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Corona-Krise : So könnte es in Hessen nach Ostern weitergehen

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Nächste Schritte ungewiss: Wann das Geschäftsleben an der Frankfurter Zeil wieder beginnen kann, ist weiterhin offen. Bild: dpa

Bis zum 20. April gelten wegen der Corona-Pandemie Beschränkungen. Schulen, Unis und viele Geschäfte sind geschlossen. Der Ministerpräsident mahnt zu Geduld, doch erste Ausstiegsszenarien zeichnen sich ab.

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          Die hier und da aufkeimende Hoffnung, zu Ostern einigermaßen Klarheit darüber zu bekommen, wie es in der Corona-Krise weitergeht, hat Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) enttäuscht. Im Hessischen Rundfunk bat er am Mittwochabend die Bürger weiter um Geduld und versuchte sie darauf einzustimmen, dass vermutlich erst von Mai an die Beschränkungen deutlich gelockert werden könnten.

          In einer weiteren Telefonkonferenz der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten soll am Mittwoch mit Blick auf die neuesten Infektionszahlen über Lockerungen der Restriktionen beraten werden. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat sich klarer als sein Parteifreund Bouffier dafür ausgesprochen, nach Ostern damit zu beginnen, das öffentliche Leben in eine „verantwortbare Normalität“ zurückzuführen.

          Schulunterricht wohl zunächst im Schichtbetrieb

          Dass die Hessen weiterhin Geduld aufbringen müssen, gilt nicht zuletzt mit Blick auf Schulen und Kitas. Eine Öffnung nach den Osterferien ist laut Bouffier allenfalls in einer Art Schichtbetrieb möglich. Denn Kinder ließen sich nur schwer dazu zwingen, auf Kontakte untereinander zu verzichten. Ob sich die Idee eines Schichtbetriebs auf einzelne Jahrgangsstufen oder eine Regelung in den Klassen selbst bezieht, ließ er offen. Mit dem Zusatz, dass der Schichtbetrieb vorbereitet werden müsste, deutete der Ministerpräsident nach Meinung von Experten zudem an, dass wohl nicht vor Anfang Mai mit einem Schulbeginn zu rechnen sei.

          Der Elternbund Hessen fordert unterdessen schnelle und klare Informationen zur Frage, wie es nach den Osterferien in den Schulen weitergehe. Für den Fall, dass der Heimunterricht fortgesetzt werde, müsse das Kultusministerium dafür sorgen, dass alle Kinder versorgt und begleitet würden. „Eltern sind nicht die Hilfslehrer der Nation.“ Weil die Bedingungen für Homeschooling sehr unterschiedlich seien, bestehe die Gefahr, dass viele Kinder, vor allem jene aus „benachteiligten“ Familien, den Anschluss verlören und die Chancenungleichheit zunehme. Die Eltern, insbesondere die alleinerziehenden Mütter und Väter, seien stark belastet.

          „Sommercamps“ zum Nachholen des Schulstoffs

          Nach Wiedereröffnung der Schulen müsse jedes Kind einen individuellen Förderplan erhalten mit entsprechenden Lernprogrammen. Zu prüfen sind nach Meinung des Elternbunds überdies Vorschläge, die entstandenen Defizite in den Sommerferien zu kompensieren – etwa in vom Land finanzierten „Sommercamps“, in denen die Schüler außer Freizeit- auch Lernangebote erhalten.

          Für das Kulturleben zeichnet sich weder in Hessen noch in anderen Bundesländern eine schnelle Entspannung der Lage ab. Das lässt sich aus den Äußerungen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ableiten, wonach man noch Wochen und Monate auf Volksfeste, Club-Besuche und Festivals werde verzichten müssen. Diese Einschätzung dürfte sich auf Theater- und Opernaufführungen sowie Konzerte übertragen lassen, ebenso auf Sportveranstaltungen, möglicherweise mit Ausnahme des Profifußballs, für den sogenannte Geisterspiele denkbar sind.

          Keine Empfehlung zu Atemschutzmasken

          Während Bouffier im Umgang mit der Corona-Krise insgesamt an einer möglichst bundeseinheitlichen Linie festhalten will, gibt es aus anderen Bundesländern Signale, insbesondere für den Handel und die Gastronomie je nach regionalen und lokalen Gegebenheiten zügig eine flexiblere Regelung schaffen zu wollen. Dabei könnte auch eine Pflicht, Atemschutzmasken zu tragen, eine Rolle spielen. Vom Krisenstab beim hessischen Innenminister wird derzeit nicht empfohlen, eine solche Verpflichtung einzuführen, auch nicht im öffentlichen Nahverkehr.

          Auch die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände wird mit Blick auf das Wirtschaftsleben etwas konkreter als der Ministerpräsident. Der Dachverband hat dazu in dieser Woche einen detaillierten Plan veröffentlicht. Es sei zu hoffen, dass sich die Beschränkungen vom 20. April an zurücknehmen ließen, sagte Wolf Mang, Präsident der Vereinigung. Er nehme aber an, dass es länger dauere, bis alle Unternehmen wieder so arbeiten könnten wie vor der Krise. Insbesondere die Lieferketten der Industrie dürften lange stocken, da viele Zulieferer in Spanien und Italien weiterhin geschlossen seien.

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