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Darmstadt : Partsch im Amt

Jochen Partsch Bild: F.A.Z. - Rainer Wohlfahrt

In Darmstadt hat der neue Sozialdezernent Partsch sein Amt angetreten. 2007 übernimmt der bisherige Fraktionsvorsitzende der Grünen zudem das Gesundheitsdezernat.

          3 Min.

          Jochen Partsch wird intensiver Weihnachten feiern als sonst. Hat sich Darmstadts neuer Sozialdezernent doch vorgenommen, die Jahreszeit zu nutzen, um sich mit dem Thema Altenhilfe näher zu befassen. Deshalb will er in den nächsten Wochen viele Adventsveranstaltungen in Seniorentreffs und Altenclubs besuchen, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Gestern nahm Partsch jedoch erst einmal in seinem Büro Platz und versuchte, Fuß zu fassen: Sein erster Arbeitstag im Rathaus begann um 9.30 Uhr mit der Begrüßung durch den Oberbürgermeister, mittags war die Presse da, am Nachmittag tagte der Magistrat.

          Rainer Hein

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

          Noch ist vieles neu und unfertig. Im Büro riecht es nach frischer Wandfarbe. Drei bunte Blumensträuße stehen zum Willkommen im Zimmer. Auf dem Namensschild im Flur liest der Besucher noch „Stadträtin Daniela Wagner“. Und Jimi Hendrix hat seinen Platz auch noch nicht gefunden. „Ein Geschenk meiner Fraktion“, meint der langjährige Fraktionsvorsitzende der Grünen zu dem Bildnis der Rock- und Drogenikone der siebziger Jahre, das neben dem Schreibtisch an der Wand lehnt. „Er steht bei mir einfach nur für gute Musik.“

          Revirement in der Verwaltung

          Oberbürgermeister Walter Hoffmann (SPD) hat paßgenau zum Amtsantritt noch einmal eine neue Dezernatsverteilung bekanntgegeben. Aber für Partsch ändert sich dadurch nichts. Der Vierundvierzigjährige ist für das Sozialwesen verantwortlich, wozu zum Beispiel die Jugend- und Altenhilfe und die Verantwortung für die Arbeitsgemeinschaft Arge gehören sowie für interkulturelle Angelegenheiten, die Sucht- und Drogenhilfe, das Wohnungswesen und „Obdachlosenangelegenheiten“. Außerdem ist er Frauenbeauftragter.

          Sein Einzug ins Rathaus markiert das erste Revirement in der Führungsspitze der Verwaltung. Partsch nimmt den Platz der hauptamtlichen Stadträtin Daniela Wagner (Die Grünen) ein, die Hoffmann am Dienstag in der Lichtenberg-Schule nach zwölf Jahren aus dem Amt verabschiedete. Am 15. Januar 2007 folgt der nächste Wechsel: Für die scheidende Stadträtin Cornelia Diekmann (SPD) stößt der Liberale Dierk Molter in die Gruppe der „Hauptamtlichen“. Mit Molters Amtsbeginn wäre das Personaltableau der nach der Kommunalwahl neugebildeten Ampelkoalition dann komplett.

          Hoffmann hatte am Dienstag in der internen Abschiedsfeier für Wagner die langjährige Schuldezernentin einen „echten Musketier des Darmstädter Magistrats“ genannt. Als größte Leistung ihrer Amtszeit bezeichnete der Oberbürgermeister das Schulbauprogramm, das ihre Idee gewesen sei und das sie durchgesetzt habe. Damit habe sie Maßstäbe gesetzt. Ihrem Nachfolger Molter hinterlasse sie ein gutbestelltes Haus und „große Fußstapfen“. Ob Wagner, die über viele Jahre in Darmstadt wichtigste Repräsentantin ihrer Partei war, noch einmal auf die politische Bühne zurückkehrt, ließ sie bislang offen. Ihren Verzicht auf eine dritte Amtsperiode hatte sie im Sommer ausschließlich mit persönlichen Motiven begründet.

          Schwerpunkt Jugend- und Drogenhilfe

          Partsch kündigte an, daß er einerseits Wert auf eine „professionelle Routine“ in den Ämtern lege; die Mitarbeiter seines Dezernats - es sind 600 von 3200 Verwaltungsbeschäftigten - müßten sich darauf verlassen können, daß sie vom Dezernenten gestützt würden und „nicht alles immer über den Haufen geworfen wird“. Andererseits sei es zum Beispiel bei der Jugend- und Drogenhilfe nötig, auch neue Kapitel aufzuschlagen.

          So seien neue Räume für die Substitutionsambulanz ebenso nötig sowie eine koordinierte Aktion von Trägern und Akteuren in der Jugendberufshilfe, um den Übergang von der Schule in den Beruf besser zu organisieren. Als „mittelfristiges Zukunftsvorhaben“ bezeichnete Partsch, der lange Zeit den Sozialausschuß der Stadtverordnetenversammlung leitete, das Projekt einer „Gesundheitsstadt Darmstadt“. Die Idee, Schritt für Schritt solch einen neuen Schwerpunkt zu bilden, werde er allerdings erst 2007 angehen können, wenn er das Gesundheitswesen aus dem Dezernat Diekmanns übernommen habe.

          Die Grünen, für die Partschs Wahl zum Dezernenten wegen der Bestimmung zur Geschlechterparität, formal betrachtet, politisch nicht ganz korrekt war, haben den „Frauenmangel“ im hauptamtlichen Magistrat politisch am Montag insofern aufgearbeitet, als ihre neue Fraktionsspitze nun nur aus Frauen besteht: Die Fraktion wählte Brigitte Lindscheid einstimmig zur Vorsitzenden und damit zu Partschs Nachfolgerin. Gleichzeitig wurde Iris Bachmann als stellvertretende Vorsitzende bestätigt. Neu in den Vorstand wurde außerdem Hildegard Förster-Heldmann gewählt.

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