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Bürokratie und Energiewende : Der schwierige Weg durch den Förderdschungel

Ernüchtert: Bisher hat Stefan Hammel kein Fördergeld für die 150.000 Euro teure Voltaik-Anlage bekommen. Bild: Michael Braunschädel

Ein Unternehmer aus dem hessischen Rodgau hat eine Solarstromanlage gebaut. Vom Land hat er dafür keinen Cent an Fördergeld bekommen. Für ihn ist daran die Bürokratie schuld.

          3 Min.

          Die gute Nachricht für das Klima und die so eifrig von Parteien verlangte Energiewende: Stefan Hammel hat seinen Plan in die Tat umgesetzt und auf der neuen Lagerhalle am Stammsitz seines Unternehmens Harema in Rodgau im Kreis Offenbach eine 500 Quadratmeter große Photovoltaikanlage installieren lassen. Die schlechte Nachricht für Unternehmer Hammel: Bisher hat er keinen Cent an Fördergeld für seine 150.000 Euro teure Anlage bekommen. Und wenn überhaupt, wird sich die Förderung auf eine Einspeisevergütung beschränken, weil es in Hessen ansonsten keine Förderung von Photovoltaikanlagen mehr gibt, wie Karsten McGovern, Geschäftsführer der Landes Energie Agentur Hessen auf Nachfrage erläutert. Allenfalls sei dann noch die vom Bund unterstützte Möglichkeit eines Kredits der KfW Bankengruppe zum Bau einer solchen Photovoltaikanlage möglich. Benötigt man diesen nicht, sind die Möglichkeiten demnach auch schon erschöpft.

          Jochen Remmert
          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Hammel, der das Familienunternehmen zu einem Großhandel für Gebäudereinigerbedarf weiterentwickelt hat, hätte nach eigenem Bekunden auch diese ernüchternden Botschaften hingenommen. Was ihn ärgert, ist, dass er auf der Suche nach fundierten Auskünften zwar an vielen Stellen ermutigende Signale, aber nirgendwo konkrete Auskünfte bekommen habe – sogar eher irreführende seien darunter gewesen: „Überall hieß es: Sie sind auf dem richtigen Weg. Man hat uns empfohlen, etwas zu tun. Das Land Hessen helfe da auch“, berichtet Hammel. Er habe sich in dieser Sache unter anderem an die Industrie- und Handelskammer Offenbach gewandt und an das RKW Hessen, das sich als Rationalisierungs- und Innovationszentrum der Wirtschaft versteht. Auch eine Nachfrage bei der Energie-Agentur habe ihm nicht die gewünschte Klarheit verschafft. In Rage brachte ihn schließlich die Auskunft, dass er erst einmal ein Gutachten anfertigen lassen solle, auf dessen Grundlage man dann genau sagen könne, ob und, wenn ja, welche Förderung er erwarten könne. Dieses Gutachten hätte Hammel nach eigenem Bekunden 39.800 Euro gekostet.

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