https://www.faz.net/-gzg-a5snv

Zahl der Impf-Dosen noch offen : Bouffier: Corona-Impfaktion dauert etwa neun Monate

  • -Aktualisiert am

Maskenmann: Ministerpräsident Bouffier hofft auf eine möglichst große Impfbereitschaft in der Bevölkerung Bild: dpa

Die hessische Landesregierung rechnet mit vier Millionen zu impfenden Menschen in ihrem Bundesland. Die Impfungen gegen das Coronavirus werden unentgeltlich und freiwillig sein, wie es heißt.

          3 Min.

          In Hessen soll es landesweit 30, mindestens jedoch 26 Impfzentren geben. Das hat Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) am Montag gemeinsam mit Innenminister Peter Beuth (CDU) und Sozialminister Kai Klose (Die Grünen) angekündigt. In den Zentren sollen täglich jeweils etwa 1000 Menschen gegen das Coronavirus geimpft werden, was im Idealfall 30 000 Impfungen am Tag ermöglichen würde.

          Bouffier geht davon aus, dass insgesamt rund vier Millionen Hessen geimpft werden wollen und deren Immunisierung in acht bis neun Monaten abgeschlossen sein könnte.  Ähnlich äußert sich der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts im F.A.Z.-Interview.

          Mobile Impfteams sollen helfen, wenn Bewohner von Alten- und Pflegeheimen die Impfzentren nicht selbst aufsuchen können. Der Ministerpräsident kündigte zudem an, gemeinsam mit den Arbeitgeberverbänden einen Aufruf zu starten, damit Arbeitnehmer frei bekommen und zügig geimpft werden können, sofern sie das möchten.

          Mindestens ein Zentrum je Kreis

          „Wir bereiten uns auf den Tag vor, an dem uns der Bund die entsprechenden Impfdosen zur Verfügung stellt, um mit der Impfung zu beginnen“, sagte Beuth. Die Bürger sollen die Möglichkeit haben, sich möglichst nah an ihrem Wohnort impfen zu lassen. Deshalb hat die Taskforce „Impfkoordination“ von Innen- und Sozialministerium am Montagmorgen die Landkreise und die kreisfreien Städte beauftragt, mit Hilfe des Landes Impfzentren aufzubauen.

          Dies ist laut Beuth mit einem sogenannten Einsatzbefehl aus dem Bereich des Katastrophenschutzes geschehen. Jeder Kreis und jede Stadt soll mindestens ein Zentrum einrichten, in größeren und bevölkerungsreicheren Städten können es auch zwei sei. Wo die Kommunen ihre Zentren errichten, bleibt ihnen selbst überlassen. Für Frankfurt hält Bouffier zum Beispiel große Impfzentren an der Messe und am Flughafen für geeignet. Er machte aber auch klar, dass dies der Magistrat der Stadt zu entscheiden habe.

          Die Zentren sollen aus einem Anmeldebereich, einem Areal, in dem geimpft wird, und einem Warte- und Beobachtungsbereich für die Zeit nach der Impfung bestehen. Sie sollen an sieben Tagen in der Woche von 7 bis 22 Uhr geöffnet sein. Am 11. Dezember, so Beuth weiter, sollen die Städte und Landkreise die „Betriebsbereitschaft“ in den Zentren hergestellt haben, damit sofort geimpft werden kann, wenn der Impfstoff vorhanden ist. „Wir werden noch einmal einen sogenannten Aktivierungsbefehl in dem Moment ausgeben, in dem wir loslegen können“, erläuterte der Innenminister das Verfahren.

          Eine „aktive Einladung“

          Da der Impfstoff bei etwa minus 70 Grad gelagert werden muss, würden derzeit spezielle Lager aufgebaut, in denen die Ultrakühlung möglich sei. Kreise und Städte sollen außerdem die mobilen Impfteams einrichten. Außer Ärzten wird auch medizinisches Fachpersonal benötigt, denn die Impfung selbst muss nicht durch einen Mediziner durchgeführt werden. Externe Dienstleister, wie das Deutsche Rote Kreuz, sollen bei der Anwerbung dieses Personals helfen.

          Zum Impfen erhalte jeder Bürger eine „aktive Einladung“, wie Sozialminister Klose ausführte. In dieser werde über den exakten Ablauf in den Zentren informiert. Die Einladungen und Termine sollten mit Hilfe eines automatisierten Verfahrens organisiert werden. Das schließe eine individuelle Terminvereinbarung vorerst aus, so Beuth. Die Impfungen werden unentgeltlich sein.

          Wer zuerst geimpft wird, orientiert sich an der nationalen Impfstrategie und damit an den Vorgaben der Leopoldina, des Ethikrats und den Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes. Beispielhaft nannten Bouffier und Beuth die Mitarbeiter im Gesundheitswesen, Polizei, Feuerwehr und natürlich die Risikogruppen. Aufgrund der gesetzlichen Vorschrift, dass eine Impfung nur dann stattfinden darf, wenn ein Arzt zuvor ein Beratungsgespräch geführt hat, sei es entscheidend, wie viele Ärzte in den Impfzentren eingesetzt werden könnten, zumal es derzeit nicht möglich sei, auf die Krankenhausärzte zurückzugreifen.

          Daher sei es nötig, auch niedergelassene Ärzte zu beteiligen. Zudem könnte es hilfreich sein, pensionierte Ärzte zu reaktivieren und Betriebsärzte um Mitarbeit zu bitten. Insgesamt würden in Hessen zwischen 4000 und 5000 Ärzte benötigt, um die Bürger zu impfen. Die Bundeswehr habe zugesagt, ihre Sanitätszüge zur Verfügung zu stellen.

          Keine Impfpflicht

          „Wir haben uns sehr sorgfältig vorbereitet, aber das Ganze hängt von einer Vielzahl von Umständen ab, denn es ist noch kein Impfstoff zugelassen“, sagte Bouffier, der diese Zulassung jedoch zügig erwartet. Es sei zudem noch unklar, wie viele Impfdosen Hessen erhalte. Bund und Länder, so Bouffier, hätten die Impfstrategie gemeinsam abgestimmt. Der Bund liefere dem Land die Impfstoffe, das diese wiederum an die Zentren in den Kreisen und Städten weiterreiche.

          F+ FAZ.NET komplett

          Vertrauen Sie auf unsere fundierte Corona-Berichterstattung und sichern Sie sich 30 Tage freien Zugriff auf FAZ.NET.

          Jetzt F+ kostenlos sichern


          Die Landesregierung gehe davon aus, dass etwa zwischen 60 und 70 Prozent der Bevölkerung geimpft werden möchten. Dies sei nötig, um die sogenannte Herdenimmunität zu erzielen. In Hessen müssen laut Bouffier dementsprechend etwa vier Millionen Menschen geimpft werden. Da die Impfung zweimal erfolgen muss, seien dies acht Millionen Impfungen. „Das ist die größte Herausforderung, die wir jemals hatten. Noch nie in unserem Land hat es so etwas gegeben“, sagte Bouffier.

          Eine Impfpflicht werde es nicht geben, stellte der Ministerpräsident klar. Auch dem medizinischen Personal bleibe es freigestellt, ob es sich impfen lasse. Er gehe jedoch davon aus, dass insbesondere dieses ein großes Interesse daran habe, immunisiert zu werden. Bouffier appellierte an die Bevölkerung, sich impfen zu lassen und sagte: „Ich glaube, dass wir vielen Menschen Gutes tun können, wenn Sie sich impfen lassen.“ Auf die Frage, ob Hessen bei der Planung der Impfstrategie zu spät sei, antwortete er: „Wir sind gut dabei, vielleicht sind wir auch ganz vorne. Aber das interessiert mich nicht. Mich interessiert, dass wir voll handlungsfähig sind, wenn der Impfstoff da ist.“

          Weitere Themen

          Gegen den weiten Weg zur Impfung

          Impfzentren in Hessen : Gegen den weiten Weg zur Impfung

          Der zum Teil weite Weg für Hochbetagte ins Frankfurter Impfzentrum beschäftigt die Kommunen im Umland, nicht alle können den Senioren einen Fahrdienst zur Verfügung stellen. Eine Petition fordert die Öffnung aller Zentren.

          Wohl größte Impfaktion der Welt eingeleitet Video-Seite öffnen

          Indien : Wohl größte Impfaktion der Welt eingeleitet

          Die indische Regierung spricht von der größten Impfaktion der Welt. Am Dienstag hat das Land mit der Auslieferung von Corona-Impfstoffen begonnen. In den nächsten sechs bis acht Monaten sollen bis zu 300 Millionen Menschen gegen das Coronavirus immunisiert werden.

          Topmeldungen

          Angela Merkel spricht mit den Staats- und Regierungschefs der G-7-Staaten in Garmisch-Partenkirchen.

          Geschlechtergerechte Sprache : Die Siegerin bleibt Zweite

          Auf den Kanzler kommt es an: Es liegt im Interesse der Frauen, dass Frauen und Männer in der Sprache mit einem gemeinsamen Geschlecht benannt werden. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.