https://www.faz.net/-gzg-a7vvn

Neue Vorsitzende Spieß : Eine Genderlinguistin für die „Unwort“-Jury

Hetzparole: Der Begriff „Corona-Diktatur“ ist eines der beiden „Unwörter des Jahres 2020“. Bild: dpa

Die sprachkritische „Unwort“-Aktion hat eine neue Jury. Ihre Vorsitzende ist die Marburger Genderlinguistin Constanze Spieß. Sie will einiges ändern - aber die linke Tendenz dürfte bleiben.

          2 Min.

          Für selbsternannte Querdenker steht das „Unwort des Jahres 2021“ jetzt schon fest: „Impfung“. Diesen Vorschlag der Jury zu unterbreiten, können sich die Injektophobiker indes sparen. Ziel der 1991 ins Leben gerufenen „sprachkritischen Aktion“ ist es nicht, über Alltagsbegriffe zu urteilen, die von bestimmten gesellschaftlichen Gruppen mit negativer Bedeutung aufgeladen werden. Sie soll vielmehr Formulierungen anprangern, die aus sich selbst heraus gegen Demokratie und Menschenwürde verstoßen oder Dinge euphemistisch verschleiern – so wie „Corona-Diktatur“ und „Rückführungspatenschaften“, die „Unwörter“ 2020.

          Sascha Zoske

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          An dieser Linie will auch Constanze Spieß nichts ändern. Die Marburger Germanistikprofessorin, Jahrgang 1975, ist jetzt Sprecherin der „Unwort“-Jury, die sich im Dezember neu konstituiert hat. Sie hat diese Aufgabe von ihrer Darmstädter Fachkollegin Nina Janich übernommen. An der jüngsten Auswahl hat Spieß noch nicht mitgewirkt, aber sie konnte – wie in diesen Zeiten üblich, per Videoschaltung – bei der Jury-Arbeit hospitieren. Außer ihr gehören nun drei weitere Sprachwissenschaftler und eine Journalistin dem Gremium an. In den vergangenen Jahren haben die „Unwort“-Ermittler auch immer wieder Gäste zu ihren Sitzungen eingeladen, ein Brauch, an dem Spieß gerne festhalten würde.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          F.A.Z. PLUS:

            Sonntagszeitung plus

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Im brasilianischen Santo Andre liegen Covid-19-Patienten inmitten der Corona-Pandemie in einem Feldlazarett.

          Corona-Mutante in Brasilien : Alle 90 Sekunden ein neuer Patient

          In Brasilien steht das Gesundheitssystem vor dem Kollaps. Krankenhäuser müssen Patienten ablehnen, vor den Kliniken bilden sich Warteschlangen. Forscher publizieren alarmierende Befunde zu den Mutanten.