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Pendlerbrücke eröffnet : Mäandernd über die Rheinstraße

  • -Aktualisiert am

Rotation: die Brücke über die Rheinstraße Bild: Finn Winkler

Die neue Brücke über die Darmstädter Rheinstraße ist durch den Oberbürgermeister eröffnet. Sie soll den Pendler Stau an den Fußgängerampeln entlasten.

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          Der erste Besucher, der wenig Positives anzumerken hat, lässt nicht lange auf sich warten. „Ich bin Nutzer“, sagt der Mann im Wintermantel und steuert auf Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch (Die Grünen) zu, als dieser am Mittwochmittag die neue Fußgängerbrücke über die Rheinstraße eröffnen möchte. „Diese Brücke ist so gebaut, dass sie der sozialen Kontrolle der Angestellten dient, die auf dem Weg in ihre Büros sind.“ Jeder, der darüber laufe, sei aus den Büros der gegenüberliegenden Häuser bestens zu sehen, behauptet der Mann, bevor er an den Absperrungen vorbei die noch nicht freigegebenen Stufen zum Überweg nimmt. Die Umstehenden bleiben verwundert zurück.

          Aber so ist das eben in Darmstadt: Sobald etwas geplant oder gebaut wird, findet der Heiner etwas, worüber sich mäkeln lässt. Bei der neuen Radfahrer- und Fußgängerführung, die nahe dem Hauptbahnhof über die stark befahrene Rheinstraße verläuft, ist der Vorwurf der sozialen Kontrolle zwar neu. Über die Optik des Bauwerks aber wurde schon vor Monaten besonders in den sogenannten sozialen Netzwerken heftig diskutiert. Dabei ist die Brücke erst am Mittwoch nach gut einem Jahr Bauzeit offiziell eröffnet worden – der Mann, der soziale Kontrolle fürchtet, war einer der Ersten, der sie nutzte.

          Mäandernd und leicht steigend führt sie zwischen alten Bäumen über die stark befahrene Straße. Sie soll besonders morgens und abends dafür sorgen, dass Radler und Fußgänger gefahrlos und schnell in ihre Büros kommen. Gegenüber dem Bahnhof ist unter anderem das Technologiezentrum Rhein-Main angesiedelt. Zahlreiche Start-ups und andere Unternehmen haben dort, neben einigen neu hinzugekommenen Abteilungen der Stadtverwaltung, ihre Niederlassungen. Dementsprechend viele Angestellte drängten sich bisher morgens und abends an den Ampeln.

          Weiht mit einem Fahrrad die neue Brücke ein: Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch (Die Grünen) an diesem Mittwoch
          Weiht mit einem Fahrrad die neue Brücke ein: Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch (Die Grünen) an diesem Mittwoch : Bild: Finn Winkler

          „Bisweilen standen sie an den Fußgängerinseln bis auf die Fahrbahn“, sagt Partsch. Zudem sei die breite Straße, die von den Autobahnen im Westen der Stadt in die City führt, nur in mehreren Intervallen vollständig zu queren gewesen. Besonders für Menschen mit Bewegungseinschränkungen sei das kaum während einer Grünphase zu schaffen gewesen. Und da das Technologiezentrum weiter wachse, sei die Brücke nicht nur eine Investition für die Gegenwart, sondern auch für die Zukunft.

          Um die Heimat des Heldbockkäfers gebaut

          Ungeachtet der Nützlichkeit wurde in Teilen der Öffentlichkeit der Stil des Bauwerks kritisiert. Hässlich und trist sei es, lauteten Kommentare, als die Arbeiten gerade erst begonnen hatten. Doch wer die Brücke nutzt, wird feststellen: So hässlich ist sie nicht. Während sie außen in Stahlgrau gehalten ist, sind Treppen, Zufahrt und Überweg schick in leuchtendem Rot gestaltet.

          Vor allem aber erfüllt sie ihren Zweck: Rutschhemmender Belag soll auch an nassen und frostigen Tagen für sicheren Tritt sorgen. Handläufe aus Edelstahl gibt es nicht nur entlang der Treppen, sondern auch auf der Brücke. Für Fußgänger geht es ein paar Stufen hinauf, bevor sie einen Blick hinunter auf die Rheinstraße werfen können. Radler und Rollstuhlfahrer müssen einen Bogen nehmen, um auf die andere Seite zu kommen. Damit bleibt die Steigung gering, und der Heldbockkäfer wird nicht heimatlos.

          Denn unter anderem diesem geschützten, rund anderthalb Zentimeter großen Krabbler mit ebenso langen Fühlern ist es geschuldet, dass sich die Brücke von Norden her in einem auffälligen Rundkurs über die Rheinstraße schwingt. Ausgerechnet die vertrockneten Bäume am Fuß der Brücke hat sich der vom Aussterben bedrohte Käfer, der bevorzugt in sterbendem Holz lebt, als Domizil ausgesucht. Da er nicht vertrieben werden durfte, baute man kurzerhand drum herum.

          Die Brücke besteht aus einem Stahlkonstrukt, das vom Darmstädter Unternehmen Donges Steel Tec stammt, ist 318 Meter lang und drei Meter breit. 370 Tonnen Stahl stecken in dem Bauwerk, das auf V-förmigen Stützen ruht. Von den 6,8 Millionen Euro Kosten, wovon 5,6 Millionen in den Bau selbst geflossen sind, hat das Land Hessen zwei Millionen übernommen.

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