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Darmstadt : Freud und Leid im Buchgeschäft

  • -Aktualisiert am

Bibel als Bestseller: Der Buchladen der Darmstädter Stadtmission hält sich mit besonderem Angebot am Markt. Bild: Wolfgang Eilmes

Die Darmstädter Traditionsbuchhandlung Gutenberg schließt, während der Buchladen der Stadtmission seinen hundertsten Geburtstag feiert.

          3 Min.

          Der Standort zählte zu den besten, den die Stadt zu bieten hat. Aber auch die Lage auf dem Luisenplatz hat die Gutenberg-Buchhandlung nicht retten können. Im Mai musste Mitinhaber und Geschäftsführer Kurt Fritz den Gang zum Amtsgericht antreten und Insolvenz anmelden. Noch gibt es zwar eine Internetseite, die stolz auf die Firmengeschichte seit 1847 verweist, und die Inschrift „Gutenberg-Buchhandlung“ über dem Schaufenster. Aber die Regale sind längst ausgeräumt. Der Blick in die leeren Räume signalisiert ein Ende nach mehr als 160 Jahren. Darmstadts Buchhandel ist um eine kleine Sortimentsbuchhandlung, in der die persönliche Beratung des Kunden stets eine große Rolle spielte, ärmer geworden.

          Rainer Hein

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

          Fritz und Mitinhaber Yvo Hoffmann haben lange nach Alternativen gesucht und erfolglos nach einem Kooperationspartner Ausschau gehalten. Es war der Strukturwandel in der Branche, der es ihnen schließlich nicht mehr erlaubte, die notwendigen Einnahmen für die exquisite Lage zu erwirtschaften. Neben der Konkurrenz durch die beiden großen Buchläden Buch Habel und Thalia bekam die Gutenberg-Buchhandlung auch das Internet zu spüren. Insbesondere bei der Tourismusliteratur seien die Umsätze eingebrochen.

          Ein Jubiläum wirkt da umso beeindruckender

          Die Schließung am Luisenplatz ist nicht die erste seit Eröffnung von Thalia vor vier Jahren. Die Kette vergrößerte die Verkaufsfläche für Literatur und andere Medien in der Stadt schlagartig um 2400 Quadratmeter. Nur zwei Jahre nach dem Start schloss die Buchhandlung Schroth, die 1798 als Heyersche Hofbuchhandlung gegründet worden war. Inhaberin Marijke zur Megede sprach damals von einem „völlig eingebrochenen“ Weihnachtsgeschäft, das sie unter anderen auf die neue Konkurrenz und die hohen Parkgebühren in der Stadt zurückführte. Noch bevor die Thalia-Filiale in der neuen Einkaufspassage „Boulevard“ überhaupt eröffnet worden war, hatte sich die 170 Jahre alte Buchhandlung „Schlapp“ dem Darmstädter Traditionshaus Buch Habel angeschlossen. Buch Habel wiederum – das im Vorfeld der Thalia-Eröffnung rund 350.000 Euro in seine Filiale am Carree investiert hatte – wurde durch die Verbundgruppe DBH Buch Handels GmbH & Co KG übernommen, hinter der die Münchner Buchhandelskette Hugendubel und die Augsburger Verlagsgruppe Weltbild stehen. Die DBH hält 50,9 Prozent der Anteile des mehr als 130 Jahre alten Unternehmens. Damals hieß es, durch die DBH könne die lange Tradition von Buch Habel fortgeführt und die Existenz des Unternehmens langfristig gesichert werden.

          Vor dem Hintergrund dieser Umbrüche wirkt ein Jubiläum umso beeindruckender: Die Buchhandlung der Evangelischen Stadtmission kann ihre Gründung vor 100 Jahren feiern. Der Magistrat der Stadt hat das Datum zum Anlass genommen, dem lange als Wirtschaftsbetrieb des gemeinnützigen Vereins Evangelische Stadtmission und heute als GmbH firmierenden Unternehmen die Silberne Verdienstplakette zuzusprechen. Sie soll am 5. August offiziell verliehen werden.

          Der Dauerbestseller: die Bibel

          Genaugenommen reichen die Ursprünge der christlichen Buchhandlung vor das Gründungsjahr 1910 zurück, da es schon viele Jahre zuvor eine Schriftenmissionsarbeit gab. Dieser Verkauf wurde aber erst am 1. April 1910 in eine Buchhandlung überführt. Damals gab es bereits zwei evangelische Buchhandlungen in Darmstadt: Die Wartburg-Buchhandlung und die Hofbuchhandlung Johannes Waitz, die schon lange nicht mehr existieren.

          Während der nationalsozialistischen Zeit kam es immer wieder zu Konflikten und auch Stilllegungsbescheiden, weil den Behörden der christliche Buchverkauf ein Dorn im Auge war. Der Betrieb der Stadtmission konnte allerdings bis zur Zerstörung der Buchhandlung 1944 aufrechterhalten werden. 1945 gehörte die Stadtmission zu den Ersten, die von der amerikanischen Militärregierung eine Genehmigung zur Wiedereröffnung erhielt. Verkauft wurde zunächst in einem Ladenlokal in Eberstadt, erst 1949 folgte der Rückzug nach Darmstadt in die Merckstraße.

          In den vergangenen 50 Jahren hat der Verein immer wieder erheblich in den Ausbau investiert. Der gewachsene Geschäftsumfang machte es 1993 nötig, den Wirtschaftsbetrieb in eine GmbH zu überführen mit der Evangelischen Stadtmission als alleinigem Gesellschafter. Zurzeit arbeiten drei Vollzeitmitarbeiter und mehrere Kräfte in Teilzeit im Laden, dessen Umsatz zu 75 Prozent aus Produkten christlicher Verlagsprogramme besteht. Zur Kontinuität des Buchladens, der in den vergangenen Jahrzehnten stets auch zum Buchhändler ausbildete und regelmäßig Veranstaltungen wie „Lesenächte“ in den Verkaufsräumen anbietet, gehört die Aktualität des Dauerbestsellers: Seit 100 Jahren ist es die Bibel.

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