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Corona-Krise : Eltern am Rande des Nervenzusammenbruchs

Fernstudium: Mancher sehnt sich inzwischen in die Schule zurück. Bild: AFP

Die Corona-bedingte Schulschließung überfordert viele Familien. Der Vorsitzende des hessischen Landeselternbeirats fordert, dass der Lehrstoff reduziert wird.

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          Der Frankfurter Vater spricht aus, was viele Eltern derzeit denken. „Geht’s noch?“, fragt er in einem offenen Brief, der an den Landeselternbeirat adressiert ist, sich aber eigentlich ans Kultusministerium, die Schulleiter und Lehrer richtet. Der Vater von zwei Kindern schildert die Belastungen, die durch die Schließung der Schulen und Kitas entstehen, insbesondere in Familien, in denen die Eltern weiter ihrem Beruf nachgehen müssen, ob auf der Arbeit oder zu Hause. Dabei stellt er nicht die Notwendigkeit in Frage, den Unterricht wegen der Corona-Pandemie auszusetzen. Seine Kritik richtet sich gegen den Anspruch mancher Schulen, dass der Unterricht nun am heimischen Schreibtisch stattfinde mit den Eltern als Aufgabenübermittler, Aufsichtspersonen und Nachhilfelehrer.

          Matthias Trautsch
          Koordination Reportage Rhein-Main.

          Er kümmere sich überwiegend alleinerziehend um seine zwei Kinder im Alter von zwölf und 15 Jahren, sei voll berufstätig und seit zehn Tagen im Homeoffice, sagt der Endvierziger. „Ich muss derzeit den Shutdown und IT-Support in unserem Unternehmen mitkoordinieren – ich kann und will nicht noch nebenbei das Sekretariat für meine Kinder übernehmen, E-Mails weiterleiten, ausdrucken, um zwei Minuten später eine neue Mail zu bekommen nach dem Motto: Sorry, hier der richtige Anhang!“ Er könne nicht fünf Stunden am Tag mit seiner Tochter, die in die 5. Klasse gehe, Gedichte analysieren, Texte untersuchen, „Audiopodcasts auf Englisch mit verschiedenen fiktiven Interviewpartnern aufnehmen und am PC schneiden, das Paarungsverhalten der Buckelwale besprechen oder Collagen basteln“.

          „Das ist menschlich nicht in Ordnung“

          Gerade jüngere Kinder seien nicht darauf vorbereitet, sich den Unterrichtsstoff selbständig anzueignen. Umgekehrt sei er aber auch nicht darauf vorbereitet, Kinder zu unterrichten. Obwohl selbst Akademiker, müsse er sich in die Fächer erst einmal wieder einarbeiten und eindenken. Er frage sich außerdem, ob er mehr Schaden anrichte als helfe, ob die eigenen Ansprüche richtig seien oder ob er seine Tochter damit nur verwirre. Auch sein 15 Jahre alter Sohn brauche eigentlich Hilfe, aber dazu komme er einfach nicht. Der Landeselternbeirat müsse das Kultusministerium veranlassen, die an die Schüler übermittelte „Aufgabenflut“ zu reduzieren. „Sonst treibt man Eltern und Kinder sehenden Auges ins Burnout, von sonstigen gesundheitlichen oder psychosozialen Folgen einmal ganz abgesehen.“

          Korhan Ekinci, der Vorsitzende des hessischen Landeselternbeirats, kann die Sorgen des Frankfurter Vaters verstehen. Unter den derzeitigen Bedingungen müssten die Schulen den Lehrstoff deutlich reduzieren. „Es kann nicht sein, dass in vier Tagen 28 Seiten aus dem Englischbuch durchgeballert werden.“ Er höre von Eltern, dass Lehrer eine Benotung der zu Hause erledigten Aufgaben angedroht und die Familien damit zusätzlich unter Druck gesetzt hätten. „Das ist menschlich, aber auch rechtlich nicht in Ordnung.“ Dasselbe gelte für Anweisungen, selbst Schulbücher zu kaufen oder sich bei kostenpflichtigen Lernportalen anzumelden.

          Ekinci nimmt Schulen, Lehrer und Ministerium jedoch auch in Schutz. Alle müssten sich in einer Lage zurechtfinden, auf die niemand vorbereitet gewesen sei. Es gebe viele engagierte Lehrer, die den Stoff so aufbereiteten, dass ihre Schüler die Aufgaben selbständig erledigen könnten. Grundsätzlich wüssten die Eltern es zu schätzen, dass der Lernprozess nicht ins Stocken gerate. Beschwerden, dass zu wenig Stoff durchgenommen werde, habe er nicht gehört. Der Landeselternbeirat sammele momentan die Erfahrungen der Eltern und werde über das Ergebnis mit dem Kultusministerium sprechen. Gemeinsam müsse man daran arbeiten, dass der Bildungserfolg nicht vom Elternhaus abhänge. Das sei unter den Bedingungen der Corona-Pandemie noch schwieriger als sonst.

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