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Bahnfahren in der Pandemie : „Der ÖPNV ist kein Corona-Hotspot“

  • -Aktualisiert am

Kein Hotspot: Das Infektionsrisiko in Bus oder Bahn ist nach einer wissenschaftlichen Studie nicht höher als im Auto oder auf dem Rad. Bild: Deutsche Bahn AG

Eine wissenschaftliche Untersuchung in der Rhein-Main-Region bestätigt: Das Infektionsrisiko ist in Bus und Bahn nicht höher als im Auto oder auf dem Rad.

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          Mehr als eineinhalb Jahre nach dem ersten Lockdown gehört der öffentliche Nahverkehr in Frankfurt und der Rhein-Main-Region noch immer zu den Pandemiegeschädigten. Die Auslastung von Bussen und Bahnen erreicht nach Angaben von Knut Ringat, dem Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV), gerade erst wieder zwei Drittel der Werte aus der Zeit vor Corona. Angesichts steigender Infektionszahlen und vermehrter Appelle, vorerst besser zu Hause zu arbeiten, wird sich daran so schnell wohl auch nichts ändern. 

          Ralf Euler
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Aus Sorge vor einer Ansteckung bleiben immer noch viele Menschen dem öffentlichen Nahverkehr fern. Dennoch wird es in Bussen und Bahnen während der Berufsverkehrszeiten morgens und abends oft schon fast wieder so eng wie im Jahr 2019. Dass das unter Corona-Bedingungen manchen Menschen zu voll vorkommt, kann RMV-Chef Ringat nachvollziehen. Ändern lasse sich das aber nicht, weil gerade zu den Stoßzeiten schon alle verfügbaren Fahrzeuge im Einsatz seien. Der RMV hält sein Angebot seit Ausbruch der Pandemie trotz sinkender Fahrgastzahlen zu 100 Prozent aufrecht.

          „Belüftung in Bussen und Zügen grundsätzlich gut“

          Für alle, die beim Zeitpunkt ihrer Reise flexibel sind, hat der RMV eine besondere Offerte. Fahrgäste können sich schon vor Fahrtantritt über das geschätzte Passagieraufkommen in den Verkehrsmitteln ihrer Route informieren. Die prognostizierte Fahrzeugbelegung wird als Piktogramm in der Verbindungsauskunft auf der für Smartphones angepassten RMV-Website angezeigt. Ist das zu erwartende Fahrgastaufkommen auf der gewünschten Verbindung hoch, werden alternative Routen mit geringerem Andrang vorgeschlagen.

          Doch auch in vollen Bussen und Bahnen besteht nach bisherigen Erkenntnissen der Transportunternehmen kein Anlass zu Panik. „Der ÖPNV ist kein Corona-Hotspot“, stellt RMV-Geschäftsführer Ringat klar. Die Belüftung in Bussen und Zügen sei grundsätzlich gut, in den S- und U-Bahnen würden an jeder Haltestelle automatisch alle Türen geöffnet, 99 Prozent der Mitfahrenden trügen ihre Maske vernünftig über Mund und Nase. 

          Tatsächlich erbrachte eine Pendler-Corona-Studie der Charité Research Organisation, einer Tochtergesellschaft der Charité Universitätsmedizin Berlin, in der Rhein-Main-Region ein eindeutiges Ergebnis. Das Infektionsrisiko ist demnach für alle mobilen Menschen gleich hoch; unabhängig davon, ob sie mit Bus oder Bahn, mit Auto oder Fahrrad unterwegs sind. Der Schutz in Bus und Bahn – wie die Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske, Abstandhalten, Fahrzeugreinigung und regelmäßiges Lüften – sei „ausreichend wirksam“.

          Die Forscher hatten für ihre Studie im Februar und März dieses Jahres vier Wochen lang das Covid-19-Infektionsrisiko an 681 Bus- und Bahnpendlern im RMV-Gebiet untersucht. Auch zwischen den öffentlichen Verkehrsmitteln selbst – ob Linienbus, Straßen- oder Regionalbahn – waren mit Blick auf das Infektionsgeschehen keine signifikanten Unterschiede festzustellen. Andere Untersuchungen bestätigen dies. Das Fazit der Charité-Wissenschaftler: „Kein erhöhtes Infektionsrisiko im ÖPNV.“ 

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