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Immobilien in Offenbach : Der Hafen übertrifft alles

Teures Pflaster: Hafen-Gebiet in Offenbach Bild: georg-Foto

Die Stadt Offenbach ist nach wie vor arm. Attraktive Immobilien werden aber auch dort immer teurer, wie der jüngste Immobilienbericht des Gutachterausschusses zeigt.

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          Wer am einst hinter alten Zäunen versteckten Hafen von Offenbach heute eine neue Eigentumswohnung erwerben möchte, der muss 2600 Euro mehr je Quadratmeter ausgeben als anderswo in der Stadt. Das ist eine Erkenntnis, die sich aus dem Immobilienbericht 2020 für Offenbach gewinnen lässt. Der Gutachterausschuss wendet sich mit der Studie vor allem an die Immobilienwirtschaft, Banken, Versicherungen und an Stellen der Öffentlichen Verwaltung, um eine valide Grundlage für die Bewertung von Immobilien bereitzustellen. Interessierte Laien können den Bericht ebenfalls für 50 Euro beim Gutachterausschuss erstehen.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Die Zahl der Käufe und Verkäufe ist im betrachteten Zeitraum, 1. Januar bis 31. Dezember 2019, leicht gesunken von 1233 auf 1216. Mit 39,4 Hektar ist auch die Größe der umgeschlagenen Fläche zurückgegangen, sie lag 2018 noch bei rund 60 Hektar. Gleichzeitig ist aber der mit dem Verkauf erzielte Umsatz auf einen neuen Höchstwert gestiegen. Er betrug im vergangenen Jahr 790 Millionen Euro nach 774 Millionen im Jahr zuvor.

          910 Euro je Quadratmeter

          Wer ein leeres Grundstück für ein Wohnungsbauvorhaben erwerben wollte, musste 2019 etwa 28 Prozent mehr ausgeben als noch 2018. Der Preis je Quadratmeter betrug im Schnitt 590 Euro. Das dürfte nicht zuletzt darauf zurückzuführen sein, dass der bebaubare Grund in Offenbach aufgrund der sehr begrenzten Stadtfläche knapp ist. Der Durchschnittspreis je Quadratmeter im Geschosswohnungsbau hat im Vorjahresvergleich allerdings leicht auf durchschnittlich 910 Euro je Quadratmeter nachgegeben.

          Was die Preise für bebaute Grundstücke und für Eigentumswohnungen betrifft, ist nicht nur am Hafen eine Preissteigerung festzustellen, wenngleich diese längst nicht überall so dramatisch ist wie dort: Am Wasser sind die Preise für Neubaueigentumswohnungen um ein sattes Fünftel emporgeschnellt. Die Preissteigerung für wiederverkaufte Eigentumswohnungen in der Stadt um durchschnittlich rund acht Prozent nimmt sich im Vergleich dazu fast moderat aus.

          Vergleichsweise günstige Immobilie

          Unter dem Strich lässt sich sagen, dass die Preise für bebaute Grundstücke, für Ein- und Zweifamilienhäuser, für Mehrfamilienhäuser und auch für Objekte, die sowohl fürs Wohnen als auch für gewerbliche Tätigkeiten genutzt werden, gestiegen sind. Wer eine vergleichsweise günstige Immobilie sucht, muss sich in Offenbach entweder freistehende Ein- und Zweifamilienhäuser aus der Zeit vor 1950 ansehen oder solche, die zwischen 1970 und 1999 gebaut wurden. Jedenfalls sind die Preise für solche Objekte laut Gutachterausschuss 2019 im Vergleich zum Vorjahr um acht bis neun Prozent gesunken.

          Trotzdem spricht nicht viel dafür, dass Interessenten auf ein Schnäppchen stoßen. Denn Offenbach ist längst kein Geheimtipp mehr der Kreativszene mit der Hochschule für Gestaltung als Kern. Die Stadt wird von der Immobilienbranche nicht nur als zentraler Ort in der Metropolregion vermarktet: Vielmehr gelten Offenbach und Frankfurt längst als eine Einheit, zumindest als ein zusammenhängendes Siedlungsgebiet. Offenbach schneidet dabei im Vergleich, gerade was die Verkehrsanbindung an Autobahnen und den Flughafen betrifft, allemal auf Augenhöhe ab.

          Im Moment profitiert Offenbach im Vergleich zu dem unter noch größerer Angebotsknappheit leidenden Frankfurt davon, dass ehemalige Brach- und Industrieflächen zu neuen Quartieren umgestaltet werden können. Das Goethequartier am Kaiserlei und die Kappushöfe in der Kernstadt sind Beispiele dafür. Doch auch die Reserven der kleinsten kreisfreien Stadt in Hessen für den Wohnungsbau sind knapp. Zumal sie noch Flächen braucht, um neue Firmen anzusiedeln. Denn nur so kann die nach wie vor verarmte Stadt die wirtschaftlichen Folgen des Niedergangs der alten Industrien irgendwann überwinden. Für die Immobilienpreise heißt das aber, dass sie auf lange Sicht eher weiter steigen werden.

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