https://www.faz.net/-gzg-9z946

Strenge Auflagen : Wieder öffentliche Gottesdienste

Auf Abstand: Sie wie im Frankfurter Dom am vergangenen Sonntag werden die Gottesdienste vorerst aussehen. Bild: Diana Cabrera Rojas

Am Sonntag öffnen in vielen Städten und Gemeinden die Kirchen. Allerdings unter strengen Auflagen wegen der Corona-Pandemie.

          3 Min.

          Nach dem achtwöchigen Verbot wegen der Corona-Pandemie werden an diesem Sonntag im Rhein-Main-Gebiet vielerorts wieder öffentliche Gottesdienste gefeiert. Von einem normalen Angebot sind aber sowohl die beiden evangelischen Landeskirchen von Hessen-Nassau und Kurhessen-Waldeck als auch die katholischen Bistümer Limburg, Mainz und Fulda weit entfernt. Es gibt Hygieneauflagen und Abstandsgebote.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          So schätzt die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, dass von den rund 1100 Gemeinden am morgigen Sonntag „deutlich weniger als die Hälfte wieder mit öffentlichen Gottesdiensten beginnen“. Grund seien die strengen Vorschriften. Vor allem das Abstandsgebot von mindestens 1,50 Metern bereite Gemeinden mit kleinen Kirchen Schwierigkeiten, sagt ein Sprecher. „Wenn sie die Richtlinien einhalten, passt mitunter nur eine Handvoll Gäste in die Kirche.“ Daher seien vor allem die Gemeinden auf dem Land mit eher kleinen Kirchen „beim Neustart bewusst zurückhaltend“.

          Gottesdienste unter freiem Himmel

          Im Vorteil sind Gemeinden mit großen Kirchen. So werden laut Sprecher in Frankfurt und Wiesbaden nahezu alle Innenstadtkirchen wieder Gottesdienste anbieten. Auch in Darmstadt und Mainz werde es etliche Angebote geben. Die Mainzer Maria-Magdalena-Gemeinde auf dem Lerchenberg biete aus Platznot eine Alternative an: „Sie verlegt ihre Gottesdienste unter den freien Himmel und feiert einfach open air.“ Schon am vergangenen Sonntag hatte es an zehn Kirchorten der Landeskirche erste Gottesdienste gegeben. Sie sind in Hessen seit dem 1. Mai wieder erlaubt. Zu tragen ist dabei ein Mund-Nasen-Schutz; gemeinsamer Gesang ist verboten.

          Das katholische Bistum Limburg hatte am vergangenen Sonntag ebenfalls mancherorts gemeinsames Gebet und Eucharistie wieder möglich gemacht, etwa im Frankfurter Dom (F.A.Z. vom 4. Mai). Bei dem Angebot soll es grundsätzlich bleiben – unter den bekannten Vorschriften. So heißt es in einer Dienstanweisung an die Pfarrämter und Gemeinden: „Für die Feier der Gottesdienste sind generell Kirchen mit einem möglichst großen Innenraum zu wählen.“ Der Zugang müsse begrenzt werden. Es dürften sich zu keinem Zeitpunkt so viele Menschen ansammeln, dass die für den jeweiligen Gottesdienstraum definierte Höchstzahl überschritten sei.

          Die Teilnehmerzahl richte sich nach der Zahl „der unter Wahrung der Abstandsgebote verfügbaren Sitzplätze“. Die Pfarreien sollen der Dienstanweisung zufolge ein Anmeldesystem für die Gottesdienste etablieren, etwa über die Pfarrbüros. Weil eventuell nicht alle Gläubigen, die es wünschten, an einem Sonntagsgottesdienst teilnehmen könnten, bleibe die Sonntagspflicht bis auf weiteres ausgesetzt. Die Online-Angebote sollten daher „nach Möglichkeit fortgeführt und entsprechend beworben werden“. Von einer Feier im Freien rät das Bistum Limburg ab, „da hier die Steuerung der Teilnehmerzahl erheblich erschwert ist“.

          Weiterhin digitale Angebote

          Auch im Bistum Mainz sollen Gottesdienste dank eines Schutzkonzepts fortan wieder „mit einer erweiterten Öffentlichkeit möglich sein“, wie es aus der Pressestelle heißt. Ob solche Gottesdienste in den nächsten Wochen gefeiert werden könnten, hätten die Pfarrer gemeinsam mit dem Pastoralteam und den Verantwortlichen aus dem Pfarrgemeinderat zu entscheiden. Im Mainzer Dom finden am Sonntag vier Messen statt: um 7, 8, 10 und 11.30 Uhr. Zugelassen sind jeweils maximal 50 Personen. Der Aufenthalt im Dom ist auf 60 Minuten begrenzt. Beim Betreten und beim Verlassen der Kirche besteht Maskenpflicht.

          Für die evangelische Kirche in Kurhessen-Waldeck hofft Bischöfin Beate Hofmann auf „vielfältige Gottesdienstkonzepte“, die einerseits den Gesundheitsschutz garantierten, andererseits möglichst vielen Menschen „das Hören von Gottes froher Botschaft ermöglichen“. Wer eine große Kirche habe, feiere Kurzgottesdienste im Gebäude, wer einen großen Platz oder eine große Wiese und eine gute Lautsprecheranlage habe, feiere Gottesdienste auf Klappstühlen im Freien, empfahl sie. Weiterhin soll es auch digitale Angebote geben. Es gelte allerdings: „Nicht alle müssen alles machen.“

          „Die Gottesdienste, die wir jetzt feiern können, werden sich von denen vor dem 15. März unterscheiden“, sagt Hofmann und verweist auf zwei Meter Sicherheitsabstand, die beschränkte Besucherzahl, das Tragen einer Maske sowie den Verzicht auf den Handschlag beim Friedensgruß und beim Abschied an der Tür. Auch das Abendmahl dürfe nur unter sehr strikten Hygienevorschriften stattfinden. Dass die Gemeinde nicht gemeinsam singen dürfe, bedauere sie sehr – zumal der 10. Mai der Sonntag Kantate sei, der vierte Sonntag nach Ostern.

          Das Bistum Fulda teilt auf seiner Internetseite mit, in der Fuldaer Innenstadt und im Dom werde es nun wieder die Möglichkeit geben, an öffentlichen Gottesdiensten teilzunehmen. Wegen der Abstandsregeln gebe es nur begrenzt Plätze. Für die Sonntagsgottesdienste sei eine telefonische Anmeldung nötig. Am 10. Mai werde die Messe mit Bischof Michael Gerber um 10 Uhr überdies live aus der Michaelskirche im Internet übertragen.

          F.A.Z.-Newsletter für Deutschland

          Jeden Morgen ordnen unsere Redakteure die wichtigsten Themen des Tages ein. Relevant, aktuell und unterhaltsam.

          Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Präsident Wladimir Putin nimmt am Freitag von seiner Residenz Nowo-Ogarjowo aus an einer Kabinettssitzung teil.

          Proteste in Belarus : Droht eine Intervention Moskaus?

          Für den Kreml ist die Lage in Belarus ambivalent – das zeigen auch die Reaktionen aus Moskau. Die große Frage ist, was Putin macht, wenn Lukaschenka ernstlich gefährdet ist.
          Ermittlungen: Apotheker und Ärzte werfen dem Angeklagten vor, Verfahren gegen sie aufgebläht zu haben (Symbolbild).

          Frankfurter Korruptionsaffäre : Mediziner erheben schwere Vorwürfe

          In der Korruptionsaffäre um einen Frankfurter Oberstaatsanwalt sollen Ermittlungen nur geführt worden sein, um Geld zu generieren. Das könnte sich noch zu einem weitaus größeren Skandal auswachsen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.