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Darmstadt : Künftig ein historischer Rundgang

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Kaiserzimmer im Schloss: Das Museum erinnert an die Verbindungen Darmstadts zum russischen Zarenhaus. Bild: Wolfgang Eilmes

Ministerin Kühne-Hörmann stellt ein neues Konzept für Darmstadts Schlossmuseum vor. Die Finanzierung ist noch nicht geklärt.

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          Hessens Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva Kühne- Hörmann (CDU), hat am Montag das in Darmstadt mit Spannung erwartete neue Konzept für das Schlossmuseum vorgestellt. Es liegt intern dem Ministerium schon seit Oktober 2009 vor, war von der Ministerin bislang aber nicht öffentlich gemacht worden, weil sie zuvor noch eine Schätzung der Kosten für die notwendige Sanierung und den Umbau der Museumsräume haben wollte, die sich im Residenzschloss befinden. Diese Investition beläuft sich, wie am Montag mitgeteilt wurde, auf mindestens 1,7 Millionen Euro, von denen bislang nicht klar ist, wie und von wem sie aufgebracht werden sollen. „Es bleibt zu prüfen, in welcher Form dieser Betrag finanziert werden kann. Dazu müssen nun Gespräche stattfinden“, sagte die Ministerin, die hervorhob, dass es erst an die Realisierung gehe,wenn die Finanzierung gesichert sei.

          Rainer Hein

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

          Die Zukunft von Darmstadts 1924 eröffnetem Schlossmuseum war unsicher, nachdem die Stadt vor mehr als einem Jahr entschieden hatte, wegen sinkender Besucherzahlen aus dem Trägerverein auszutreten. Die Politik hat diese Entscheidung inzwischen korrigiert, seit 1. Juli ist die Stadt wieder Mitglied im Verein Schlossmuseum mit dem Land und dem Hause Hessen. Oberbürgermeister Walter Hoffmann (SPD) bewertete das Verhalten Darmstadts gestern noch einmal als „positive Schockwirkung“. Durch den Austritt sei die Diskussion um die Zukunft des Museums initiiert worden. Auch die Präsentation des neuen Basiskonzepts verstehe er als Auftakt einer Debatte. Er sei überzeugt, „dass wir im Laufe der Jahre eine Lösung hinbekommen“. Bis dahin werde sich der neu konstituierte Verein Schlossmuseum um eine Interimslösung bemühen.

          Keine „fertige Linie“

          Das Basiskonzept hatte eine Expertengruppe erarbeitet. Es skizziert auf 25 Seiten, wie die Sammlungen des Hauses Hessen, die auf das Jahr 1820 zurückgehen und zu den wichtigsten und traditionsreichsten Dokumenten der Geschichte des Landes Hessen gehören, in neu gestalteten Museumsräumen im Schloss präsentiert werden könnten. Wie der Direktor der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessens, Karl Weber, erläuterte, beruht das Kernschema auf einem chronologischen Rundgang durch die Geschichte des hessischen Fürstenhauses vom Spätmittelalter bis zum 20. Jahrhundert mit Ausblicken auf Landes- und stadtpolitische Aspekte. Die im Konzept unter anderem genannten Stichpunkte lauten „Stadt und Residenz“, „Darmstadt und das Reich“, „Militärwesen“, Aufstieg zum Großherzogtum“ oder „Die bürgerliche Emanzipation“. Diese Abfolge soll durch einige übergreifende Themenräume aufgelockert werden, zum Beispiel durch den Blick auf Darmstadts „Hofmaler“, auf das Schloss oder die „Mobilität“, die sich an der großen Sammlung von Kutschen und Sänften demonstrieren ließe.

          Dieses museale Konzept, das weiter ausgearbeitet werden soll und nach Aussage der Ministerin keine „fertige Linie“ darstellt, „die jetzt nur noch umgesetzt wird“, unterscheidet sich erheblich von der bisherigen Präsentation. Ursprünglich zeigte das Schlossmuseum, wie Weber hervorhob, bei seiner Eröffnung 1924 die großherzoglichen Wohnräume im Original. Beim Bombenangriff auf Darmstadt 1944 sei jedoch das Gebäude samt Inventar großteils zerstört worden, und nur ausgelagerte Exponate seien erhalten geblieben. Bei der Neueröffnung 1966 sei es deshalb zu einer „Zwitterlösung“ gekommen mit vielen Leihgaben des Hauses Hessen. So sei ein Museum entstanden, das sich in Kutschensammlung, Uniform- und Kostümsammlungen und in verschiedene Stilräume gegliedert habe.

          Von September an Interimslösung

          Diese Aufteilung solle künftig zugunsten des chronologischen historischen Ablaufs aufgegeben werden. Basis blieben aber die Kunstgegenstände, die bislang schon zum Bestand des Museums zählten, plus Leihgaben. Grundidee ist überdies, dass sich die Ausstellung nicht mehr allein durch Führungen, sondern durch Informationstafeln und multimediale Anwendungen erschließen lässt. Zu den Gestaltungsvorschlägen gehören weiter die Einrichtung eines Museumsshops und eines Cafés, die Verlegung des Museumseingangs in den Glockenturm und die Einrichtung eines Raums für Sonderausstellungen, Vorträge und Vernissagen.

          Da bislang unklar ist, wann die Finanzierung geklärt sein wird und das Konzept verwirklicht werden kann, wird es von September an eine Interimslösung geben. Sie sieht Öffnungszeiten freitags bis sonntags von 10 Uhr bis 17 Uhr vor, eine „Auffrischung“ des Foyers und des Internet-Auftritts und von Herbst an besondere Führungen für Schulklassen. Bereits vom 25. Juli an soll es jeweils sonntags um 11 Uhr jeweils eine allgemeine Führung geben. Darüber hinaus wird die Sonderausstellung „Kelsterbacher Porzellan“ vorbereitet, die im Frühjahr 2011 gezeigt werden soll, allerdings im Porzellanmuseum im Prinz-Georg-Palais.

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