwandelte.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Sean Connery war der Hauptdarsteller der Verfilmung von Umberto Eccos 1980 erschienenem Roman „Der Name der Rose“, aber eine Hauptrolle fiel auch Kloster Eberbach zu, denn dort wurden die meisten Innenaufnahmen des Historienkrimis gedreht. Im Oktober vor 25 Jahren hatte der Film Premiere, und fast sechs Millionen Besucher allein in Deutschland ließen sich in den Bann einer mittelalterlichen Ermittlungsarbeit ziehen.

          Filmdreh für 17 Millionen Dollar

          Vor dem historischen Hintergrund eines Streits zwischen dem Papst und den Mönchsorden versucht der englische Franziskanerpater William von Baskerville mit seinem Gehilfen Adso (Christian Slater) eine Mordserie in einer Benediktinerabtei im ligurischen Apennin aufzuklären, und das, obwohl er eigentlich in einer heiklen Mission als Sondergesandter des Kaisers unterwegs ist. Bevor die Vertreter des Franziskanerordens sich mit Gesandten von Papst Johannes XXII. über theologische Fragen und das Armutsgebot streiten, muss Baskerville binnen weniger Tage fünf Morde aufklären. Als er endlich herausfindet, dass vier der Getöteten sich an einem Exemplar des „Zweiten Buches über die Poetik der Komödie“ von Aristoteles vergiftet haben und wer hinter den Verbrechen steckt, endet das Klosterleben in der Tragödie eines alles vernichtenden Großbrandes.

          Angeblich für stolze 17 Millionen Dollar in Eberbach und in Italien gedreht, erfüllte der von Bernd Eichinger produzierte Film die Erwartungen und spielte weltweit 77 Millionen Dollar ein – ein Drittel davon in Deutschland. Die meisten Innenaufnahmen, außer jene der labyrinthischen Bibliothek, wurden in Eberbach gedreht. Für die Außenaufnahmen war mit gewaltigem Aufwand eine Klosterkulisse auf einem Hügel außerhalb Roms errichtet worden. Die Landschaftsaufnahmen entstanden in den Abruzzen nordöstlich von L’Aquila. Regisseur des deutsch-französisch-italienischen Dramas war Jean-Jacques Annaud.

          Noch Restkarten für Freitag

          Die Filmkritik nahm den in 70 Drehtagen erstellten Streifen der Neue Constantin Film Produktion GmbH unterschiedlich auf. Die Zeitung „Chicago Sun-Times“ kritisierte das von vier Autoren verfasste Drehbuch als verwirrend, undiszipliniert und unlogisch, die „Washington Post“ störte sich an Mönchen, die „wie Marty Feldman aussehen“. Unter diesen waren als Statisten auch einige Rheingauer, die sich für 200 Mark Sonderzuschlag eine Mönchstonsur auf dem Kopf schneiden ließen.

          Für die Zeitschrift „Cinema“ war es ein brillant besetzter, „spektakulärer Klosterkrimi“. In immerhin drei Kategorien gewann der Streifen den Deutschen Filmpreis. Die Stiftung Kloster Eberbach bietet regelmäßig Sonderführungen am Originaldrehort und hat sich zum Jubiläum etwas Besonderes einfallen lassen. In der alten Vinothek wird die Sammlung von Originalrequisiten einschließlich der „Pappsäule“ von Freitag an täglich zwischen 10 und 18 Uhr zu sehen sein. Am Freitag und Samstag gibt es jeweils eine Jubiläumsvorführung am Original-Drehort in der Basilika. Die 720 Tickets für Samstag sind schon vergeben, für Freitag gibt es noch Restkarten. Vorführungsbeginn ist nach Einbruch der Dämmerung gegen 21.15 Uhr, Einlass schon von 18 Uhr an. Das Ticket schließt die Besichtigung der Klosterklausur und ein Konzert der Harfenistin Sabine Hornung ein.

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