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Buchvorstellung : „Grüßen Sie den Pförtner. Und danken Sie der Putzfrau“

  • -Aktualisiert am

Landesvater: Volker Bouffier (CDU). Bild: dpa

In einem neuen Gesprächsband gibt Volker Bouffier (CDU) preis, was ihn antreibt und wodurch er geprägt wurde. Das Buch wurde gestern in Wiesbaden vorgestellt.

          2 Min.

          1970, im Alter von 18Jahren, trat er in die CDU ein. 1978 war er Mitglied des Landesvorstands der Partei, ein Jahr später Stadtverordneter in seiner Heimatstadt Gießen. 1982 zog er in den Landtag ein, war vier Jahre lang Staatssekretär im Innenministerium und dann elf Jahre Innenminister. Seit 2010 ist er CDU-Landesvorsitzender und hessischer Ministerpräsident. Die Politik ist, nachdem er den Sport wegen eines schweren Autounfalls in jungen Jahren aufgeben musste, Volker Bouffiers große Leidenschaft, und die Begeisterung lässt ihn auch im Alter von 65 Jahren nicht los. „Ich will jeden Tag die Welt ein bisschen besser machen“, heißt das Buch, das aus Gesprächen hervorgegangen ist, die Werner D’Inka und Peter Lückemeier, Journalisten dieser Zeitung, mit dem Politiker geführt haben, und das sie gestern gemeinsam mit Bouffier im Wiesbadener Presseclub vorstellten.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Titel ist Programm. Mit halben Sachen gibt sich der Vollblutpolitiker Bouffier nicht zufrieden, und weil er weiß, dass an dieser Welt noch vieles verbesserungswürdig ist, sollte besser niemand mit seinem baldigen Abschied von der landespolitischen Bühne rechnen. In der hessischen CDU gebe es eine Art geheimen Comment, wonach jedem immer klar sei, wer im Falle eines Falles als nächstes an der Parteispitze zum Zuge komme, berichtet Bouffier in dem Buch. Nach Alfred Dregger kam wie selbstverständlich Walter Wallmann, dann Manfred Kanther und dann Roland Koch, und jeder habe natürlich gewusst, wie es weitergehen würde, wenn Koch einmal aufhören sollte. „Wir mussten keine Mitgliederbefragungen machen.“

          Das Amt bereitet ihm immer noch Freude

          Ob sich auch bei seinem eigenen irgendwann dann wohl doch anstehenden Rückzug wieder eine solche Situation ergeben werde, wisse er allerdings nicht. „Aber wir haben ja auch noch ein bisschen Zeit.“ Lebhaft erinnert sich Bouffier an seine Zeit als junger Landtagsabgeordneter, als er wie alle Neulinge im Plenarsaal ganz hinten saß. Wie auf sich aufmerksam machen? Wenn das Fernsehen die Landtagsdebatten übertrug, „liefen die Profis zu Beginn und zu Ende der Sitzung einmal durch das ganze Plenum, damit man sie daheim auch sah. Die noch größeren Profis wie Dieter Weirich ließen sich ausrufen.“ Seinen Gesprächspartnern D’Inka und Lückemeier gewährte Bouffier einige ungewohnte Einblicke in sein Privat- und Gefühlsleben. So offenbart er in dem soeben im Frankfurter Societäts-Verlag erschienenen Band, welch einschneidendes Erlebnis der schwere Verkehrsunfall im Alter von 23 Jahren war, der ihn fast das Leben kostete. Neun Monate lag er im Krankenhaus, lange Zeit mit der Angst, nie wieder laufen zu können. „Wenn Sie noch nicht einmal nach der Schwester klingeln können, wenn Sie einfach nur daliegen und nichts tun können, dann werden Sie demütig.“

          Bis heute habe er fast täglich Schmerzen, sagte er gestern in Wiesbaden, vor allem bei langem Stehen, aber auch beim Sitzen in den „unmöglichen Stühlen“ im Landtag. Bouffier berichtet, wie es Ende 2013 zur schwarz-grünen Koalition in Hessen kam, warum er die Flughafenpolitik des Frankfurter Oberbürgermeisters Peter Feldmann (SPD) für „irre“ hält und warum ihm die „Unwahrhaftigkeit“ des amerikanischen Präsidenten Donald Trump Sorgen bereitet. Und er verrät, was ihm der damalige Ministerpräsident Walter Wallmann im Jahr 1987 in der ersten Kabinettsitzung geraten hat, um den Kontakt zu den normalen Menschen nicht zu verlieren: „Grüßen Sie den Pförtner. Und danken Sie der Putzfrau.“ Auf die Frage, ob er sich schon Gedanken über sein Ausscheiden aus der Landesregierung gemacht habe, bleibt Bouffier auch beim zweiten Versuch der Journalisten eine klare Antwort schuldig. Sein Amt, sagt er ausweichend, bereite ihm immer noch Freude, und seine Arbeit sei noch nicht erledigt. „Ich will die Welt noch verändern.“

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