https://www.faz.net/-gzg-aibic
Jan Schiefenhövel (höv.)

Kurhaus von Bad Homburg : Aus der Zeit gefallen

Nicht mehr modern: das Kurhaus in Bad Homburg Bild: Lucas Bäuml

Die Bad Homburger Stadtregierung wünscht sich ein neues Kurhaus, das alte ist wuchtig, der Stil aus den achtziger Jahren. Mit einem modernen Neubau könnte die Gegenwart ihre eigenen Spuren in der Baugeschichte hinterlassen

          1 Min.

          Die Bad Homburger tun es ihren Landgrafen gleich. Vor Jahrhunderten haben die adeligen Herren von Hessen-Homburg das Schloss, das historische Zentrum, dem die Stadt ihre heutige Bedeutung verdankt, errichtet und es immer wieder umgebaut. Genauso möchten es die gewählten Politiker von heute mit ihrem Stadtkern machen: ihn umgestalten, damit er seine Anziehungskraft behält. Dazu wünscht sich die Stadtregierung einen Umbau des Kurhauses oder gar einen Neubau.

          Dorthin kommen die Bewohner zu Veranstaltungen und Gäste von weit her zu Tagungen. Für das Gebäude steht vier Jahrzehnte nach seinem Bau eine aufwendige und kostspielige Sanierung mit Erneuerung der Technik an. Deshalb wird geprüft, ob stattdessen ein Neubau sinnvoller ist. Für ein neues Kurhaus liegen Entwürfe vor, mit einer Fassade nach historischem Vorbild oder mit moderner Anmutung.

          Das Gebäude besticht nicht durch Eleganz

          Ein Neubau wäre die weitaus schönere Lösung, weil das Gebäude so, wie es an der Louisenstraße steht, nicht durch Eleganz besticht. Wuchtig macht der Bau sich breit, ohne den Platz vor seinen Türen einzufassen. Sein Inneres im Stil der frühen achtziger Jahre ist keine Schönheit, die Stilelemente sind eklektizistisch zusammengeklaubt, von den kitschigen und protzigen Kronleuchtern im großen Saal lässt sich niemand mehr beeindrucken. Schon in den neunziger Jahren wirkte dieser Bau seltsam aus der Zeit gefallen. Eines der besten Argumente für einen Neubau ist die Unzweckmäßigkeit des heutigen Gebäudes. Es ist so zerklüftet, dass die Orientierung darin schwerfällt.

          Falls die Entscheidung für einen Neubau fällt, müssen sich die Stadtpolitiker entscheiden, ob sie eine zeitgenössische Architektur wollen oder ein Gebäude, das von außen dem 1841 erbauten alten Kurhaus ähnelt, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Ein moderner Bau wäre die originellere Wahl, denn damit könnte die Gegenwart ihre eigenen Spuren in der Baugeschichte hinterlassen. Besonders beeindruckend ist jener Entwurf, der einen schwebenden Baukörper für die Obergeschosse vorsieht. Die Bad Homburger müssen selbst wissen, ob sie sich so etwas vorstellen können. Der Kurstadt ist es jedenfalls zu wünschen, dass sie ein Kurhaus bekommt, dessen ästhetischer Reiz sich nicht wieder so schnell abnutzt.

          Jan Schiefenhövel
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Weitere Themen

          2-G-plus neu definiert

          Heute in Rhein-Main : 2-G-plus neu definiert

          In Hessen gelten nun die Corona-Regeln, die Bundestag und Bundesrat beschlossen haben. Das Hessische Finanzamt braucht 51 Tage für die Bearbeitung der Steuererklärung. Die F.A.Z.-Hauptwache blickt auf die Themen des Tages.

          Topmeldungen

          Lars Klingbeil (links), Vorsitzender der SPD, und Saskia Esken, Vorsitzende der SPD, äußern sich am 20. Dezember 2021 bei einer Pressekonferenz nach der konstituierenden Sitzung des Parteivorstandes im Willy-Brandt-Haus in Berlin.

          Trotz Wahlerfolgs : Die SPD verliert weiter rasant Mitglieder

          Nach dem Wahlerfolg bei der Bundestagswahl traten der Partei im September zwar mehr Neumitglieder bei als in allen anderen Monaten des Jahres. Aber sie konnten den abermaligen Verlust von etwa fünf Prozent der Mitgliedschaft nicht ausgleichen.