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Corona-Gesichtsmasken : Provisorische Hilfe aus 3-D-Druckern

Tüfteln gegen das Virus: Nichole Foster von der Frankfurt International School testet die Gesichtsmaske Bild: Wonge Bergmann

In der Frankfurt International School entstehen Visiere gegen Tröpfchen – aus dem 3-D-Drucker. Dahinter steht eine Initiative, die sich dem Kampf gegen das Virus verschrieben hat.

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          Von links nach rechts fährt der Druckkopf, während sich das Druckbett mit dem langsam entstehenden Kunststoffbogen vor und zurück bewegt. Durch die zwei Achsen kann der Kopf jede Stelle auf der flachen Unterlage erreichen. Nach gut zwei Stunden ist darauf eine Halterung gewachsen, an der sich ein durchsichtiger Polyesterschild befestigen lässt. Welche Farbe die Halterung hat, hängt vom Ausgangsmaterial ab, einem auf eine Rolle gewickelten Kunststofffaden. Die Komponente für die derzeit gefragten Gesichtsschilde entsteht in Oberursel auf einem 3-D-Drucker in der Frankfurt International School. Das klare Visier soll seinen Träger davor bewahren, beim Niesen anderer von Tröpfchen getroffen zu werden. Außerdem kann es helfen, sich nicht versehentlich ins Gesicht zu fassen.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Während allerorten in Heimarbeit Gesichtsmasken aus Stoff genäht werden und selbst Kliniken nicht lieferbare Schutzmäntel aus Kitteln und Plastikfolie basteln, bietet auch eine sehr spezielle Szene ihre Hilfe in Zeiten der Corona-Pandemie an. Die sogenannten Maker sind Tüftler, die mit modernster Technik wie Laser-Schneidegeräten und 3D-Druckern Dinge herstellen oder neu nutzbar machen. In mancher Hinsicht erinnert ihr Tun an das von Computerhackern, nur eben in der wirklichen statt der virtuellen Welt. Sogar das Bundesforschungsministerium hat das Innovationspotential der Szene erkannt und bringt sie untereinander und mit Wissenschaft und Industrie zusammen.

          „Tüftler gegen das Virus“

          Auch an der englischsprachigen Frankfurt International School, mit mehr als 1800 Schülern eine der größten internationalen Schulen in Europa, gibt es einen „3-D-Printing Club“. In der Arbeitsgruppe treffen sich die Schüler nach dem Unterricht. „Für die Ausstattung haben sie Geld gesammelt“, erzählt Nichole Foster, die Mathematik und Naturwissenschaften unterrichtet. Über die sozialen Netzwerke und den tschechischen Hersteller der Drucker, der die nötigen Druckvorlagen unentgeltlich bereitstellt, stieß sie auf die Möglichkeit, den Bestandteil der Schutzausrüstung herzustellen. In der Schule sind wegen der Corona-Krise ohnehin keine Schüler.

          Für ganz Deutschland wird die Hilfe über die Internetseite www.makervsvirus.org beziehungsweise unter dem gleichnamigen Hashtag organisiert. Er ließe sich frei mit „Tüftler gegen das Virus“ übersetzen. Die Initiative ist Ende März von „Hammertime Kassel“ ausgegangen, einer offenen Werkstatt in der nordhessischen Stadt. „Ein Assistenzarzt hat uns gefragt, ob wir helfen können“, sagt Melania-Simona Moise, die 2017 die Werkstatt gegründet hat, weil sie weder Platz noch Werkzeug für den Bau eines Betts hatte. Der Arzt bestellte 50 Stück, und die Maker machten sich ans Werk. Die Folien für den eigentlichen Schild waren mit dem Lasercutter schnell geschnitten.

          Arbeiten in der Grauzone

          „Aber das Drucken der Halterung dauert deutlich länger, deshalb haben wir einen Aufruf gestartet.“ Seither laufen die Drucker in Hobbykellern, Uni-Laboren und Firmen, um Teile für die von einem Gummiband gehaltenen Gesichtsvisiere herzustellen. Sie werden zum Selbstkostenpreis oder kostenlos wie in Oberursel abgegeben. 180 lokale „Hubs“ in ganz Deutschland dienen dazu, die Ausrüstung zu sammeln und zu verteilen. Inzwischen beteiligen sich mehr als 5000 „Maker“ an der Aktion. Allein 130 arbeiten in Darmstadt, weiß die Frankfurt-International-School-Lehrerin Foster. „It’s amazing“, sagt die Amerikanerin, die Beteiligung sei erstaunlich. Das Markuskrankenhaus und Ärzte gehörten zu den Abnehmern der in Oberursel hergestellten Gesichtsschilde.

          Rechtlich allerdings arbeiten die Maker in einer Grauzone, denn für medizinische Produkte gelten strenge Zulassungsregeln. „Wir empfehlen, die Visiere als Bausatz abzugeben“, sagt Moise deshalb. Ein Zettel weist ausdrücklich darauf hin, dass die Hersteller jede Haftung ablehnen und es sich nicht um einen medizinischen Artikel handelt, sondern um eine „persönliche provisorische Schutzausrüstung“, die nach eigenem Ermessen genutzt wird.

          Ohnehin sollte der Schild zusammen mit Atemschutz und Schutzbrillen verwendet werden. Die Oberurseler Lehrerin Nichole Foster will die Visiere so lange herstellen, wie Bedarf besteht. Die Schule habe Kontakte nach Afrika. Wenn hierzulande die reguläre Versorgung gesichert sei, werde man dort bestimmt viele benötigen.

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