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Wegen dringender Sanierung : Geld für das Comoedienhaus benötigt

1781 erbaut: Erst war das Comoedienhaus Wilhelmsbad Anlage für betuchte Kurgäste, später ein Zufluchtsort für Vertriebene. Bild: Wolfgang Eilmes

Die Sanierung des Comoedienhaus Wilhelmsbad ist dringend. Stadt, Bund und Spender beteiligen sich an den Kosten in Höhe von 7,5 Millionen. Jetzt fehlt nur noch eine Zusage des Landes Hessen.

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          Es stand schon schlimmer um das historische Comoedienhaus in Wilhelmsbad. Eröffnet wurde das schmucke Barocktheater, das von dem seinerzeit renommierten Architekten Ludwig von Cancrin entworfen wurde, im Jahr 1781. Wie das historische Karussell und andere von Cancrin ersonnenen Kuranlagen diente es zur Unterhaltung betuchter Kurgäste. Mit rund 200 Plätzen war es für den Kurbetrieb groß genug. Als dieser eingestellt wurde, weil die Heilquelle versiegte, ging es auch mit dem Comoedienhaus bergab. Ganz schlimm kam es im Zweiten Weltkrieg. Zwar blieb das Gebäude von Bombeneinschlägen verschont, doch wurde es zweckentfremdet und im Innern weitgehend verwüstet.

          Luise Glaser-Lotz
          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Ende der sechziger Jahre wurde das Gebäude, im Besitz der hessischen Schlösserverwaltung und in Erbpacht der Stadt befindlich, vor dem Verfall gerettet. Das Gebäude wurde mit Beteiligung des Hessischen Rundfunks saniert und diente dem Sender für publikumswirksame Veranstaltungen und Fernsehaufzeichnungen.

          Bis heute ist das Comoedienhaus einer der wichtigsten Veranstaltungsorte der Stadt und sicherlich auch der schönste. Es zählt zu den ältesten noch in Betrieb befindlichen historischen Theatern Deutschlands und zu den 14 Theatern zwischen Putbus und Koblenz, die in die Deutschlandroute der historischen Theater aufgenommen wurden und damit Bestandteil der „Europaroute der Historischen Theater“ sind.

          Kosten von rund 7,5 Millionen Euro

          Die Bühnentechnik, die der Hessische Rundfunk seinerzeit im Comoedienhaus einbauen ließ, zählte zum Besten, was damals technisch zu haben war. Sie wird bis heute genutzt, doch auch sie hält nicht ewig, und Ersatzteile sind kaum noch zu bekommen. Auch sonst ist das Comoedienhaus in die Jahre gekommen und braucht dringend eine grundlegende technische und bauliche Überholung sowie eine Verbesserung des Brandschutzes. Die Kosten dafür belaufen sich laut einer Vorstudie der Stadt auf rund 7,5 Millionen Euro. Davon will die Stadt einen Teil übernehmen.

          Historisches Theater: Das Comoedienhaus in Wilhelmsbad gehört zu den wichtigsten und vor allem schönsten Veranstaltungsorten der Stadt.
          Historisches Theater: Das Comoedienhaus in Wilhelmsbad gehört zu den wichtigsten und vor allem schönsten Veranstaltungsorten der Stadt. : Bild: Wolfgang Eilmes

          Im Februar beschlossen die Stadtverordneten, einen Zuschuss von einem Viertel der Gesamtsumme zur Verfügung zu stellen. 1,875 Millionen Euro werden also aus dem Stadtsäckel stammen. Der rührige Förderverein für Wilhelmsbad, der auch maßgeblich die Sanierung des historischen Karussells finanziert hat, sammelt Spenden über Stuhlpatenschaften für das Comoedienhaus. Bisher sind rund 55.000 Euro zusammengekommen. Der Bund will rund 3,75 Millionen Euro für die Sanierung zuschießen. Die Zusage des Bundes ist allerdings daran gebunden, dass sich auch das Land Hessen an den Kosten beteiligt.

          Nur gemeinsam zu bewältigen

          Im vergangenen November hatte Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) den hessischen Finanzminister Michael Boddenberg (CDU) sowie die Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn (Die Grünen), in der Sache kontaktiert. „Ich sehe das Land Hessen in der Pflicht, für das letzte Viertel der Kosten aufzukommen“, schrieb Kaminsky. Jetzt hat er seine Bitte an das Land um finanzielle Beteiligung mit Briefen an die beiden zuständigen Ministerien wiederholt. Die Sanierung und Modernisierung des historischen Theaters in Wilhelmsbad sei eine Aufgabe, die nur gemeinsam bewältigt werden könne. Die Stadt Hanau setze alle zur Verfügung stehenden Mittel ein, und auch der Bund wolle erhebliche Investitionen für den Erhalt dieser einzigartigen Kulturstätte leisten, so Kaminsky. Das Land Hessen solle sich jetzt ebenfalls seiner Verantwortung stellen.

          Das Land hat sich noch nicht festgelegt, sendet aber positive Signale nach Hanau. „Aus Sicht des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst ist es sehr erfreulich, dass es der Stadt Hanau gelungen ist, bundesseitige Fördermittel für die Grundsanierung des Comoedienhauses einzuwerben. Das Land hat der Stadt Hanau zugesagt, die Maßnahme weiterhin konstruktiv zu begleiten“, heißt es in einer Stellungnahme. Erste Gespräche hätten dazu schon stattgefunden. Zur weiteren Konkretisierung, auch hinsichtlich der finanziellen Beteiligung des Landes, sei in einem nächsten Schritt ein Antrag der Stadt erforderlich.

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