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Compass Group : Eschborner Riese kocht für Deutschland

Die Eschborner Compass Group betreut das Restaurant und die Bar im Frankfurter Main Tower (Foto) ebenso... Bild: Compass

Sie zählt zu den kaum bekannten Riesen in der Wirtschaft: Die Compass Group mit Sitz in Eschborn hat alleine in Rhein-Main rund 2500 Mitarbeiter. Das Unternehmen sieht sich als führend im Catering. Es betreut Betriebskantinen, aber nicht nur. Hinzu kommt eine eigene Kaffeemarke.

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          Auf den ersten Blick eint das Main-Tower-Restaurant und die Kantinen im Industriepark Höchst, bei Accenture in Kronberg oder bei der Deutschen Bank in Frankfurt nicht viel. Die Gastronomie im Helaba-Turm an der Neuen Mainzer Straße ist öffentlich zugänglich, für Betriebskantinen trifft das nicht zu. Auch beurteilen Gourmets nur selten Mitarbeitercasinos, das Restaurant im Main-Tower dagegen ist wiederholt von der Fachzeitschrift „Feinschmecker“ gelobt worden. Und doch verbindet sie eines: Hinter ihnen steht die Compass Group mit Sitz in Eschborn. Dieses Unternehmen ist ein ganz Großer in der Catering-Branche. Und das längst nicht nur hierzulande.

          Thorsten Winter
          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Vorsitzende der Geschäftsführung, Jürgen Thamm, untermauert dies mit Zahlen. In Deutschland arbeiten etwa 13.800 Frauen und Männer, darunter 100 Lehrlinge, für Compass – „damit sind wir einer der größten Arbeitgeber“. Allein im Rhein-Main-Gebiet zählt der deutsche Ableger des börsennotierten britischen Konzerns rund 2500 Beschäftigte. Die Region um Frankfurt ist einer größten Märkte für den Caterer. Etwa 175 Kunden zählt die Tochtergesellschaft Eurest Deutschland GmbH, die außer Betriebskantinen auch Altenheime und Krankenhäuser sowie das Schloss in Frankfurt-Höchst gastronomisch betreut. Denn seit 2001 gehört auch die ehemalige Hoechst Service Gastronomie GmbH zum Unternehmen, die die Mitarbeiter auf dem Stammgelände des früheren Chemie- und Pharmakonzerns bekocht und heute als Eurest IP-H firmiert. Nicht zu vergessen die Burg Crass bei Eltville, die von der Schwesterfirma Food Affairs betreut wird.

          320.000 werden zubereitet und serviert - am Tag

          „Wir haben alle Industrien als Kunden“, sagt Thamm. Drei Viertel des Umsatzes macht Compass mit Catering in Betrieben, zwölf Prozent in Stadien wie dem in Hoffenheim oder der SAP-Arena in Mannheim. Ein Zehntel entfällt auf Krankenhäuser und Altenheime, drei Prozent auf Schulmensen. Die Mengen, die Eurest täglich in der gesamten Republik serviert, sind kaum vorstellbar. Rund 320.000 Mahlzeiten werden täglich hergestellt. In neun von zehn Fällen geschieht dies dort, wo die Speisen verzehrt werden, also in der Küche der Kantine, wie der Geschäftsführer der Compass Group Deutschland GmbH erläutert. Das Unternehmen verfolge die Leitlinie, Mahlzeiten frisch zuzubereiten statt Essen auf Rädern zu liefern: „Wir sind definitiv ein Qualitätscaterer.“

          ...wie die Kantine nebst Salatbar von American Express
          ...wie die Kantine nebst Salatbar von American Express : Bild: Florian Sonntag

          Um diesem Anspruch gerecht zu werden, bieten Compass-Köche jeden Tag ein Essen mit höchstens 400 Kalorien an. Sie geben auch Ernährungstipps. „Fast überall“ wird eine Salatbar angeboten. Gleichwohl gibt Thamm unumwunden zu: „Die Renner sind Currywurst und Schnitzel.“ Und zwar überall in der Republik, die nach Erfahrung von Eurest ansonsten in bis zu neun „Essregionen“ zerfällt. Das bleibt nicht ohne Folgen für das jeweilige Angebot: Im Norden kommt mehr Fisch auf den Teller, im Süden mehr Fleisch. Und im Rhein-Main-Gebiet nicht zuletzt Grüne Soße mit Kräutern aus dem heimischen Anbau? Thamm nickt. Außerdem wird vergleichsweise viel Kasseler mit Sauerkraut serviert.

          Bei der Zubereitung von Speisen greift Eurest auch auf Rohstoffe aus Bio-Anbau zurück. Der Anteil hat sich laut Thamm binnen zwölf Monaten verdoppelt, liegt aber dennoch nur bei fünf Prozent. „Aber nicht, weil wir das so wollen, sondern weil der Markt für Bio-Ware so klein ist.“ Dies gilt vor allem für landwirtschaftliche Produkte aus ökologischem Anbau in Deutschland, wo Compass nach eigenen Angaben den überwiegenden Teil dessen einkauft, was die Eurest-Köche zu Mahlzeiten verarbeiten. Der Einkauf wird von der Zentrale in Eschborn aus gesteuert – die Küche am jeweiligen Ort können den für sich passenden Lieferanten wählen. Backwaren werden dabei von Hunderten Bäckern in ganz Deutschland geliefert. Denn: „Das Zeitfenster ist klein – innerhalb von zwei Stunden müssen Brote und Brötchen von der Backstube in die Betriebe gefahren werden.“

          Umsatz von 614 Millionen Euro im Jahr

          Für den Kaffee oder den Espresso, den die Kantinengänger nach dem Essen oder zwischendurch trinken, sorgt Compass dagegen selbst: Unter Caffè Dallucci tritt das Unternehmen mit einer eigenen Marke auf. Die Bohnen kauft Compass selbst ein und lässt sie von einem Lohnröster in Dortmund verarbeiten. Die Produkte können auch Kaffeefans, die keinen Zugang zu Eurest-Kantinen haben, testen – am Compass-Sitz in Eschborn oder dem Handelshaus der Commerzbank an der Hafenstraße in Frankfurt etwa.

          Mit ihren Diensten hat die Compass Group in Deutschland im vergangenen Geschäftsjahr 614 Millionen Euro nach 602 Millionen im Vorjahr erlöst. Damit ist Deutschland der sechstgrößte Markt für das Unternehmen. Zum Vergleich: Die gut 600 Mitarbeiter starke Catering-Tochter der Frankfurter Wisag-Gruppe kam auf 29 Millionen Euro. Angesichts dessen sieht Compass als Hauptkonkurrenten jene Kantinen an, die noch von Unternehmen oder etwa der Bundeswehr selbst betrieben werden. Doch wenn es nach Thamm geht, werden Eurest-Köche neue Einsatzfelder finden. „Wir wollen und werden wachsen“, sagt der Chef, der den Marktanteil bei Betriebsrestaurants hierzulande auf 30 Prozent beziffert.

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