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Büros am Schiersteiner Hafen : „Wir brauchen aber auch Arbeit“

Bild: F.A.Z.

Die Fraktionen von SPD und Grünen im Schiersteiner Ortsbeirat können sich nach eigenem Bekunden unter Umständen mit einer Ansiedlung der Deutschen Anlagen-Leasing am Osthafen anfreunden. „Wer sich einmal am Hafen niedergelassen hat, geht nie mehr weg“, heißt es.

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          Die Fraktionen von SPD und Grünen im Schiersteiner Ortsbeirat können sich nach eigenem Bekunden unter Umständen mit einer Ansiedlung der Deutschen Anlagen-Leasing (DAL) am Osthafen anfreunden. Damit nimmt die öffentliche Debatte über die Gestaltung der südlich der Rheingaustraße gelegenen Fläche eine unerwartete Wendung. Bislang schien die Ablehnung der Pläne durch die Bürger einhellig zu sein.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Die örtliche CDU hat ihren Parteifreund, Oberbürgermeister Helmut Müller, und den Magistrat aufgefordert, die Planungen einstellen zu lassen. Sie reagierte damit auf die öffentlich gewordenen Verhandlungen der Stadtentwicklungsgesellschaft mit dem Dienstleistungsunternehmen für Finanzen und Baumanagement. DAL erwägt, vier Bürogebäude zu errichten, in die mehr als 200 Beschäftigte einziehen würden.

          Eine solche Perspektive sei „gerade in Zeiten wie diesen nicht so einfach vom Tisch zu wischen“, heißt es in einem gemeinsamen Papier, das Urban Egert (SPD) und Walter Richters (Die Grünen) dieser Zeitung gestern erläuterten. Die Erfahrungen, die man mit der Ansiedlung der Schufa-Holding in der unmittelbaren Nachbarschaft gemacht habe, seien gut.

          „Hier werden keine Büros leerstehen“

          „Wer sich einmal am Hafen niedergelassen hat, geht nie mehr weg. Das bestätigt jeder Bewohner des Tiefgebiets. Befürchtungen, Büros könnten hier leer stehen, kann niemand haben, der jemals dort aus dem Fenster geschaut hat.“ Im Übrigen, so Richters, habe die Stadt viel zu viel Geld in das Areal investiert, um es jetzt einfach brach liegen zu lassen.

          Allerdings sei die gesamte Gegend von der Alten Schmelze über die Äppelallee bis zur Rheingaustraße von starkem Verkehr belastet. Diese Situation würde durch eine Ansiedlung der DAL noch verschärft. Bevor man darüber nachdenken könne, müsse also zunächst unbedingt geklärt werden, wie diese Schwierigkeiten ausgeräumt werden könnten. Nicht umsonst habe der Ortsbeirat mehrfach die Ausarbeitung eines Gesamtverkehrsplanes für Schierstein gefordert.

          SPD und Grüne gehen auf Distanz zu der von Claus Rönsch (CDU) angeführten Bürgerinitiative „Pro Schierstein“, die in ihrem Widerstand gegen die geplanten Bürogebäude auch auf die Historie des Ortes verweist. Schierstein solle sich zwar seiner Wurzeln bewusst sein, meinen sie. „Aber Fischer gibt es hier schon lange nicht mehr.“ Einst habe hier eine Kaserne gestanden. Das Ufer sei streckenweise mit Stacheldraht abgesperrt gewesen. Der Hafen habe der Industrie gedient. „Zwei Weingüter machen aus unserem Stadtteil noch lange keine Weinbaugemeinde Schierstein am Rhein.“

          Hafen als Wassersportfläche zu erhalten

          Neben der Tradition dürfe auch die Zukunft nicht zu kurz kommen. „Die besteht wahrscheinlich nicht nur aus Wein und Tourismus und ist nicht immer schlechter als die Vergangenheit.“ SPD und Grüne verlangen nun von der Stadt ein umfassendes Gesamtkonzept, das den knapp 10.000 Menschen in Schierstein langfristig den „Dreiklang“ von Wohnen, Arbeit und Freizeit erhalte. Dazu gehörten die Entwicklung des Osthafens und des Geländes an der alten Gelatinefabrik, die Renaturalisierung der Bismarckaue, der Neubau der Schiersteiner Brücke, die Gestaltung der westlichen Ortseinfahrt und die Verkehrsführung.

          Der Hafen sei als Wassersportfläche zu erhalten, sagte Egert. „Wir brauchen aber auch Arbeit.“ Das bedeute allerdings keinen Freibrief für die DAL. „Erst wollen wir die Pläne sehen.“ Der Entwurf des Bebauungsplans soll der Öffentlichkeit am 8. Juli vorgestellt werden.

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