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Darmstadt : Eigenbetrieb Abfall will auf die "Knell"

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Für den städtischen Eigenbetrieb Abfallwirtschaft, Straßen- und Kanalreinigung und Straßenunterhaltung ist ein Umzug auf das "Knell"-Gelände an der Frankfurter Straße vor allem eine Frage der Wirtschaftlichkeit.

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          Für den städtischen Eigenbetrieb Abfallwirtschaft, Straßen- und Kanalreinigung und Straßenunterhaltung ist ein Umzug auf das "Knell"-Gelände an der Frankfurter Straße vor allem eine Frage der Wirtschaftlichkeit. "Es ist nicht so, daß wir jetzt der Stadt aus der Klemme helfen, weil durch den Wegfall des Meßplatzes Gelände frei ist", sagte Betriebsleiterin Sabine Kleindiek. In die Klemme war die städtische Planung geraten, als deutlich wurde, daß die europäische Seveso-II-Richtlinie und das Bundesimmissionsschutzgesetz die geplante Verlagerung des Meßplatzes auf das ehemalige Bahnausbesserungswerk verhinderten. Das Gelände die "Knell" liegt danach zu dicht am Chemiewerk Merck .

          Kleindiek ist seit Anfang 2003 "Erste Betriebsleiterin" des Eigenbetriebs, der ausschließlich wirtschaftlich handeln und ohne städtische Subventionen auskommen muß. Deshalb würden ihre Gedanken auch um die Wirtschaftlichkeit und nicht um Fragen der Stadtplanung und -entwicklung kreisen. Kleindiek hat einen Jahresumsatz von 42,5 Millionen Euro zu verantworten.

          Daß die Zentrale des Eigenbetriebs in der Niersteiner Straße in einem überwiegenden Wohngebiet liegt, bleibt dabei gleichwohl nicht ohne Auswirkungen. "Wir sind ein krachschlagender und stinkender Bereich", sagte Kleindiek; dafür gebe es idealere Standorte als ein Wohngebiet, auch wenn das Technische Hilfswerk sich noch in unmittelbarer Nachbarschaft befinde. Der Eigenbetrieb ist heute zudem an vier Standorten in Darmstadt vertreten: Verwaltungszentrale, sämtliche Fahrzeuge mit An- und Abfahrten, Lager für Streusalz im Winter und Annahme von Sonderabfällen befinden sich an der Niersteiner Straße; Container- und Tonnenlager sind an der Gräfenhäuser Straße, Materiallager für die Straßenbauunterhaltung an der Haasstraße, und schließlich ist die Kompostanlage in Kranichstein. Daß man eine solche Verteilung auf jeweils bis zu 7000 Quadratmeter großen Flächen wirtschaftlich besser zusammenführt, liegt für Kleindiek auf der Hand. Auslöser der Umzugsdebatte seien jedoch nicht diese Fusionsgedanken gewesen, sondern die schon vor Jahren gewonnene Einsicht, daß die Werkstatt in der Niersteiner Straße völlig veraltet ist und dringend erneuert werden muß. Wenn man ohnehin investieren müsse, könne man auch weiterdenken.

          Bei der ursprünglichen "Knell"-Planung, als es noch um die Meßplatzverlagerung ging, sei die Zusammenführung des Eigenbetriebs an diesem Platz eher schwierig gewesen. Die durch Umweltauflagen verhinderte Meßplatzverlagerung gibt dem Eigenbetrieb auf der "Knell" Luft, wieviel und wo genau, weiß allerdings auch Kleindiek noch nicht. Dienstag nachmittag fand ein weiteres "Spitzengespräch" zwischen Magistrat und dem Chemieunternehmen Merck statt, bei dem es um die Entwicklung des ehemaligen Bahnausbesserungswerkes ging. Den Ergebnissen dieses Gesprächs will Kleindiek nicht vorgreifen. Auf die Frage nach den möglichen Kosten und Folgekosten einer Verlagerung des Eigenbetriebs verweigert sie sogar stadtintern die Auskunft: "Einmal so eine Zahl gesagt, werde ich sie nie wieder los."

          Eindeutig ist sie hinsichtlich ihrer Absicht, welche Betriebsteile auf die "Knell" umziehen sollen: nämlich alle bis auf die Kompostanlage, die in Kranichstein sehr gut untergebracht sei und auch gut angenommen werde. "Wir sind ein Logistikbetrieb, und jede räumliche Zersplitterung ist eine Mehrbelastung", sagte sie. Im übrigen sei es "kein Hexenwerk", alle Betriebsteile an einem Standort zusammenzuführen, die Umsiedlung zu bewältigen. Zwar hat der Eigenbetrieb erst vor wenigen Jahren in der Niersteiner Straße einen sehr schmucken Neubau bezogen, auch befinden sich dort alle Räume für die Mitarbeiter, inklusive einer Kantine. Der Rest seien aber einfache Einrichtungen, die man mit einem Bagger umstoßen könne, so Kleindiek.

          Den Verwaltungsbau könne der Eigenbetrieb ohnehin an die Stadt abtreten. Stadtbaurat Dieter Wenzel (SPD) hat längst ein begehrliches Auge auf das Gebäude geworfen, um mit den Ämtern für das Straßenverkehrswesen und den städtischen Denkmalschutz, die derzeit recht bescheiden unter dem Dach der ehemaligen Kasernengebäude an der Bessunger Straße logieren, umzuziehen.

          Was die Neubauten für den Eigenbetrieb auf der "Knell" angehe, sei man nicht anspruchsvoll, sondern zweckorientiert, betonte Kleindiek. Bei der Grundstücksverteilung und -sanierung auf der "Knell" erwarte sie eine gute Behandlung durch die Stadt. Im übrigen weist sie Vermutungen aus dem Stadtparlament, die Umsiedlungskosten könnten zu einer Gebührenerhöhung führen, zurück; das werde nicht der Fall sein.

          Sollten die Müllgebühren, die zuletzt im Jahr 1995 gesenkt worden waren, erhöht werden, dann eher durch Kosten, die der Zweckverband Abfallverwertung Südhessen (ZAS) verursacht, als durch den geplanten Umzug. Schließlich würden Kostenerhöhungen aufgrund der absehbar fehlenden Auslastung des Müllheizkraftwerkes, das die ZAS betreibt, bereits diskutiert. PETER ZITZMANN

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