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Bistum Limburg : Apostolischer Administrator auf Achse

  • -Aktualisiert am

Vorsteher auf Zeit: Manfred Grothe ist Apostolischer Administrator im Bistum Limburg. Bild: Röth, Frank

Bei der Herbstvollversammlung der katholischen Bischöfe ist dieses Mal auch Manfred Grothe dabei. Er betreut das Bistum Limburg, bis ein neuer Bischof gefunden ist. Doch das könnte noch dauern.

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          Jahr für Jahr das gleiche Bild: Die katholischen Bischöfe treffen sich in Fulda zu ihrer Herbstvollversammlung. Montag hat sie begonnen, und sie dauert bis zum Freitag. Neu ist, dass die Konferenz erstmals von ihrem im März gewählten Vorsitzenden Reinhard Kardinal Marx geleitet wird. Und auch Manfred Grothe tritt in einer neuen Rolle auf, nämlich nicht als Paderborner Weihbischof, als der er die Versammlung schon kennt, sondern als Apostolischer Administrator für das Bistum Limburg.

          Es ist nicht viel Phantasie nötig, um zu erahnen, dass Grothe von den anderen Bischöfen nach seinen Erfahrungen im Bistum gefragt werden wird, dem er seit der Emeritierung von Franz-Peter Tebartz-van Elst Ende März vorsteht. Was er ihnen sagen wird? Vielleicht, dass er sich auf eine längere Zeit eingestellt hat als anfangs gedacht. Dass er derzeit dabei ist, die Bezirke des Bistums zu besuchen, um sich ein besseres Bild zu machen. Dass er intensiv mit der Neuordnung der Pfarreien befasst ist und einen Stellenplan erarbeiten lässt. Kurz: dass er viel zu tun hat.

          Es könnten noch zwei Jahre vergehen

          Wann das Bistum wieder einen Bischof haben wird, ist noch ungewiss. Vermutet wird, dass bis dahin noch zwei Jahre ins Land gehen können. Zunächst soll die Diözese nach der heftigen Krise um Tebartz-van Elst wieder konsolidiert werden. Das ist Grothes Auftrag.

          Zu ihm gehört auch, das Domkapitel zu vervollständigen, dessen Aufgabe es unter anderem ist, einen Bischof zu wählen. Es hat sieben Sitze, von denen derzeit fünf besetzt sind. Im Bistum wird damit gerechnet, dass die übrigen im Winter vergeben werden. Dieser Schritt ist wichtig, denn nach dem sogenannten Preußen-Konkordat wählt im Bistum Limburg das Domkapitel einen Bischof aus einer Liste mit drei Namen, die nach einem komplizierten Auswahlverfahren zustande kommt. Das Domkapitel und die Oberhirten jener Diözesen, die zum Gebiet des Preußen-Konkordats gehören, nennen dem Nuntius in Berlin, dem Vertreter des Papstes, Namen von Kandidaten. Außer diesen Vorschlägen gibt es weitere Listen mit als geeignet geltenden Geistlichen, die die Bischöfe einer Kirchenprovinz oder die Bischofskonferenz turnusgemäß aufstellen müssen.

          Sorge, vor Machtwort des Papstes

          Aufgabe des Nuntius ist es, mit Hilfe von Fragebögen, die er an ausgewählte Personen schickt, Informationen über einige der Kandidaten einzuholen. Der Nuntius kann in diesen Prozess auch weitere Kandidaten einbeziehen. Dann erstellt er für die Bischofskongregation in Rom Berichte über die in Frage kommenden Männer. Am Ende der dortigen Beratungen steht eine vom Papst bestätigte Liste mit drei Namen, die an das Domkapitel geht, das den Bischof wählt.

          Es gebe eine „Restsorge“, dass der Papst das Kapitel nicht wählen lasse, sondern dem Bistum einen neuen Bischof vorsetze, sagt ein Geistlicher. Aber das widerspräche klar dem Konkordat. Für einige ist dieser Fall bereits eingetreten: Laut Konkordat setze allein die Vakanz des Bischofsstuhls den ganzen Prozess in Gang, nicht eine Genehmigung aus Rom. Bisher heißt es nämlich, der Vatikan werde sagen, wann mit der Kandidatensuche begonnen werden könne.

          Eine Rolle dürfte auch der Bericht zur Lage des Bistums spielen, der von Grothe erwartet wird. Dass er gewillt ist, sich ein genaueres Bild von der Diözese zu machen, zeigt seine Besuchstour, die bis März dauert. Nach Frankfurt will er am 3.Dezember kommen, um Gespräche zu führen.

          Ein bedeutendes Thema ist nach wie vor die Bildung von Großpfarreien, die Tebartz-van Elst angestoßen hatte. Deswegen gibt es weiter Kritik. Wie zu hören ist, hat Grothe die Linie des emeritierten Bischofs bestätigt. Es gebe aber auch wichtige neue Nuancen, etwa, was die Zahl der Großpfarreien angehe. Priesterrat und Diözesansynodalrat wollen bald gemeinsam darüber sprechen. Einige halten es für besonders wichtig, dass Grothe sich so früh wie möglich beraten lässt. Bisher erntet er für seine Art der Führung Anerkennung. Er sei lebens- und verwaltungserfahren, bleibe bei Konflikten ruhig und sei freundlich, sagt jemand, der öfter mit ihm zu tun hat. „Wer ihn aber deswegen für harmlos hält, irrt.“

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