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Corona-Fall in Rheingau-Taunus : Landrat sieht keine Gefahr für den Kreistag

  • -Aktualisiert am

„Nicht akzeptabel“: Der Kreistagsvorsitzende Klaus-Peter Willsch ärgert sich über die Informationspolitik des Landrats. Bild: Picture-Alliance

Trotz einer Infektion hat ein Mitglied an einer Kreistagssitzung im Rheingau-Taunus-Kreis teilgenommen. Darüber wurde das Gremium erst spät informiert. Klaus-Peter Willsch, Vorsitzender des Kreistages, zeigt sich nun empört.

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          Der CDU-Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Kreistages im Rheingau-Taunus-Kreis, Klaus-Peter Willsch, hat sich empört über die Informationspolitik des Kreises geäußert und Landrat Frank Kilian (parteilos) vorgeworfen, ihn über die Corona-Infektion eines Kreistagsmitglieds nicht unverzüglich informiert zu haben. „Die Tatsache, dass ich als Kreistagsvorsitzender die Information über das positive Testergebnis von Frau (Name ist der Redaktion bekannt) erst auf aktive Nachfrage erhalten habe, ist nicht akzeptabel“, schreibt Willsch.

          „Als ehrenamtlicher Kreistagsvorsitzender muss ich mich darauf verlassen können, dass mir derartige Informationen nach Eingang in der Kreisverwaltung unverzüglich, das heißt ohne schuldhaftes Zögern, zugänglich gemacht werden. Überhaupt nicht hinnehmbar ist es, dass ich diese Nachricht erst fünf Tage nach Eingang in Ihrem Haus auf meine Anfrage hin erhalte.“

          Hintergrund des Ärgers von Willsch ist die jüngste Kreistagssitzung am 20. Oktober in der Niedernhausener Autalhalle. An dieser Sitzung nahm auch das infizierte Kreistagsmitglied teil, das am 24. Oktober erste Symptome zeigte. Am 26. Oktober wurde die Person getestet, das positive Ergebnis lag einen Tag später vor. In Absprache mit dem Gesundheitsamt informierte das Kreistagsmitglied alle Personen, die vom 22. Oktober an mit der Infizierten Kontakt hatten. Nicht informiert wurden zu diesem Zeitpunkt die anderen Kreistagsmitglieder sowie Gäste und Pressevertreter, die während der mehrstündigen Sitzung ebenfalls in der Halle saßen. Dies wurde am Montag, 2. November, nun von Willsch nachgeholt. Er teilte dem Kreistag, dem Kreisausschuss und auch den Mitarbeitern der Kreisverwaltung die Infektion in einem Schreiben mit und machte aus seiner Verärgerung kein Hehl.

          Kein Übertragungsrisiko

          Landrat Kilian hat am Dienstag unterdessen auf den Brief reagiert und zu der Reaktion von Willsch geäußert, dass er dessen „Erregung hinsichtlich einer etwaigen Infektionsgefahr während der zurückliegenden Kreistagssitzung emotional nachvollziehen könne“. Zugleich gab er aber auch Entwarnung: „Ich kann Ihnen und den Kollegen aber auch mitteilen, dass eine solche Gefahr zu keinem Zeitpunkt für die anwesenden Personen bestanden hat“, schreibt Kilian.

          Da die Symptome erst vier Tage nach der Sitzung aufgetreten seien, hat laut Kilian während der Sitzung aus medizinisch-infektiologischer Sicht kein Übertragungsrisiko bestanden. Dies, äußerte der Landrat weiter, sei erst vom Donnerstag, 22. Oktober, an der Fall gewesen, also 48 Stunden vor dem Auftreten der Symptome. Gleichwohl kündigte Kilian an, gemeinsam mit dem Ältestenrat des Kreistags ein Verfahren abzusprechen, um solche Fälle in Zukunft anders zu kommunizieren.

          Wie lange Infizierte vor den ersten Symptomen ansteckend sind, ist aber offenbar noch nicht endgültig geklärt. Der Bayerische Rundfunk schreibt etwa, dass eine Studie der Eidgenössischen Technischen Universität in Zürich zu dem Schluss komme, dass Infizierte bereits fünf bis sechs Tage vor Ausbruch der Krankheit das Virus weitergeben könnten. Das Robert-Koch-Institut schreibt dazu: „Darüber hinaus steckt sich ein relevanter Anteil von Personen bei infektiösen Personen innerhalb von ein bis zwei Tagen vor deren Symptombeginn an. Wie groß dieser Anteil ist, kann nicht genau beziffert werden ...“

          Eher entspannt hat das infizierte Kreistagsmitglied die Situation wahrgenommen. „Ich denke, die Kreistagsmitglieder habe ich nicht angesteckt, jedenfalls nicht die, mit denen ich nicht später auch noch in Kontakt war“, schreibt die Politikerin und ergänzt: „Ich denke es ist sicher, überlasse es aber gern Euch, ob Ihr vielleicht vorsichtshalber den Kreistag informiert. Liebe Grüße.“

          Der Lokalpolitikerin geht es laut Willsch besser, aber sie ist weiterhin in Quarantäne.

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