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: Bundeswehr-Standorte vom Schock erholt

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Als die Bundeswehr vor einem Jahr die Schließung jeder dritten Kaserne in Hessen ankündigte, saß der Schock vor allem im strukturschwachen Norden des Landes tief. Dort, wo wegen der Zonenrandlage seinerzeit viele Truppen stationiert wurden, sind nun die Einschnitte am größten.

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          Als die Bundeswehr vor einem Jahr die Schließung jeder dritten Kaserne in Hessen ankündigte, saß der Schock vor allem im strukturschwachen Norden des Landes tief. Dort, wo wegen der Zonenrandlage seinerzeit viele Truppen stationiert wurden, sind nun die Einschnitte am größten.

          Nach anfänglichem Klagen über den Wegfall von Kaufkraft und zivilen Arbeitsplätzen schmieden die betroffenen Städte inzwischen oft vielversprechende Pläne zur späteren Nutzung der Armeegelände. Die Sorge mancher Bürgermeister ist nun, daß der Bund einen Verkauf der Kasernen mit übertriebenen Preisvorstellungen behindern könnte.

          Bei der Suche nach einer neuen Verwendung der Militäranlagen machen die Städte sich auch unkonventionelle Gedanken und beschränken sich nicht auf das Ansiedeln von Gewerbe. In Wolfhagen ist an die Einrichtung einer europäischen Weiterbildungsuniversität gedacht, in Bad Arolsen soll eine Bio-Raffinerie geschaffen werden, in Fuldatal wollen Segelflieger starten, und ein Investor möchte einen Brüder-Grimm-Erlebnispark bauen. Einige leerstehende Hallen werden bereits vorübergehend von Transportfirmen gemietet. In Bad Arolsen nutzen zwei freie evangelische Gemeinden Räume für den sonntäglichen Gottesdienst.

          "Es ist viel passiert in einem Jahr", sagt der Kasseler Regierungspräsident Lutz Klein (CDU), der die Landesregierung zu einer zügigen Unterstützung der betroffenen Städte anspornte. Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landes, die Hessenagentur, startete eine Untersuchung sämtlicher Standorte, das Land gab Zuschüsse für Gutachten und nahm etliche Orte in das Förderprogramm Stadtumbau West auf. "Die Standorte sehen, daß man sich um sie kümmert und daß etwas im Werden ist", sagt Klein. Hoffnung auf eine Rücknahme der Einschnitte nach dem Regierungswechsel in Berlin brauchen die Kommunen sich nicht zu machen. Der designierte Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) hat schon wissen lassen, er werde an den umstrittenen Standortentscheidungen festhalten.

          In Fuldatal bei Kassel hofft Bürgermeisterin Anne Werderich (FDP) auf eine Verlegung des Segelflugbetriebs auf das Bundeswehrgelände, wenn der nahe Flughafen Kassel-Calden ausgebaut wird. Außerdem gebe es Pläne zur Schaffung eines Museums, das neben Exponaten der Bundeswehr auch das Museum zur Währungsreform beherbergen soll. In der Kaserne wurde nämlich nach dem Zweiten Weltkrieg während einer geheimen Tagung die D-Mark aus der Taufe gehoben. Obwohl Fuldatal mit 1300 Soldaten der größte unter den wegfallenden hessischen Standorten ist, blieben etliche Soldaten in der Gemeinde wohnen und pendelten zum neuen Einsatzort, meint Werderich.

          In Bad Arolsen hat die Bundeswehr für die bereits geräumte Kaserne 23 Mitbenutzungsverträge geschlossen, wie der Standortverwalter und Erste Stadtrat Helmut Hausmann erläutert. Auf die vorübergehende Nutzung der leeren Hallen unter anderem durch eine Logistik- und eine Maschinenbaufirma solle aber die Umwandlung in einen Technologiepark - möglicherweise mit einer Bio-Raffinerie - folgen. "Ideen gibt es viele, die Realitäten sehen weniger positiv aus", sagt der Neustädter Bürgermeister Manfred Hoim (CDU). Die Aussichten, das gesamte 32 Hektar große Areal der Hessenkaserne umzuwandeln, seien beschränkt.

          Bereits angesiedelt habe sich auf dem Gelände aber die Firma Krauss-Maffei Wegmann, die dort Armeefahrzeuge für Auslandseinsätze warte.

          An den Standorten Sontra und Hessisch Lichtenau wird auf eine Weiternutzung der Kasernenflächen durch Gewerbebetriebe gesetzt. "Das steht und fällt aber alles mit dem Weiterbau der A 44 von Kassel nach Thüringen", sagt der Bürgermeister von Hessisch Lichtenau, Jürgen Herwig (SPD). In Sontra soll ein zuvor an anderer Stelle geplantes Gewerbegebiet nun auf dem Bundeswehrgelände verwirklicht werden. "In unmittelbarer Nähe zur künftigen Autobahn ist das sehr attraktiv", sagt ein Stadtsprecher. lhe.

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