https://www.faz.net/-gzg-9wvgi

Coronavirus in Hessen : „Betten reichen für eine Pandemie aus“

  • -Aktualisiert am

Aufgeklappte Feldbetten für ankommende Verdachtsfälle in einer Turnhalle auf dem Frankfurter Flughafen. Bild: Helmut Fricke

Kein Grund zur Panik: In Hessen sind die Kliniken nach Angaben des Gesundheitsamts gut auf das Coronavirus vorbereitet. Szenarien wie in Norditalien können aber nicht ausgeschlossen werden.

          1 Min.

          René Gottschalk, Leiter des Gesundheitsamts, schüttelt energisch den Kopf. „Nein“, sagt er, auch wenn die Nachrichten aus Italien über einen sprunghaften Anstieg von Neuinfektionen mit dem Coronavirus viele Menschen verunsicherten, so bestehe doch kein Grund zur Panik. In Hessen seien die Kliniken gut auf einen Ausbruch vorbereitet. Und sollten doch mehr Menschen erkranken, als Quarantänezimmer zur Verfügung stehen, habe man schon Eskalationspläne in der Schublade liegen. Die sehen laut Gottschalk vor, Patienten nicht nur auf speziellen Infektionsstationen zu behandelt, sondern sie im Ernstfall auch auf andere Stationen oder Reha-Einrichtungen zu verlegen. Gottschalk gibt sich zuversichtlich: „Die Betten reichen für eine große Pandemie aus.“

          Dabei hält er ähnliche Szenarien wie in Norditalien längst nicht mehr für ausgeschlossen. „Das kann gut sein, dass wir das auch haben werden.“ Dass im Ernstfall eine Stadt wie Frankfurt komplett von der Außenwelt abgeschottet werden könnte, bezweifelt er. „Wir können nicht alles runterfahren. Das wäre ja wie im Mittelalter.“ Stattdessen müsse man in einer solchen Extremsituation „Strategien entwickeln, um den Schaden so gering wie möglich zu halten“. Besonders stark betroffene Patientengruppen müssten dann vorrangig behandelt werden. Das gelte beispielsweise für Schwangere und für ältere Menschen mit Begleiterkrankungen.

          Die Deutsche Bahn hatte am Montag angekündigt, vorerst alle Verbindungen von und nach Italien aufrechtzuhalten. „Die Entscheidung über Maßnahmen zur Eindämmung des Virus obliegt den Behörden“, sagte ein Sprecher. Auch am Flughafen gab es am Montag noch keine Einschränkungen im Flugverkehr von und nach Italien.

          Gottschalk weist die lauter werdenden Forderungen nach einer pauschalen Gesundheitsüberprüfung von Reisenden, egal ob sie mit dem Zug, dem Bus oder dem Flugzeug nach Frankfurt kommen, zurück. Die Verfahren seien zu fehleranfällig. Auch sei es sinnlos, jeden Patienten, der beim Hausarzt über grippeähnliche Symptome klage, auf das Coronavirus zu testen. „Das würde das System überlasten.“ Der Gesundheitsamtsleiter will die Gefahren nicht kleinreden. Stattdessen versucht er, sie einzuordnen. Die Sterblichkeit bei Patienten, die starke Symptome zeigten, liege unter drei Prozent. Rechne man die milden Krankheitsverläufe hinzu, sinke die Prozentzahl weiter. Hessen ist laut Gottschalk auf eine Pandemie vorbereitet, jetzt gelte es, die kursierende „Infodemie“ zu bekämpfen. Darunter versteht der Amtsleiter die vielen Falschmeldungen, die sich schneller verbreiteten als das Virus selbst.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ein Bild aus besseren Tagen: Olaf Scholz, Christine Lagarde, Paolo Gentiloni und Bruno Le Maire Mitte Februar in Brüssel

          Ideen von Scholz und Le Maire : EU-Kompromiss zu Corona-Hilfen in Sicht

          Die Politik will den schrillen EU-Streit um Maßnahmen in der Coronakrise deeskalieren. Deutschland und Frankreich verständigen sich auf drei Schritte, die Niederlande machen ein Friedensangebot. Umstritten bleiben die Corona-Bonds.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.