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Cryptolacerta hassiaca aus Messel : Erst der „Bohrkopf“, dann der Körper

  • Aktualisiert am

Die Grube Messel, in der Cryptolacerta hassiaca gefunden wurde, was so viel bedeutet wie „verborgene Eidechse aus Hessen” Bild: Frank Röth

Sie hatte einen kräftigen Schädel, wühlte sich vor Jahrmillionen vermutlich durch laubreiches Umfeld und grub sich nur gelegentlich in den Boden ein. So wie eine Schlange. Doch ist die in der Grube Messel gefundene Cryptolacerta hassiaca eine Eidechse gewesen.

          Wurmschleichen sind nicht mit Schlangen verwandt. Obwohl der lange Körper der eigentümlichen, eher einem Regenwurm ähnlichen Tiere den Schlangen durchaus ähnelt, sind sie näher mit den vierbeinigen Echten Eidechsen verwandt. Dies ergab die Untersuchung eines 47 Millionen Jahre alten Eidechsenfossils aus der Grube Messel bei Darmstadt.

          Der Fund widerlege die bisherige Annahme, dass Schlangen und andere grabende Reptilien einen gemeinsamen Vorfahren haben, berichten die Forscher um Johannes Müller vom Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung an der Humboldt-Universität in Berlin im Journal „Nature“. Ihr ähnlicher Körperbau sei im Verlauf der Evolution vielmehr unabhängig voneinander entstanden.

          Kräftiger Schädel

          Das Fossil, welches das internationale Team untersucht hat, trägt den Namen Cryptolacerta hassiaca, was so viel bedeutet wie „verborgene Eidechse aus Hessen“. Es misst etwa sieben Zentimeter von der Schnauze bis zur Schwanzspitze, hat vier Beine und einen ausgeprägten kräftigen Schädel. Diesen analysierten die Forscher per Computertomographie im Detail. Dann kombinierten sie die Anatomie des Cryptolacerta-Schädels und der anderer Eidechsen und Wurmschleichen mit Erbgutdaten lebender Tiere, um die verwandtschaftlichen Beziehungen zu erhellen.

          Das Ergebnis: Cryptolacerta trägt Merkmale sowohl von den Wurmschleichen (Amphisbaenia) als auch den Echten Eidechsen (Lacertidae). Dies deute daraufhin, dass beide einen gemeinsamen Vorfahren haben. So ähnele der kräftige Schädel von Cryptolacerta jenem der Wurmschleichen. Diese graben sich mit dem Kopf voran in den Boden ein.

          Laubreiches Umfeld durchwühlt

          Am engsten verwandt sind beide mit den Echten Eidechsen. Der beinlose Körper entstand in der Evolution vermutlich nach dem „Bohrkopf“, so die Forscher weiter. Und zwar bei Schlangen und den Amphisbaenia unabhängig voneinander. Schlangen sind der Untersuchung zufolge am nächsten mit Waranen verwandt, etwa dem heute lebenden Komodo-Waran.

          Cryptolacerta wühlte sich vor Jahrmillionen vermutlich durch laubreiches Umfeld und grub sich nur gelegentlich in den Boden ein, berichten die Wissenschaftler nach einem Vergleich des Fossils mit noch lebenden Eidechsenarten.

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