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Brüder Grimm-Stadt Hanau : „Es that immer wohl, wenn eine Laus knickte“

Stillgestanden: die Grimms an der Marktstraße in Hanau Bild: Rainer Wohlfahrt

Hanau ist mehr als nur die Brüder Grimm. Heiner Boehncke und Hans Sarkowicz zeigen in ihrem Band eine Literaturstadt mit Tradition und Freigeist im Wandel der Jahrhunderte.

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          Verdient die Stadt Hanau wirklich den offiziellen Zusatz „Brüder-Grimm-Stadt“? Diese Frage stellte man sich, als Hanau im Jahr 2016 den tourismusfördernden Titel zugesprochen bekam. Schließlich, so sagte man etwa in den anderen Grimm-Städten wie Kassel oder Marburg, weilten die in Hanau geborenen berühmten Brüder Wilhelm und Jacob in Hanau nur während ihrer frühen Kindheitstage in der Stadt, bevor die Familie im Jahr 1791 nach Steinau übersiedelte. Jacob war da gerade einmal sechs Jahre alt und Wilhelm fünf. Da liegt der Gedanke nahe, dass es viele Erinnerungen der Sprachwissenschaftler und Märchensammler Jacob und Wilhelm an ihre Geburtsstadt nicht gegeben haben könne. Doch die Bindungen an Hanau waren offenbar recht intensiv. Das zeigt die erste große Hanauer Literaturgeschichte auf, die von den beiden renommierten Literaturforschern Heiner Boehncke und Hans Sarkowicz erarbeitet wurde.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Der umfangreiche Band, er umfasst rund 450 Seiten, wurde vom Magistrat der Stadt Hanau und dem Hanauer Geschichtsverein 1844 in Auftrag gegeben und erschien im Rahmen der traditionsreichen Hanauer Geschichtsblätter. Der Titel des Buches „Märchen und so viel mehr“ ist Programm. Natürlich bilden die Brüder Grimm, ihre Beziehung zu Hanau und die mit Hanau verbundenen Märchenerzählerinnen Schwerpunkt sowie Auftakt der Literaturgeschichte, aber Hanau hat literarisch viel mehr zu bieten. So nehmen die beiden Autoren den Leser mit auf eine literarische Zeitreise von der Renaissance über das Barock und die Romantik bis hin zu den frühen Jahren der Kunst des Buchdrucks, zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus und zur Nachkriegszeit. Beleuchtet wird die Rolle der Hanauer Literaten und Verleger in der unruhigen Zeit des neunzehnten Jahrhunderts und in den Jahren des Übergangs von der Hitler-Diktatur in die Demokratie.

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