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Debatte um Lucke : Freiheit auch für Herrn L.

  • -Aktualisiert am

Wissenschafts- und Kunstministerin Angela Dorn hat sich zu den Vorgängen an der Universität Hamburg geäußert. Bild: dpa

Die hessische Wissenschafts- und Kunstministerin Angela Dorn hat im Landtag Versuche verurteilt, Vortragende an Hochschulen einzuschüchtern. Eine Nominierung für den Sacharow-Preis hat sie sich damit nicht verdient.

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          Aus dem Hauptquartier heraus verteidigt sich die Meinungsfreiheit leichter als an der Front. Wissenschaftsministerin Angela Dorn hat sich keine Nominierung für den Sacharow-Preis verdient, nur weil sie im Landtag gegen Angriffe auf missliebige Professoren und Vortragsredner an Hochschulen Stellung bezogen hat (den Namen Bernd Luckes in der zugehörigen Pressemitteilung zu nennen, brachte sie dann doch nicht übers Herz).

          Aber man muss ja in diesen Tagen schon dankbar sein, wenn linke Politiker explizit verteidigen, was eigentlich selbstverständlich sein sollte: dass an Universitäten auch Menschen Rederecht haben, die den Ökosozialismus nicht für den Endzweck der Geschichte halten und die Parole „offene Grenzen für alle“ nicht für die einzig mögliche Antwort auf die Migrationsfrage.

          Dorn, die als Studentin aus Protest gegen die Studiengebühren an einer Besetzung des Wissenschaftsministeriums teilgenommen hat, ist freilich auch nicht diejenige, die notfalls die Polizei rufen muss, wenn selbsternannte Antifaschisten in einer Hochschule das Hausrecht verletzen. Diese Aufgabe fällt Leuten wie Frank Dievernich zu, der an der Frankfurt University of Applied Sciences im April eine Podiumsdiskussion mit AfD-Chef Jörg Meuthen gegen den physischen Widerstand linksradikaler Blockierer durchsetzen ließ. Dass Dievernich dem Einsatz der Staatsmacht zustimmte, ist ihm umso höher anzurechnen, als seine Werte und die der Hochschule allem entgegenstehen, was Meuthens Partei verkörpert. Es wird spannend sein, zu sehen, ob ihm sein Eintreten für Toleranz, die weh tut, bei der anstehenden Präsidentenwahl gedankt wird.

          Zum Glück musste die Frankfurt University die Anwesenheit eines unangenehm anders Denkenden nur einige Stunden lang ertragen. Anhaltende Proteste wie jene gegen Lucke in Hamburg sind den Rhein-Main-Hochschulen bisher erspart geblieben; der Versuch obskurer Gruppen, die Frankfurter Ethnologin Susanne Schröter als Islamfeindin zu denunzieren, ist auch dank der klaren Positionierung des (stramm linken) Uni-Asta gescheitert.

          Angela Dorn erinnert daran, dass sie Schröter damals unterstützt habe, und sie erwähnt in ihrer Mitteilung auch die Diskussion mit Meuthen, die „gegen Blockadeversuche ermöglicht“ worden sei. Wohlan – die nächste Gelegenheit zur Verteidigung der Redefreiheit an Unis kommt gewiss. Gerne darf sich dann die Wortgewalt der Ministerin zu preiswürdigen Höhen aufschwingen.

          Sascha Zoske
          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

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