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Bekämpfung des Coronavirus : Schott erwartet keinen Mangel an Impfstoff-Flaschen

Boro­si­li­kat­glas: Der Konzern Schott stellt spezielles Glas für Medikamente, Industrie und Küche her (Symbolbild). Bild: Reuters

Der Mainzer Glasproduzent Schott hat Anfragen für eine Milliarde Impfstoff-Fläschchen erhalten – befürchtet aber keine Engpässe. Ein Bündnis mit seinen Konkurrenten soll das Vertrauen in die pharmazeutische Versorgung stärken.

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          Scheitert die Massenimpfung gegen das Coronavirus an der Verpackung? Es gibt Experten, die das befürchten. „Die Nachfrage wird bei weitem das Angebot übersteigen“, sagte kürzlich der auf die Medizinbranche spezialisierte Analyst Vijay Kumar in einem Interview. Ein früherer leitender Mitarbeiter des amerikanischen Gesundheitsministeriums warnte, dass zumindest in den Vereinigten Staaten nur zwei Prozent der tatsächlich benötigten Fläschchen und Spritzen eingelagert seien. Auch deutsche Politiker sprachen davon, dass die Verpackung der „Flaschenhals“ sein könnte, der die Verteilung eines Corona-Impfstoffs ausbremse.

          Falk Heunemann

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Solche Befürchtungen verwundern allerdings die großen Hersteller der Impfstoff-Fläschchen, darunter den Mainzer Konzern Schott. „Wir haben erheblich in weitere Kapazitäten investiert und sind daher optimistisch, dass die Versorgungsziele erreicht werden können“, sagte Schott-Vorstandschef Frank Heinricht in einer Erklärung, der sich auch die Konkurrenten Gerresheimer aus Düsseldorf und Stevanato aus Italien angeschlossen haben. Nach ihren Angaben kommt jeder der drei auf rund 30 Prozent Marktanteil bei der Herstellung der Impfstoff-Fläschchen. Dass Konkurrenten sich gemeinsam erklären, ist eher ungewöhnlich. Die drei Hersteller hielten das aber für nötig, um „trotz vieler Unwägbarkeiten das Vertrauen in die globale pharmazeutische Versorgungskette zu bekräftigen“, wie es in der Stellungnahme heißt.

          Glas auch in Industrie und Küche eingesetzt

          Die Impfstoff-Flaschen werden aus speziellem Borosilikatglas hergestellt, das resistent ist gegen die unterschiedlichsten Chemikalien und Temperaturveränderungen und zum Beispiel Medikamente nicht verunreinigt. Entwickelt wurde es 1887 von dem Chemiker Otto Schott in Jena, dem Gründer der heutigen Schott AG. Dieses Glas wird nicht nur in der Medizin eingesetzt, sondern auch in der Industrie und als Küchengeschirr.

          Bis zu eine Milliarde Impfstoff-Fläschchen hätten Pharmaunternehmen allein bei Schott angefragt, berichtete Heinricht. Das klinge viel, gesteht man bei Schott ein, verweist aber auf den Gesamtmarkt: Pro Jahr würden weltweit 50 Milliarden Glasbehälter hergestellt, wobei dabei auch andere Behältnisse mitgezählt werden, etwa Spritzen und Pipetten.

          Ausreichend für die gesamte Menschheit

          Ohnehin glaubt das Unternehmen, dass der Bedarf geringer ist, als die aktuellen Anfragen suggerieren. So könne jede Flasche mehrere Dosen an Impfstoff enthalten, ein Milliarde wäre dann mehr als ausreichend für die gesamte Menschheit. Zudem hätten 100 Unternehmen eine Anfrage gestellt – für jeweils 800 Millionen bis eine Milliarde Stück. Nur wenige von ihnen dürften später wirklich Impfstoff-Fläschchen benötigen. Der Konzern geht davon aus, dass nur jene Unternehmen, die als Erstes einen Impfstoff entwickeln, tatsächlich bestellen. Unter anderem arbeiten der Mainzer Biotech-Hersteller Biontech und der Pharmakonzern Sanofi an einem Impfstoff. Sanofi hatte jüngst angekündigt, 610 Millionen Euro in die Impfstoffproduktion zu investieren.

          Auch der Schott-Konzern, der in Mainz 2400 seiner weltweit 16.200 Mitarbeiter beschäftigt, hat seine Investitionen in den Verpackungsbereich erhöht, nach 150 Millionen Euro im vergangenen Jahr plant das Unternehmen 2020 Ausgaben von 220 Millionen Euro. Produziert werden die Glasfläschchen in 16 Werken weltweit, darunter in Müllheim bei Freiburg, in der Schweiz und den Vereinigten Staaten. Dadurch könnte jedes Unternehmen in der Welt schnell die Flaschen erhalten. Was Schott nicht sagt: Die Verteilung der Werke dürfte verhindern, dass sich ein einzelnes Land per Exportverbot die gesamte Produktion sichert.

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