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Darmstädter Initiative : Ungereimtheiten im Einzelhandel der Digitalstadt

  • -Aktualisiert am

Eingetrübt: Viele Händler auch in Darmstadt haben es wegen der Corona-Krise und der Schließung der Läden schwer derzeit Bild: Michael Braunschädel

Das Digitale Schaufenster in Darmstadt ermöglicht Läden wenigstens überschaubare Umsätze, die sie derzeit sonst gar nicht hätten. Andererseits fühlen sich findige Händler durch mitunter kaum nachvollziehbare Auflagen ausgebremst.

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          Im Prinzip ist das Digitale Schaufenster der Stadt Darmstadt eine tolle Möglichkeit, auf sein Geschäft aufmerksam zu machen. Besonders jetzt lassen sich damit Kunden binden und wenigstens geringe Umsätze generieren. Das macht Hoffnung in Zeiten, in denen viele der als nicht systemrelevant geltenden Händler kaum wissen, wann sie wieder öffnen dürfen.

          Die bis dato nur wenigen Nutzern bekannte Plattform zeigt aber auch, wie wichtig Online-Angebote gerade für kleinere Fachhändler sind, die bisher überwiegend auf physisch anwesende Stammkunden setzen. Die Solidarität und Bereitschaft der Kundschaft, auch in Krisenzeiten nicht bei Amazon und Co. zu kaufen, verdeutlicht außerdem, dass sich Einkauf und Beratung beim Fachhändler und digitale Bestellmöglichkeiten nicht ausschließen müssen. Wer aber dem Zeitgeist nicht folgen konnte oder wollte, hat es nun trotz städtischer Online-Plattform noch schwerer.

          Kaum nachvollziehbare Auflagen

          Wirklich bedauerlich jedoch ist, dass jene Händler, die sich dennoch einfallsreich zeigen und versuchen, das Beste aus der Situation zu machen, durch mitunter kaum nachvollziehbare Auflagen ausgebremst werden. Warum ein Drive-In, bei dem Spielsachen ohne direkten Kontakt zwischen Kunde und Mitarbeiter abgeholt werden können, untersagt ist, erschließt sich nicht. Warum Kuchen und Torten im sonst geschlossenen Café abgeholt werden dürfen, eine Eisdiele aber nicht einmal unter Auflagen liefern darf, ist ebenfalls nicht nachvollziehbar.

          Auch Händler wollen weder sich noch ihre Kunden einem Risiko aussetzen. Allerdings sollten Regelungen nicht einfach nur beschlossen und verkündet, sondern auch deren Begründung klar kommuniziert werden. Denn das bisweilen wenig durchdacht wirkende Verbot der Versuche mancher Händler, ohne staatliche Hilfe über die Krise hinwegzukommen, trifft vor allem kleinere Unternehmen, die bisher weder Zeit noch Wissen dafür hatten, sich einen Online-Shop aufzubauen. Es trifft Fachhändler und Familienbetriebe, die hilflos zusehen müssen, wie Supermarktketten und Drogerien nun zusätzliche Umsätze generieren mit Waren, deren Verkauf ihnen untersagt ist.

          So etwas schürt Unzufriedenheit, Unverständnis und Sorgen, statt das dringend benötigte Wir-Gefühl in der Krise zu stärken. Deshalb ist es nun am Gesetzgeber, mehr Händlern unter Auflagen zu erlauben, ihre Produkte nicht nur über Online-Shops verkaufen zu können. Dann werden Öffentlichkeit und Einzelhändler auch weiterhin Einschränkungen ohne Murren akzeptieren.

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