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Hohe Verluste : Auch die Kur krankt an Corona

Ein Schließtag kostet 7500 Euro: Spessart-Therme in Bad Soden-Salmünster Bild: Lando Hass

Die Kurstädte in Hessen leiden heftig unter der Pandemie. Nun zeigt eine Studie: Ein Drittel der Arbeitsplätze in der Branche sind bereits verlorengegangen.

          2 Min.

          Die Pandemie trifft jene, die sich um Heilung bemühen. So müssen die Kurstädte mit Umsatzausfällen leben, und viele Beschäftigte im Kurwesen haben wegen der von den Behörden angeordneten Schließungen ihre Arbeit verloren. Die Kurorte in Hessen haben in einer Studie den finanziellen Verlust durch die Corona-Pandemie untersucht und beziffert.

          Jan Schiefenhövel
          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dazu wurden die Jahre 2019 und 2020 miteinander verglichen, wie Michael Köhler sagte, Bürgermeister von Bad Zwesten in Nordhessen und Vorsitzender des hessischen Heilbäderverbands, in dem 30 Kurorte und Heilbäder zusammengeschlossen sind. Nach seinen Worten beträgt der Umsatzausfall der hessischen Kurorte im vergangenen Jahr 891 Millionen Euro. Die Zahl der Übernachtungen ging der Studie zufolge von 10,2 Millionen im Jahr 2019 auf 6,6 Millionen im vergangenen Jahr zurück.

          „Das tut uns richtig weh“

          Zu den Verlusten gehörten zum Beispiel der Einnahmeausfall von Kurbetrieben und Thermalbädern, der Verlust von Einkünften für die Kommunen aus der Kurtaxe, aber auch der Umsatzrückgang bei Hotels, Cafés und Geschäften in den Kurorten, wenn weniger Gäste im Ort seien. Von „deutlichen Einschnitten“ spricht der Vertreter der Kurstädte: „Das tut uns richtig weh.“ Nach seinen Worten geht damit auch ein Teil der Infrastruktur in den Kurorten verloren. So müssten traditionsreiche Geschäfte oder Lokale schließen, die nach der Lockerung der Vorsichtsmaßnahmen nicht wieder öffneten, sagte Köhler am Donnerstag bei einem Pressegespräch am Rande einer Tagung des Kurverbands in Bad Soden-Salmünster.

          Im Kurwesen gehen der Studie zufolge durch den Ausfall von Einnahmen Arbeitsplätze verloren. Gab es im Jahr 2019 noch 38.180 Stellen, wurden für das vergangene Jahr nur 23.480 Stellen gezählt – rund ein Drittel weniger. Dabei sind tatsächlich noch mehr Arbeitnehmer betroffen, weil für den Vergleich die Arbeitszeit von Teilzeitstellen in Vollzeitstellen ungerechnet wurde. Zu den Betroffenen gehören Ärzte und Krankenpfleger in den Kurkliniken, Mitarbeiter der Tourist-Information und anderer kommunaler Einrichtungen, aber auch Gärtner von Kurparks.

          Der Verlust von Umsatz und Arbeitsplätzen treffe in erster Linie den ländlichen Raum, wie Dominik Brasch ausführte, der parteilose Bürgermeister der Kurstadt Bad Soden-Salmünster im Main-Kinzig-Kreis. 90 Prozent der Reha-Kliniken stehen nach seinen Worten in Kleinstädten außerhalb der Ballungsräume. Für die Kurorte und ihre Umgebung stelle der Kurbetrieb einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar, auch durch die Nachfrage der Kureinrichtungen, von der Lieferanten und Dienstleister lebten.

          Jeder Schließtag der Therme kostet rund 7500 Euro

          Die Kurstadt im Kinzigtal müsse allein wegen der Schließung ihrer Spessart-Therme einen Verlust von mehr als einer Million Euro pro Jahr in diesem und dem vergangenen Jahr hinnehmen, sagte Brasch. In jedem der beiden Jahre sei das Bad an 160 Tagen geschlossen geblieben. Jeder Schließtag koste die Stadt rund 7500 Euro. Das Thermalsolebad stamme aus dem Jahr 1975, für die nächsten Jahre stehe eine Sanierung an, deshalb falle der Verlust besonders stark ins Gewicht.

          Der Kurbetrieb leistet auch einen Betrag zum Tourismus in Hessen. Nach Zahlen des Wirtschaftsministeriums entfallen 28 Prozent aller Übernachtungen auf die Kurorte. Übernachtungsgäste geben nach Angaben des Verbands durchschnittlich 151 Euro aus. Die Kurstädte ziehen Tagesgäste und Ausflügler an, die am Tag im Durchschnitt 29 Euro ausgeben.

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