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Blaualgenbefall : Trübe Sicht auch in hessischen Seen

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Blaualgen trüben derzeit nicht nur an der Ostseeküste Gewässer und Badefreuden. Auch hessische Badeseen sind von dem vermehrten Wachstum der Mikroorganismen betroffen. Wegen geringer Sichttiefe wurden ...

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          Blaualgen trüben derzeit nicht nur an der Ostseeküste Gewässer und Badefreuden. Auch hessische Badeseen sind von dem vermehrten Wachstum der Mikroorganismen betroffen. Wegen geringer Sichttiefe wurden zwei Badeseen in Offenbach und Gernsheim bereits gesperrt, bei zwei weiteren im Main-Kinzig-Kreis wurde der Badebetrieb eingeschränkt.

          Einige Blaualgenarten sind giftig und können Übelkeit, Erbrechen und Durchfall hervorrufen. Auch Reizungen und Entzündungen der Augen- und Nasenschleimhaut zählen zu den Symptomen. Verschlucken von 20 bis 100 Milliliter stark belasteten Wassers genügen einer Untersuchung des Bundesumweltamtes zufolge, um die genannten Beschwerden auszulösen. Hautreizungen können schon bei direktem Kontakt auftreten. Ulrich Fesel, Gewässerbiologe vom Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie, sieht jedoch keinen Grund zu übertriebener Besorgnis und warnt vor einer Hysterie. Nur wenige Blaualgenarten produzierten Giftstoffe. Die kritische Dosis, die für fünfzig Prozent der Betroffenen tödlich verlaufe, liege bei einem Liter verseuchten Wassers je Kilogramm Körpergewicht. Davor bewahre allein der abstoßende Anblick der "Brühe": "Man sieht förmlich das Gift."

          Grund für das starke Wachstum der bakterienähnlichen Blaualgen sind die extremen Wetterverhältnisse. Gerade flache Gewässer heizen sich durch die Sonneneinstrahlung stark auf. Bei 26 bis 27 Grad Wassertemperatur gedeihen die Algen besonders gut. Zudem verbrauchen sie weniger Sauerstoff als andere Organismen und können sich entsprechend besser unter kritischen Bedingungen vermehren. Durch das Massenwachstum trübt sich das Wasser stark ein, die Sichttiefe nimmt ab.

          So geschehen im Schultheisweiher zwischen Bürgel und Rumpenheim: Seit vierzehn Tagen ist der See, den an Wochenenden sonst drei- bis fünftausend Besucher zur Abkühlung nutzen, gesperrt. Der zulässige Grenzwert von einem Meter Sichttiefe wurde um 50 Zentimeter unterschritten. Gewässerproben des Gesundheitsamtes Offenbach und des Landesamtes für Umwelt und Geologie ergaben einen erheblichen Algenbefall, darunter mehr als 90Prozent toxische Blaualgen. Michael Rolland, Sprecher des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft und Forsten in Wiesbaden, war davon jedoch nichts bekannt, er sagte auf Anfrage, bisher seien noch nie Toxine von Blaualgen in hessischen Gewässern gefunden worden.

          Wenn ergiebige Regenfälle weiterhin ausbleiben und auch die Nachttemperaturen nicht bald sinken, sieht Reinhard Knecht, Leiter des Sport- und Badeamtes der Stadt Offenbach, keine Chance, daß sich das ruhende Gewässer noch bis zum Ende der Badesaison erholt. Auch Sofortmaßnahmen der Feuerwehr, etwa die Algen abzufischen und den See zu belüften, haben sich als wirkungslos erwiesen.

          Ebenfalls die europaweit vorgeschriebene Norm von einem Meter Sichttiefe nicht einhalten können der mittlerweile gesperrte Badesee Gernsheim im Kreis Groß-Gerau sowie der Bärensee Bruchköbel im Main-Kinzig-Kreis, in dem das Baden jedoch in gekennzeichneten Zonen weiter möglich ist. Uwe Amrhein, Pressesprecher des Main-Kinzig-Kreises teilte mit, daß die Qualität des Bärensees "in Ordnung" und das Gewässer "mit Sicherheit" nicht von toxischen Blaualgen betroffen sei. Die eingeschränkte Sperrung erfolge allein aus Gründen der Sicherheit. Bis zur Grenze der Sichttiefe ist das Baden weiterhin erlaubt. Die vorübergehend ebenfalls wegen geringer Sichttiefe eingeschränkte Nutzung des Strandbades Rodenbach ist inzwischen wiederaufgehoben.

          Die Wasserqualität der hessischen Badeseen wird in einem zweiwöchigen Turnus von den Gesundheitsämtern der Landkreise und Städte unter der Sonderaufsicht des Hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie kontrolliert. Eines von mehreren Gütekriterien ist die Sichttiefe nach der europäischen Badegewässerverordnung.

          Am Hattsteinweiher in Usingen im Hochtaunuskreis hat sich der Verdacht auf giftige Blaualgen nicht bestätigt. Die Trübung des Wassers rührt von ungefährlichen Algenarten oder Schwebstoffen her. Die von einigen Blaualgenarten produzierten Giftstoffe, sogenannte Microcystine, wurden bisher nicht gefunden. Aus dem See entnimmt das Gesundheitsamt des Hochtaunuskreises wöchentlich Wasserproben. Wegen des geringen Sauerstoffgehaltes wird der See derzeit durchgehend mit Pumpen belüftet. (rsch.)

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