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Limburg : Bistum korrigiert Pläne für Bischofssitz

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Die „Vikarie” aus dem Jahr 1287 soll der künftige Dienstsitz des Bischofs werden Bild: F.A.Z. - Wonge Bergmann

Nur noch zwei Millionen Euro sollen der Bau eines bischöflichen Wohnhauses und die Sanierung von Diensträumen kosten. Zudem will das Bistum nun die Meinung mehrerer Architekten einholen.

          Das Bistum Limburg will die Kosten für einen neuen Wohn- und Dienstsitz des Bischofs gegenüber vom Limburger Dom auf rund zwei Millionen Euro beschränken. Außerdem soll es nun zwei Ausschreibungen geben, in denen Architekten ihre Pläne für ein neu zu errichtendes Bischofswohnhaus sowie die Sanierung eines benachbarten Fachwerkhauses, in dem Diensträume eingerichtet werden sollen, unterbreiten können. Das teilte gestern der Finanzdirektor der Diözese, Hans-Peter Althausen, mit. Damit soll das Vorhaben, das heftige Kritik im Bistum ausgelöst hatte, um 1,5 Millionen Euro billiger werden als bisher offiziell geplant. Wie berichtet, war nach Informationen dieser Zeitung Mitte Dezember gar von möglichen Ausgaben von mehr als sechs Millionen Euro die Rede.

          Federführend bei dem Projekt ist das Domkapitel, nach dessen Willen es einen Bischofssitz am Dom geben soll. Gemeinsam mit Althausen stellten die beiden führenden Domkapitulare, Weihbischof Gerhard Pieschl und Diözesanadministrator Günther Geis, die neuen Pläne vor. Die 3,5 Millionen Euro seien nicht mehr vertretbar gewesen, sagte Geis. Das habe nicht nur der Bischof, sondern auch das Domkapitel so gesehen. Der neue Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst, der am nächsten Sonntag in sein Amt eingeführt wird, unterstützt das Bau- und Sanierungsvorhaben im Prinzip, hat laut einer Mitteilung des Bistums dem Domkapitel aber „empfohlen, eine kostengünstigere Lösung zu finden“. Ein Bischof brauche keine luxuriöse Residenz, sagte er.

          Jury soll Entwürfe der Architekten bewerten

          Die Sanierung des „Vikarie“ genannten denkmalgeschützten Fachwerkhauses soll Althausen zufolge nun höchstens eine Million Euro kosten. Für die Diensträume stünden in zwei Geschossen insgesamt 140 Quadratmeter zur Verfügung. Auf den Ausbau des zweiten Obergeschosses als Gästetrakt werde verzichtet. Gästezimmer sollen nun im benachbarten Wohnhaus eingerichtet werden. Es soll 170 bis 190 Quadratmeter groß sein und laut Althausen nicht mehr als 650.000 Euro kosten. Bei dem Neubau lasse sich Geld sparen, indem man auf einen Keller verzichte, falls dies der felsige Untergrund erforderlich mache. Hinzu kämen 300.000 Euro für die Sanierung einer Mauer, die das Areal umfasse. Die Kosten für den Abriss eines Gebäudes aus den sechziger Jahren, an dessen Stelle das neue Wohnhaus gebaut werden soll, bezifferte Althausen auf 20.000 bis 30.000 Euro. Mit dem Abriss soll im Frühjahr begonnen werden.

          Zu der anfangs genannten Summe von mehr als sechs Millionen Euro befragt, sagte Althausen, diese habe keine Grundlage und sei nur von „nicht autorisierten“ Personen genannt worden, räumte aber auch ein, dass im Zusammenhang mit der Finanzierung eines „Bündels von mehr Maßnahmen“ auf dem Areal des künftigen Bischofssitzes in der vergangenen Zeit „vielleicht auch einmal“ über eine höhere Summe als jene 3,5 Millionen Euro gesprochen worden sei. Vermutungen, der Bischof habe von einem höheren Investitionsvolumen etwas gewusst, widersprach Althausen.

          An der Ausschreibung für die Gestaltung des neuen Wohnhauses, das den Standard eines „guten Pfarrhauses“ haben soll, und die Sanierung des Dienstsitzes sollen mehr als drei Architekturbüros teilnehmen und Studien vorlegen, wie der Finanzdirektor weiter darlegte. An jener für das Wohnhaus solle sich auch Christoph Mäckler beteiligen. Der Frankfurter Architekt hat das Domkapitel in Sachen Bischofssitz in der vergangenen Zeit beraten. Am Verfahren um die Sanierung des Fachwerkhauses solle Mäckler nicht teilnehmen, um dem Verdacht entgegenzuwirken, die Ausschreibung geschehe nur pro forma und Mäckler bekomme den Auftrag sowieso, so Althausen. Mäckler wollte sich nicht dazu äußern. Über die Entwürfe der Architekten soll eine Jury befinden, zu der außer Pieschl, Geis, Althausen und dem Diözesanbaumeister auch zwei Ehrenamtliche gehören sollen: die Präsidentin der Limburger Diözesanversammlung und der Vorsitzende des Diözesankirchensteuerrats.

          „Es muss einen Bischofssitz in der Nähe des Domes geben“

          Geis und Pieschl machten deutlich, dass das Domkapitel die Linie des früheren Bischofs Franz Kamphaus nicht habe fortsetzen wollen. Dieser wollte seinerzeit nicht im eigentlichen Bischofshaus neben der Verwaltungsbehörde des Bistums am Fuße des Dombergs wohnen und war in eine Wohnung im Priesterseminar gezogen. Pieschl sagte, dass es nun auch in Limburg wie in anderen Diözesen einen Bischofssitz in der Nähe des Domes geben müsse. Andererseits, so Geis, habe man die Kritik aus dem Bistum „sehr sensibel wahrgenommen“. Das eigentliche Bischofshaus sei als Wohnsitz ungeeignet, da dort, nachdem Kamphaus es nicht bezogen habe, Büros für Verwaltungskräfte eingerichtet worden seien und Pieschl dort wohne, sagte Geis. Andere Wohnungen, die dem Bistum in Limburg gehörten, seien für den Bischof ebenfalls ungeeignet, fügte Althausen hinzu.

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