https://www.faz.net/-gzg-10r7u

Burg Rheinfels : Machtvolle Festung über dem Strom

  • -Aktualisiert am

Die Burg Rheinfels liegt nicht nur an einer strategisch wichtigen Stelle, sie verfügte auch über gewaltige Verteidigungsanlagen und unterirdische Minengänge Bild: Claus Setzer

Von den 40 Burgen und Schlössern im Mittelrheintal galt vor allem sie als uneinnehmbar: die Burg Rheinfels auf einem Felssporn oberhalb des Städtchens St. Goar. Zerstört wurde sie erst nach der Französischen Revolution.

          Heinrich von Kleist kam aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus: „Das ist eine Gegend wie ein Dichtertraum“, schrieb er 1801, nachdem er mit dem Schiff von Mainz nach Koblenz gefahren war, „und die üppigste Phantasie kann nichts Schöneres erdenken als dieses Tal, das sich bald öffnet, bald schließt, bald blüht, bald öde ist, bald lacht, bald schreckt.“

          Dabei dürfte den Romantiker Kleist die wilde Schönheit des mittleren Rheintals mit seinen steilen Felshängen, engen Schluchten und üppigen Weinbergen ebenso in ihren Bann gezogen haben wie die mächtigen mittelalterlichen Festungen.

          Die größte und mächtigste der Rheinfestungen war Burg Rheinfels, die Graf Diether V. von Katzenelnbogen 1245 auf einem Felssporn oberhalb des Städtchens St. Goar auf dem linken Rheinufer errichten ließ. Mit ihrer Hilfe war es ihm möglich, Zoll von den rheinaufwärts fahrenden Schiffern zu kassieren. Die Schiffe wurden mit Seilen oder Ketten angehalten, die Waren kontrolliert, erfasst und tarifiert, dann waren die entsprechenden Abgaben zu zahlen. Ein äußerst einträgliches Geschäft, das den Katzenelnbogenern viele tausend Goldgulden im Jahr einbrachte und sie bis zum Aussterben 1479 zu einem der reichsten Adelshäuser in Deutschland werden ließ.

          Eine Festung mit dem Ruf, uneinnehmbar zu sein

          Nur zehn Jahre nach der Errichtung von Burg Rheinfels erhöhte Graf Diether den Zoll, obwohl er erst kurz zuvor dem Rheinischen Städtebund beigetreten war. Diesem Bündnis, das nur drei Jahre, von 1254 bis 1257, existierte, gehörten 59 Städte an, unter anderem Mainz, Worms, Oppenheim, Bingen, Frankfurt und Köln, aber auch Zürich, Aachen, Bremen, Lübeck und Nürnberg. Ziel ihres Zusammenschlusses war es zum einen, Konflikte zu vermeiden und durch eine eigene Kriegsflotte den Handelsverkehr auf dem Rhein zu schützen. Daneben wollten die Mitglieder des Bundes aber auch die etwa 30 verschiedenen Rheinzölle abschaffen, über die sich die Händler allenthalben bitter beklagten.

          Diese Forderung passte allerdings gar nicht zu den Plänen des Grafen Diether, der die Baukosten für seine Burg wieder hereinholen wollte. So kam es zum Bruch mit dem Rheinischen Städtebund, der Truppen nach St. Goar schickte, um den widerborstigen Grafen in seine Schranken zu weisen und Burg Rheinfels zu besetzen. Doch die hielt stand. Angeblich belagerten 8000 Fußknechte, 1000 Reiter und 50 Schiffe fast 16 Monate lang die Burg, ehe sie sich geschlagen geben mussten und unverrichteter Dinge wieder abzogen. Auch wenn diese Zahlen wahrscheinlich stark übertrieben sind, erwarb Burg Rheinfels sich durch diese Episode schon früh den Ruf, uneinnehmbar zu sein.

          In der Tat: Wenn man inmitten der mächtigen Mauern steht oder von den meterdicken Wällen der Wehrgänge in die Tiefe blickt, ist es noch heute schwer vorstellbar, wie diese Festung mit den damaligen Mitteln der Kriegführung hätte erobert werden sollen. Zumal die Nachkommen des geschäftstüchtigen Grafen Diether erst recht über das Geld verfügten, um die Burg weiter auszubauen und noch sicherer zu machen. So entstand im 14. Jahrhundert beispielsweise ein mehr als 50 Meter hoher Bergfried, von dem aus man weit in den Taunus und den Hunsrück blicken konnte – das war Rekord in Deutschland.

          Von der Spitze des Torturms aus sieht man auf der gegenüberliegenden Seite des Rheins Burg Katz, die die Grafen von Katzenelnbogen um 1370 errichten ließen. Dadurch wurde es möglich, auch von den rheinabwärts fahrenden Schiffen Zoll zu verlangen – den St. Goarer Doppelzoll nannten das die wenig erfreuten Zeitgenossen. Etwas weiter flussabwärts erkennt man außerdem Burg Maus, eine Gründung des Erzbischofs von Trier, eines Rivalen der Katzenelnbogener. Burg Katz gehört heute einem japanischen Millionär, auf Burg Maus ist ein Adler- und Falkenhof untergebracht.

          Größter freitragender Gewölbekeller in Europa

          Weitere Themen

          Frankfurts Fest der Feste

          Museumsuferfest : Frankfurts Fest der Feste

          Am Museumsuferfest nehmen dieses Jahr 25 Museen teil. Und für Musik sowie Kulinarisches ist reichlich gesorgt. Entspannt kommen Besucher mit Bus und Bahn ans Ziel.

          Topmeldungen

          Wirtschaft in Amerika : Trumps Sommer des Missvergnügens

          Signale eines Konjunktureinbruchs in Amerika machen Trump nervös. Die Wirtschaftslage könnte seine Wiederwahl 2020 gefährden. Die Reaktion des Präsidenten zeigt ein bekanntes Muster.

          Nach Contes Rücktritt : Linke Regierung in Rom möglich

          Die Sozialdemokraten und die Fünf-Sterne-Bewegung erwägen eine gemeinsame Regierungsarbeit – unter fünf Bedingungen. Staatspräsident Mattarella hat für Dienstag die nächsten Konsultationen angesetzt.
          Der gemeinnützige Verein Deutsches Tagebucharchiv e. V hat seinen Sitz in Emmendingen, einer Stadt im Südwesten Baden-Württembergs.

          Erinnerungen : Einblicke in die deutsche Seele

          Das Deutsche Tagebucharchiv sammelt Lebenserinnerungen und Briefe jeglicher Art – von ganz gewöhnlichen Menschen. Es sind faszinierende Dokumente,die die Vergangenheit spürbar machen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.