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Werk in Karben vor dem Aus : Continental will sogar bis zu 30.000 Stellen abbauen

Soll bis 2024 geschlossen werden: Elektronik-Werk von Conti in Karben Bild: IG Metall

Der Autozulieferer Continental verschärft sein Sparprogramm. Nach Informationen der F.A.Z. sind davon auch Werke in Hessen betroffen.

          2 Min.

          Der Automobilzulieferer Continental verschärft seinen Sparkurs dramatisch. Statt wie bislang geplant rund 500 Millionen Euro will der Konzern die Kosten jetzt um jährlich mehr als eine Milliarde Euro senken – bis zum Jahr 2023 soll das Ziel erreicht werden.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Falk Heunemann

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          In dem erst vor einem Jahr aufgesetzten Sparprogramm von Conti hieß es noch, dass auf der ganzen Welt bis zu 20.000 Arbeitsplätze betroffen seien. Jetzt ist von rund 30.000 Stellen auf der ganzen Welt die Rede, 13 Prozent der Beschäftigten. Standorte in Deutschland sind von den neuen Plänen besonders betroffen. Im alten Strukturplan „Transformation 2019 – 2029“ hatte das Conti-Management im vergangenen Herbst noch 7000 Arbeitsplätze in der Bundesrepublik zur Disposition gestellt. In dem nun in Hannover vorgestellten neuen Programm ist von rund 13.000 Arbeitsplätzen in Deutschland die Rede, dazu „ein weiterer Großteil in Ländern mit ebenfalls hohen Arbeitskosten“. In Deutschland beschäftigt Conti rund 59.000 Menschen.

          Standorte in Hessen betroffen

          Continental-Vorstandchef Elmar Degenhart begründete die neuen bis 2029 geplanten massiven Kostensenkungen und Umstrukturierungen mit der andauernden Krise der Autobranche. „Sie trifft die Zulieferer besonders hart“, sagte er. „Sie verlangt uns kurzfristig schon sehr viel ab und fordert uns auf Jahre bis zum Äußersten.“

          Das Unternehmen teilte zudem mit, dass Teile der jetzt vorgelegten Strategie „voraussichtlich zur Verlagerung oder Schließung von Anlagen und Betriebsteilen an Standorten mit dauerhaft zu hohen Kosten, auslaufenden Technologien oder absehbar mittel- bis langfristig unwirtschaftlicher Auslastung der Produktionskapazitäten“ führen. Zu den Plänen – die vom Aufsichtsrat noch abgesegnet werden müssen – gehört auch, Aufgaben in der Produktion und der Forschung und Entwicklung „an den weltweit wettbewerbsfähigsten Standorten“ zusammenzuziehen.

          Der Konzern-Betriebsratsvorsitzende Hasan Allak und sein Stellvertreter Lorenz Pfau sprachen von einem „Schock“, als sie von den neuen Plänen des Managements zur Kostensenkung erfuhren. „Das ist ein schwerer Schlag“, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung der beiden. „Der Vorstand greift zum bekannten Strickmuster: Umsatz runter, Kosten runter, Werke dicht machen, Arbeitsplätze streichen.“

          Sie beklagten, dass den Mitarbeitern keine verlässlichen Perspektiven gegeben würden. Die Gewerkschafter machten neben der Krise der Branche auch Fehler des Managements für die angespannte Lage bei Conti verantwortlich – wie eine überzogene Wachstumsstrategie, Qualitätsprobleme und milliardenschwere Abschreibungen.

          Allein in Hessen werden nach Informationen der F.A.Z. mehrere Continental-Standorte betroffen sein. So soll offenbar das Automotive-Werk in Karben, das etwa Bauteile für Klimaanlagen, Tachos und Fahrerassistenzsysteme herstellt, komplett bis 2024 geschlossen werden. Dort sind knapp 1100 Menschen beschäftigt. Die ersten Stellen sollen schon im nächsten Jahr wegfallen.

          In Frankfurt-Rödelheim sollen demnach fast 500 Arbeitsplätze wegfallen, das ist knapp ein Zehntel der dortigen Belegschaft. Dort sitzt die Zentrale der Tochter für Sicherheitssysteme wie Hochleistungsbremsen. An den Standorten in Babenhausen und Schwalbach soll der ohnehin geplante Stellenabbau deutlich beschleunigt werden. Der Konzern wollte diese Informationen nicht kommentieren. „Die Gespräche laufen noch und es wurde Vertraulichkeit vereinbart,“ sagte ein Continental-Sprecher.

          „Das ist brutaler als ohnehin befürchtet“, heißt es aus Gewerksschaftskreisen zu diesen Sparplänen. Das sei ein „Kahlschlag“. Das Ziel sei nun, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden, allerdings sei dies in Karben kaum möglich. Nun heiße es: „Auf in den Kampf“. Für diesen Mittwochnachmittag ist in Karben eine Protestaktion geplant. Dort betreibt der Konzern noch eine weitere Fabrik, für die aber die Chemiegewerkschaft zuständig ist.

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