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Bundeswehr auf dem Hessentag : „Nach dem neuen Wehrdienst fragen auch viele Frauen“

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Schlange stehen bei der Bundeswehr: Nicht nur dieser Kampfjet interessiert viele, sondern auch eine Karriere bei der Bundeswehr. Bild: dapd

Die Bundeswehr wirbt auf dem Hessentag in Oberursel um Nachwuchs – offenbar mit Erfolg.

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          An der Bundeswehr kommt niemand vorbei. Zumindest nicht auf dem Hessentag in Oberursel. Wer vom Parkplatz auf die Hessentagsstraße gelangen will, kommt direkt auf den „Platz der Bundeswehr“. So ist es auch André Schöffner und seinem Vater gegangen: Erst haben sie sich eine Feldküche angeschaut, jetzt sitzen sie am Beratungstisch im blauen „Karriere-Truck“ der Bundeswehr und schauen erwartungsvoll auf Wehrdienstberaterin Györgyi Haller.

          Während nebenan in einem Zelt ein Bundeswehr-Quiz im Stil von „Wer wird Millionär?“ vor allem Jugendliche anlockt, finden hier zwischen den Stellwänden, Informationstafeln und Computerdisplays des „Karriere-Trucks“ die sogenannten Erstkontakte mit potentiellen Bewerbern statt. André Schöffner möchte Koch werden. „Er macht bald ein Praktikum beim Konditor“, fügt der Vater hinzu. Wehrdienstberaterin Haller erklärt dem Hauptschüler, dass für ihn eine Laufbahn als Fachunteroffizier des allgemeinen Fachdienstes in Frage kommt. Dass er sich dafür für neun Jahre verpflichten müsste, findet André „cool“ – auch weil ihn das Thema Waffen interessiert.

          Ausreichend Interessenten

          Dann geht es um ein anderes wichtiges Thema, das bei den Gesprächen immer angesprochen wird: Mobilität. „Kann ich am Wochenende nach Hause fahren?“, fragt André. Das werde schwierig, meint Haller. Köche würden hauptsächlich bei der Marine gebraucht, und die Schiffe seien oft bis zu 200 Tage am Stück unterwegs. „Aber“, schiebt sie hinterher, „du bist ja jung, du willst doch was erleben!“ Beim dritten Schwerpunktthema, das die Berater stets behandeln müssen, schaut der Vater seinen Sohn nachdenklich von der Seite an. Es geht um mögliche Auslandseinsätze. Auch in Afghanistan müsse für die Soldaten schließlich gekocht werden, sagt Haller. Das müsse man sich gut überlegen.

          Aber auch dieses Thema schreckt André nicht ab. Und so geht es offenbar vielen Bewerbern – denn Sorgen um den Nachwuchs müsse sich die Bundeswehr momentan nicht machen, meint auch Oberleutnant Jens Hörold vom Wehrdienstberatungsbüro Frankfurt, der hier im „Karriere-Truck“ ebenfalls Gespräche mit jungen Leuten führt. Für alle Laufbahnen bewürben sich ausreichend Interessenten, ebenso wie für den neuen Freiwilligen Wehrdienst, der vom 1. Juli an die Wehrpflicht ersetzen soll. Für den interessierten sich im Übrigen besonders viele Frauen.

          Es kommen auch viele Eltern

          Von Problemen bei der Rekrutierung kann auch Manfred Schlenker nichts berichten. Im Gegenteil. Der Generalmajor ist Leiter des Personalamts der Bundeswehr in Köln und ärgert sich über den Tenor mancher Presseberichte. „Wenn es da heißt, die Bundeswehr habe Nachwuchsprobleme, dann ist das Unsinn.“ Und das gilt laut Schlenker nicht nur für Längerdienende – Zeitsoldaten, die sich für vier oder mehr Jahre verpflichten –, sondern auch für den Freiwilligen Wehrdienst.

          Nicht nur die Zahl der Bewerber sei mehr als zufriedenstellend, sagt Schlenker. „Auch die Qualität stimmt.“ Von den etwa 13 000 Stellen, die jährlich von der Bundeswehr neu besetzt würden, seien die meisten im laufenden Jahr schon an Bewerber vergeben – „und 70 Prozent davon kommen mit einer fertigen Berufsausbildung zu uns“. Den Freiwilligen Wehrdienst müsse man natürlich gesondert betrachten, aber auch dort zeichne sich eine erfreuliche Entwicklung ab. Von den bundesweit für das laufende Jahr anvisierten 5000 Freiwilligen werden nach Einschätzung des Zwei-Sterne-Generals zum 1. Juli mehr als 3000 ihren Dienst antreten; 60 Prozent davon seien Abiturienten. Für die nächsten Einstellungsstichtage Anfang Oktober und Januar werde deren Anteil zwar erfahrungsgemäß sinken, von einem „Qualitätsproblem“ könne man aber auch beim Freiwilligen Wehrdienst auf keinen Fall sprechen.

          Im „Karriere-Truck“ wird es derweil eng. Oberstufenschüler fragen nach der Offizierslaufbahn, Arzthelferinnen nach dem Sanitätsdienst, Sportler nach der Sportförderung, und immer wieder kommen auch Eltern, die sich für ihre Kinder informieren wollen. André Schöffner hat sich vorgenommen, demnächst einen Termin im Wehrdienstberatungsbüro zu auszumachen. Er kann sich nach dem Gespräch mit Györgyi Haller gut vorstellen, zur Bundeswehr zu gehen.

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