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Darmstadt : Auch Hoffmann will Oberbürgermeister werden

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Der Darmstädter Bundestagsabgeordnete Walter Hoffmann (SPD) hat sich nach eineinhalbwöchiger Bedenkzeit entschlossen, in seiner Partei als Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl am 6. März 2005 anzutreten.

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          Der Darmstädter Bundestagsabgeordnete Walter Hoffmann (SPD) hat sich nach eineinhalbwöchiger Bedenkzeit entschlossen, in seiner Partei als Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl am 6. März 2005 anzutreten. Hoffmann ist damit der dritte Bewerber in der SPD um die Nachfolge von Oberbürgermeister Peter Benz. Dieser hatte am Montag vergangener Woche bekanntgegeben, er werde nicht mehr antreten, um Jüngeren Platz zu machen. Auch Bürgermeister Wolfgang Glenz und Stadtbaurat Dieter Wenzel haben ihre Bewerbungen angemeldet, um von einem SPD-Parteitag als Kandidat nominiert zu werden.

          Hoffmann gab seine Absicht am Dienstag abend in einer Sitzung des SPD-Unterbezirksvorstandes bekannt. Er habe sich die Entscheidung reiflich überlegt, sagte er am Mittwoch auf einer Pressekonferenz, und sich nach parteiinternem Zuspruch und auch solchem aus der Bürgerschaft dazu entschlossen. Dies habe etwas länger gedauert als bei seinen Mitbewerbern, weil er als Abgeordneter in Berlin eine reizvolle Aufgabe habe und dort nun auch für die Mittelstandspolitik zuständig sei. Den Ausschlag hätten Ermutigungen von Parteifreunden und anderen gegeben.

          Im Unterbezirksvorstand wurde Hoffmanns Bewerbung nach Aussage des Parteivorsitzenden Glenz "zur Kenntnis genommen"; eine inhaltliche Diskussion über die nun drei SPD-Bewerber habe aber nicht stattgefunden, sagte Glenz. Die soll es im Parteivorstand am 10. Mai geben. Dann könne es eine Empfehlung des Vorstandes für einen Sonderparteitag geben, der am 1. Juni stattfinden soll. Es könne aber auch zu einer Kampfkandidatur auf dem Parteitag kommen, meinte hingegen Hoffmann. Glenz kündigte an, er werde sich nach den Osterferien um einen gemeinsamen Termin der drei Bewerber bemühen, um die Ambitionen und Chancen abzuwägen. Ein Ergebnis sei schwer vorherzusagen. Ihm gehe es um ein geordnetes Verfahren, so daß der schließlich gekürte Kandidat den Rückhalt der ganzen Partei und gute Startchancen im Wahlkampf haben werde.

          Hoffmann sagte, es werde sein Ziel als Oberbürgermeister sein, das politische Klimazu verbessern und neue Bezüge und Kontakte zwischen der Politik, den Bürgern, der Wirtschaft und Verbänden und Vereinen herzustellen. Es gehe ihm um eine stärkere Identität aller mit ihrer Stadt und um den Abbau von "Mäkelei auf hohem Niveau". Er wolle vor allem auch über Parteigrenzen hinweg wirken, dies halte er für eine seiner Stärken, sagte Hoffmann. Sechs Felder nannte der Bewerber, die er als Oberbürgermeister besonders angehen werde: Den Ausbau des Wirtschaftsstandortes, denn da fühle er sich als Mittelstandspolitiker als Experte, die Entwicklung des Wissenschaftspotentials, die Förderung des Identitätsgefühls der Bürger mit ihrer Stadt, Phantasie und Innovation bei der Stadtentwicklung, mehr Kinderfreundlichkeit und einen deutlichen Schwerpunkt auf der Kulturpolitik.

          "Ich will nur das versprechen, was man angesichts der Finanzsituation der Stadt auch einhalten kann", äußerte er. Nun müsse abgewogen werden, wer aus Sicht der Partei die besten Chancen im Wahlkampf habe und wer die größte Kompetenz für das Amt mitbringe. Die Schwierigkeiten der SPD sieht Hoffmann in der politischen Großwetterlage und darin, nach langer Zeit in der Verantwortung mit neuen Personen anzutreten. "Ich stehe für einen anderen Stil", sagte er, ohne diese Abgrenzung mit Namen zu versehen. Er wolle auf dem Erreichten der bisherigen Oberbürgermeister aufbauen, sagte er, und schloß Benz ausdrücklich ein.

          Wie Glenz sagte, wird der Sonderparteitag bereits mit neugewählten Delegierten über den Kandidaten bestimmen. Der Parteivorstand habe beschlossen, durch Zusammenlegungen die 14 Ortsvereine der Partei auf zehn zu reduzieren. Hoffmann hob hervor, er halte nichts von möglichen Kungeleien bei Delegiertenwahlen, um den einen oder anderen Bewerber zu stärken. "Hier geht es um eine personenbezogene Wahl für die Stadtspitze", meinte er.

          Die CDU will sich nach Auskunft ihrer Kreisvorsitzenden Karin Wolff auch noch vor der Sommerpause auf einen Kandidaten einigen. "Es wird einer von uns", meinte sie doppeldeutig zum Darmstädter CDU-Kandidaten und zum künftigen Oberbürgermeister. Sie bestätigte, daß sich die Kandidatur zwischen dem Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Gehrke und dem Landtagsabgeordneten Rafael Reißer entscheiden werde. Die CDU verspüre aber keinen Zeitdruck. ziz.

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