https://www.faz.net/-gzg-x3bd

Nachteile fürs Ökosystem : Das Aussterben der Imker ist der Honigbiene Tod

Immer seltener anzutreffen: Imker Bild: dpa

Die Zahl der Bienenzüchter geht weiter zurück. Im Main-Taunus-Kreis gibt es inzwischen nur noch drei Imkervereine. Langfristig drohen bei zu geringer Bestäubung von Pflanzen erhebliche Ernteausfälle.

          2 Min.

          Was dem Ökosystem im Main-Taunus-Kreis bevorsteht, zählt in breiten Landstrichen der Vereinigten Staaten schon zur Wirklichkeit. Dort würden große Lastzüge mit gesunden Bienenvölker durchs weite Land geschickt, um Ernteausfälle in Milliardenhöhe noch zu verhindern , berichtet Wolfgang Meinert, Leiter des Umweltamtes im Main-Taunus-Kreis. Weltweit werde der ökonomische Wert der Bestäubung auf jährlich 30 bis 60 Milliarden Euro geschätzt. Da sich immer weniger junge Menschen für die Imkerei als Hobby interessierten, ohne die Pflege und Hege der Bienen aber die Bienenseuche Varose immer weiter auf dem Vormarsch sei, macht sich Meinert auch Sorgen um die Zukunft der landwirtschaftlichen Flächen im Main-Taunus-Kreis. Nachdem die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald die Behörde obendrein auf einen eklatanten Rückgang der Imkerei und die damit verbundenen Konsequenzen aufmerksam gemacht hat, wird nun auch die Politik aktiv.

          Heike Lattka

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Taunus-Kreis.

          Umweltdezernent Hans-Jürgen Hielscher (FDP) hat ein Förderprogramm aufgelegt, um Anreize für den Nachwuchs zu schaffen. Der Kreis spendiert den Vereinen bis zu 400 Euro jährlich und für jeden Neu-Imker eine Starthilfe von 100 Euro. Diese Beträge seien freilich nur ein Tropfen auf den heißen Stein, weiß Hielscher. Denn: „Die Situation ist ernst.“ Er wundere sich, dass es in der Landwirtschaft noch keinen Aufschrei gegeben habe. Da die Bienenzucht so eklatant zurückgegangen sei, müssten sich die Obstbauern und Landwirte Sorgen machen.

          Einer Studie eines EU-Forschungsprojekts zufolge, hat die Vielfalt der Bienen und der von ihnen bestäubten Blütenpflanzen in den vergangenen Jahren signifikant abgenommen - von einem Rückgang von bis zu 80 Prozent ist die Rede. Negative Auswirkungen bei der Obsternte aufgrund des Bienenschwunds hat zumindest Berthold Heil aus Kriftel, Landesvorsitzender für den Erwerbsobstbau, noch nicht bemerkt. Unerwartete Fröste stünden dem guten Ertrag derzeit mehr im Wege, sagt er.

          Für Bienen aber gebe es keinen Ersatz, erläutert Meinert. Bestäuber wie Wind oder andere Insekten seien allesamt Generalisten. Ohne das gezielte Ausschwärmen ganzer Bienenvölker gerate der Erhalt insbesondere von Streuobstwiesen in Gefahr. Es wäre deshalb fahrlässig, den Rückgang der Imkerei im Kreis mit einem Schulterzucken abzutun, ergänzt der Erste Kreisbeigeordnete Hielscher. Die Imkerei müsse an den Schulen zum Thema gemacht werden; die Honigherstellung gehöre „raus aus den Vereinsstrukturen“, die junge Menschen teilweise abschreckten. Hielscher fordert, dass sich Arbeitsgemeinschaften an den Schulen verstärkt mit dem Thema in Form von Projektwochen auseinandersetzen. Ein Bienenvolk würde der Kreis dem Imkernachwuchs sogar auf Kosten des Steuerzahlers prämieren.

          Mit einem eigenen Hofstaat locken auch die Imkervereine Interessenten, und manchmal sind sie mit diesem Anreiz auch erfolgreich. Gerhard Niegemann ist Mitglied in zweien der letzten drei Vereine, einer davon - die Imkervereinigung Liederbachtal- Kelkheim - habe nur noch sieben Mitglieder, weiß er.

          Dafür stünden die Imker auf Bad Sodens Wilhelmshöhe bestens da. Im kleinen Bauwagen zwischen den Kleingärten drängen sich Alt und Jung. Mit Festen und Versammlungen in zweiwöchigem Turnus hält der Verein Niegemann zufolge die bis zu 50 Mitglieder zusammen. Allerdings reiche diese Personenstärke nicht aus, um sich dem Bienensterben entgegenzustemmen.


          Der „nächste Tag der offenen Tür“ wird von Sodens Imker am Samstag 5. Juli geboten. Auskünfte gibt es unter der Telefonnummer 0 61 95/6 13 48. Über die Förderung der Imkerei durch das Umweltamt informiert Michael Orf unter der Telefonnummer 0 61 92/2 01 15 40.

          Weitere Themen

          Verhärtete Fronten

          Ermittlungen zu „NSU 2.0“ : Verhärtete Fronten

          Wegen der Ermittlungen zu „NSU 2.0“ gibt es zwischen dem hessischen Innenministerium und dem Landeskriminalamt eine heftige Auseinandersetzung. Die Behörde will die Vorwürfe gegen sie nicht hinnehmen.

          Topmeldungen

          Wirtschaftsminister Altmaier : „Ich bin nicht der Oberlehrer der Welt“

          Muss Deutschland einen Bogen um Länder wie China machen, die Freiheitsrechte verletzen? Nein, sagt Wirtschaftsminister Peter Altmaier. Im F.A.Z.-Interview kündigt er für Deutschland weitere Staatsbeteiligungen an – und ein mögliches Ende der Maskenpflicht.
          Schichtwechsel beim Mercedes-Benz Werk Untertürkheim.

          Wirtschaftskrise : Daimler will noch viel mehr Stellen streichen

          Der Autohersteller Daimler will wegen der Corona-Krise mehr Stellen streichen als bisher bekannt. Mit 15.000 Arbeitsplätzen komme man nicht aus, stellt der Personalvorstand klar. Auch der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen gerät ins Wanken.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.