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Bistum Limburg : Sexueller Missbrauch vertuscht

Der Limburger Dom Bild: dpa

Im Untersuchungsbericht zu einem schweren Fall sexuellen Missbrauchs hat das Bistum Limburg Vertuschung eingestanden. Der damalige Personaldezernent habe „schwerwiegende Fehler“ begangen.

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          Im Fall der Vertuschung eines schweren Falles sexueller Gewalt gegenüber einem Minderjährigen, der sich in den neunziger Jahren im Bistum Limburg zutrug, hat der damalige Personaldezernent Helmut Wanka rückblickend „schwerwiegende Fehler in der Wahrnehmung und anschließenden Einschätzung“ eingestanden und „das damalige Opfer und auch die Gläubigen des Bistums Limburg um Verzeihung gebeten“. Der vormalige Domkapitular reagierte damit auf einen Untersuchungsbericht, den das Bistum bei dem vormaligen Limburger Landgerichtspräsidenten Ralph Gatzka in Auftrag gegeben hatte. Das Bistum wiederum hatte sich nach der einschlägigen Berichterstattung unter anderem dieser Zeitung dazu entschlossen, einen externen Gutachter mit der Rekonstruktion der Vorgänge zu betrauen.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Demnach hielt Wanka 1997 den mittlerweile jungen Mann davon ab, Strafanzeige gegen seinen langjährigen Priester-Pflegevater Fritz B. zu erstatten. Auch das Bistum schaltete die staatlichen Ermittlungsbehörden nicht ein, geschweige denn, dass eine kirchenstrafrechtliche Voruntersuchung anberaumt wurde. Stattdessen wurde der Priester nach einiger Zeit zwecks „therapeutischer Behandlung“ außerhalb des Bistums untergebracht und nach seiner Rückkehr wieder an alter Wirkungsstätte eingesetzt, „ohne dass Vorkehrungen getroffen wurden, um der Wiederholung von Missbrauchstaten entgegenzuwirken“. Das Fehlen von Aktenvermerken sowie einschlägiger Erinnerungen anderer Mitglieder der damaligen Bistumsleitung „legen nahe“, sagte Gatzka, „dass der Personaldezernent agiert hat, ohne seine Vorgesetzten zu unterrichten“.

          In einer persönlichen Erklärung versicherte der mittlerweile 87 Jahre alte Bischof Kamphaus, er habe von dem Fall keine Kenntnis gehabt. Jedoch belaste ihn seit langem der Fall eines Geistlichen, der Mitte der achtziger Jahre aus dem Bistum Würzburg nach Limburg gekommen sei. Obwohl Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs im Raum gestanden hätten, habe er ihm eine Pfarrei im Westerwald übertragen. Nach neuen Gerüchten sei Wolfdieter W. in die Klinikseelsorge nach Frankfurt versetzt worden. Von dort gelangte der Geistliche in das Erzbistum Bamberg, wo er sich neue Opfer suchte, aber schließlich verhaftet und verurteilt wurde. „Hier habe ich schwere Schuld auf mich geladen. Dafür bitte ich in aller Form um Verzeihung. Ich stehe den Opfern selbstverständlich für ein Gespräch zur Verfügung, wenn sie es wünschen“, schrieb Kamphaus.

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