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Bundestagswahl in Rhein-Main : Kleine Parteien gewinnen, SPD bricht ein

  • -Aktualisiert am

Kann sich auch künftig im Bundestag engagiert zeigen: Heinz Riesenhuber (CDU), der den Wahlkreis Main-Taunus souverän behauptete Bild: AP

Dramatische Verluste der SPD, leichte Rückgänge bei der CDU, hohe Zugewinne für Linke und FDP, leichte für die Grünen – das war auch in Rhein-Main das Ergebnis der Bundestagswahl. In Frankfurt, Offenbach und Darmstadt wurde die CDU stärkste Partei.

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          Dramatische Verluste der SPD, leichte Rückgänge bei der CDU, hohe Zugewinne für Linke und FDP, leichte für die Grünen – das war auch im Rhein-Main-Gebiet das Ergebnis der Bundestagswahl. In den Großstädten Frankfurt, Offenbach und Darmstadt schnitt die CDU trotz der leichten Rückgänge als stärkste Partei ab. Das vorläufige Endergebnis für Hessen lautet: CDU: 32,2 Prozent (minus 1,5 Punkte), SPD: 25,6 Prozent (minus 10,0), FDP: 16,6 Prozent (plus 4,9), Grüne: 12,0 Prozent (plus 1,9), Die Linke: 8,5 (plus 3,2). Die Wahlbeteiligung lag mit 73,7 Prozent über dem Bundesschnitt von 71,0.

          In Wiesbaden konnte die junge Christdemokratin Kristina Köhler zum ersten Mal der Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul den Wahlkreis abnehmen. Köhler kam auf 40,8 Prozent der Erststimmen, Wieczorek-Zeul, die aber über die Landesliste in den Bundestag einziehen wird, nur auf 32,6. Der ehemalige FDP-Bundesvorsitzende Wolfgang Gerhardt erreichte 9,4 Prozent der Erststimmen. Bei den Zweitstimmen erreichten die Liberalen in der Landeshauptstadt aber 17,7 Prozent. Die CDU kam auf 31,1 Prozent (minus 1,0), die SPD nur noch auf 23,6 (minus 9,0). Die Grünen blieben mit 14,1 Prozent stabil, die Linke erreichte 8,6 Prozent (plus 3,5).

          Riesenhuber wieder nach Berlin

          Unangefochten eroberte der frühere Forschungsminister Heinz Riesenhuber den Main-Taunus-Wahlkreis 181. Riesenhuber wurde mit 47,5 Prozent der Erststimmen nach Berlin geschickt, er verschlechterte sich aber gegenüber 2005 um 3,6 Prozentpunkte. Bei den Zweitstimmen im Kreis führte die CDU mit 37,1 Prozent, verlor aber mit 3,0 Punkten überproportional. Dagegen verbesserte sich die FDP überdurchschnittlich um 5,3 Punkte auf 21,7 Prozent. Damit übertrafen die Liberalen die SPD, die nur noch auf 19,2 Prozent kam (minus 8,1).

          Mit nur 46 Stimmen Vorsprung das Direktmandat in Darmstadt behauptet: Brigitte Zypries (SPD)
          Mit nur 46 Stimmen Vorsprung das Direktmandat in Darmstadt behauptet: Brigitte Zypries (SPD) : Bild: dpa

          Der Rheingau-Taunus-Wahlkreis 178 wird in Berlin auch weiterhin von Klaus-Peter Wilsch (CDU) vertreten werden. Er kam auf 46,1 Prozent der Erststimmen (minus 1,4) und ließ damit seinen Gegenkandidaten Martin Rabanus (SPD) deutlich hinter sich (27,7 Prozent). Die CDU erreichte in ihrem „angestammten“ Wahlkreis nur noch 37,2 Prozent (minus 2,6 Punkte). Die SPD wurde von 22,2 Prozent gewählt (minus 9,7 Punkte). Die FDP erreichte 18,7 Prozent und steigerte sich um 6,2 Punkte.

          Starke FDP im Taunus

          Besonders umkämpft war der Darmstädter Wahlkreis 186. Hier gewann die bisherige Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) äußerst knapp mit einem Vorsprung von nur 46 Stimmen. Bei den Zweitstimmen lag die CDU mit 28,8 Prozent klar vor der SPD mit 25,2 Prozent. Beide Parteien mussten Stimmen abgeben, die CDU 1,6, die SPD dagegen 11,3 Prozentpunkte. Die kleinen Parteien konnten sich dagegen ausnahmslos verbessern: Die FDP um 4,5 Punkte auf 15,3 Prozent, die Grünen um 3,0 Punkte auf 17,1 und die Linke um 3,3 auf 8,6 Prozent.

          Auch im benachbarten Hochtaunuskreis lag die FDP mit 20,1 Prozent nur knapp hinter der SPD mit 21,4 Prozent. Die Liberalen gewannen 4,5 Punkte hinzu, die Sozialdemokraten gaben 8,2 Punkte ab. Stärkste Partei wurde abermals die CDU, die mit 35,9 Prozent aber auch 1,5 Punkte hinter ihrem Ergebnis bei der letzten Bundestagswahl zurückblieb. Grüne (11,4) und Linke (6,6) verbesserten sich um 1,6 und 2,0 Punkte. Abgeordneter bleibt weiter Holger-Heinrich Haibach, der auf 45,2 Prozent der Erststimmen kam.

          In der Stadt Darmstadt kam die CDU auf 26,5 Prozent (minus 2,0 Prozent), die SPD verlor 11,6 Prozentpunkte und stürzte auf auf 24,2 Prozent ab. Drittstärkste Kraft blieben die Grünen mit 20,8 Prozent (plus 3,4 Punkte): Auch die FDP verbesserte sich – um 3,6 Punkte auf 13,6 Prozent. Die Linke steigerte sich um 3,9 Punkte auf 9,8 Prozent.

          Hauer verliert Direktmandat

          Neuer Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis 180 (Main-Kinzig) ist Peter Tauber (CDU), der den bisherigen Abgeordneten Sascha Raabe mit 39,4 Prozent der Erststimmen besiegte. Auch bei den Zweitstimmen hatte die CDU mit 32,6 (minus 2,5 Punkte) die Nase vorn. Gewinner waren aber auch hier mit 17,4 Prozent die Liberalen, die ihr Ergebnis vor vier Jahren noch um 5,7 Prozentpunkte steigern konnten. In der Stadt Hanau erreichte die CDU 31,4 Prozent der Zweitstimmen (minus 3,5) die SPD 23,5 (minus 9,6) und die FDP 17,4 Prozent (plus 5,9). Die Grünen kamen auf 11,1 (plus 1,9), die Linke auf 9,8 (plus 3,7).

          Im Wahlkreis 177 (Wetterau) landete Lucia Puttrich mit 41,0 Prozent der Stimmen deutlich vor der Bundestagsabgeordneten Nina Hauer, die nur noch auf 33,1 Prozent der Erststimmen kam, das waren 10,2 Prozentpunkte weniger als vor vier Jahren. Bei den Zweitstimmen lag die CDU mit 33,4 Prozent (minus 1,2) vorn, die SPD verlor 9,6 Punkte auf 25,1 Prozent. Die Liberalen verbesserten sich um 5,2 Punkte auf 17,6 Prozent. Leicht um 1,6 Punkte konnten die Grünen auf 10,7 Prozent zulegen, die Linke steigerte sich um 2,6 Punkte auf 7,6 Prozent. In Friedberg, der Kreisstadt des Wetteraukreises, lag die CDU mit 33,4 Prozent (minus 1,5) deutlich vor der SPD, die mit 22,3 Prozent deutlich um 12,1 Punkte hinter dem Ergebnis der Bundestagswahl vor vier Jahren zurücklag. Die FDP verbesserte sich um 5,4 Punkte auf 17,3 Prozent. Grüne und Linke verbesserten sich auf 13,7 und 7,9 Prozent.

          Jung schlägt Reichenbach knapp

          Im Wahlkreis Offenbach (185), direkt geholt von Peter Wichtel (CDU), lag die CDU mit 31,9 Prozent vorn, verlor aber überdurchschnittlich mit 4,1 Punkten. Die Liberalen verbesserten sich auf 18,4 Prozent (plus 5,8). Die SPD kam nur noch auf 22,2 Prozent (minus 9,8 Prozentpunkte).

          Den Wahlkreis Groß-Gerau holte Bundesverteigungsminister Franz Josef Jung (CDU) mit einem Vorsprung von nur 435 Stimmen vor Gerold Reichenbach (SPD).

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